Im Zeichen der Natur

Wind, Regen, kühles Wetter waren typisch für das Jahr 2016. Das konnte die Attraktivität des Urlaubslandes Mecklenburg-Vorpommern nicht schmälern: Die Übernachtungszahlen reichen ans vorangegangene Rekordjahr von knapp 30 Millionen heran.

Trotz des wechselhaften Wetters führten auch im Sommer 2016 Orte in Mecklenburg-Vorpommern die bundesweite Sonnenstatistik an: Auf der Insel Rügen, am Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt des Eilandes, schien die Sonne mit 780 Stunden bundesweit am längsten. Platz zwei belegte die Greifswalder Oie, wo 741 Sonnenstunden gemessen wurden. Zugleich war Mecklenburg-Vorpommern mit rund 165 Litern pro Quadratmeter das deutschlandweit zweittrockenste Bundesland.

Auch, aber nicht nur daraus resultieren die unvermindert hohen Übernachtungszahlen. Allein bis September wurden rund 25,4 Millionen Übernachtungen (das ist ein Anstieg von 3,1 Prozent) und 6,2 Millionen Gästeankünfte (+2,7 Prozent) gemeldet.

Die Auslastung der angebotenen Betten lag in den ersten neun Monaten des Jahres bei 38,5 Prozent (+1,5 Prozent). Die meisten Reiseregionen verzeichnen Zuwächse, insbesondere Fischland-Darß-Zingst (+8,7 Prozent), das Vorpommersche Festland (+6,1 Prozent) und Usedom (+4,5 Prozent).

Statistiken, die auch Beleg sind für die touristische Infrastruktur außerhalb der Hauptsaison und für Qualität und Vielfalt der Urlaubsangebote. Wenngleich die neuen Arbeitszeitregelungen bei gleichzeitiger Personalknappheit viele vor allem gastronomische Anbieter vor große Probleme stellte. Leider passiert es deshalb öfter, daß Gäste zu bestimmten Tageszeiten vor verschlossenen Tür stehen oder längere Wartezeiten auf sich nehmen müssen. Doch auch diese Tatsache hält Urlauber nicht vom Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern ab. Ebensowenig wie weniger schöne See-Urlaubs-Wetter-Erscheinungen. Allerdings führen Schlechtwettertage schnell zu verstopften Straßen und Innenstädten. So schön attraktive Museumsangebote in den Orten sind, um so größer wird in solchen Situationen das Verkehrschaos. Eine Verbesserung des Angebotes des öffentlichen Personennahverkehrs zum Beispiel gehört – wie schon seit Jahren – zu den dringlichen Aufgaben, dem Tourismus die Stellung und Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, die er als (trotz Windenergie) wichtige Branche an der nordostdeutschen Küste hat.

Das Touristik-Umfeld jedenfalls hat mehr Nachholbedarf als die Branche selbst, in der sich in den letzten Jahren viel bewegte. Mit besonderen Angeboten, Festen, Themen locken erste Anbieter Urlauber auch in der Nebensaison ins Küstenland.

Darüber hinaus werden vorhandene Angebote qualifiziert. „Mit der seit einigen Jahren deutlich verstärkten Hinwendung zu ländlichen Räumen und mit unseren Appellen zu Erneuerungen und Investitionen streben wir außerdem in die richtige Richtung“, erklärte Jürgen Seidel, inzwischen ausgeschiedener Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. „In den nächsten Jahren kommt es darauf an, daß wir unsere hier noch reichlich vorhandenen Möglichkeiten nutzen, um im Wettbewerb zu bestehen.“

 

„Mit der seit einigen Jahren deutlich verstärkten Hinwendung zu ländlichen Räumen und mit unseren Appellen zu Erneuerungen und Investitionen streben wir in die richtige Richtung.“

 

In der Gästezufriedenheit legte Mecklenburg-Vorpommern noch einmal leicht zu, wie das Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes zeigt, das die Tourismusentwicklung in den ostdeutschen Bundesländern widerspiegelt. Der sogenannte Trust You-Score, welcher die Zufriedenheit auf Basis von 30 Online-Bewertungsportalen mißt, weist für den Nordosten überdurchschnittliche 82,5 Punkte von 100 möglichen Punkten aus. Damit liegt Mecklenburg-Vorpommern hinter Bayern und Schleswig-Holstein bundesweit auf dem dritten Rang. Der Wert der Gästezufriedenheit liegt in Gesamtdeutschland bei 81,7 Punkten.

Die westdeutschen Bundesländer haben allerdings gegenüber den lange führenden ostdeutschen Ländern inzwischen aufgeschlossen. Zurückzuführen ist dies zum Teil auf die inzwischen merklich höhere Investitionsbereitschaft in den westlichen Ländern, während diese in Ostdeutschland laut Tourismusbarometer weiter stagniert.

Überproportional gewachsen ist hingegen in den vergangenen Jahren der Tourismus in den ländlich geprägten Gebieten – stärker beispielsweise als der Tourismus in den Küsten- und Seengebieten. Der ländliche Raum weist dem OSV-Barometer zufolge ein hohes Potential für Rad-, Wander-, Natur- und Aktivtourismus auf, das trotz erfreulicher Zuwächse in den immer noch strukturschwachen Regionen abseits touristischer Zentren noch lange nicht ausgeschöpft ist. Dabei kann und sollte Tourismus laut OSV gerade im ländlichen Bereich stärker die Rolle eines Stabilisators für die Regionalentwicklung einnehmen.

Imme stärker steht das Urlaubsland im Zeichen der Natur. Dabei weist der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern auf die sieben Naturwunder des Urlaubslandes hin, das zu einem Drittel unter Naturschutz steht und gleich drei Nationalparke aufweisen kann. Dazu gehören: die Inseln, die Kreidefelsen, die Kraniche, die Wildnis, die Lagunen, die Seenlandschaften und die Küstenwälder.

 

Ein neuer Trend: Unter den Gästen wächst die Zahl der Angler, die sich an der Ostseeküste „Petri Heil“ wünschen.

 

Ein neuer Trend: Unter den Gästen wächst die Zahl der Angler, die sich an der Ostseeküste „Petri Heil“ wünschen. Laut Reiseanalyse der Forschungsgruppe Urlaub und Reisen haben Gäste im Nordosten ein überdurchschnittliches Interesse am Angeln im Urlaub. 7,5 Prozent gaben an, in den letzten drei Jahren häufig im Urlaub geangelt zu haben. Damit haben rund 300.000 MV-Urlauber Interesse an dieser Freizeitgestaltung. Mehr Service für Angeltouristen wird das neue Qualitätssiegel „Angelurlaub MV – Geprüfte Qualität“ bieten. Es richtet sich an Gastgeber und Tourismusbüros, die sich auf Angelurlauber spezialisiert haben oder diese gezielt bewerben möchten. „Unsere Gäste schätzen das Angelangebot im Land. Mit dem neuen Qualitätssiegel bieten wir ihnen einen Wegweiser zu den Anbietern, die sich auf diese Zielgruppe eingestellt haben und über entsprechendes Know-how verfügen“, sagt Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Um das Qualitätssiegel zu erhalten, müssen Gastgeber und Tourismusbüros, darunter Touristinformationen oder Kurverwaltungen, bestimmte Pflichtkriterien erfüllen. So müssen Gastgeber ihren Gästen einen Filetierplatz, separate Kühlmöglichkeiten, Angelboote stellen oder vermitteln und Kenntnisse über den Erwerb einer Angelkarte oder des Touristenfischereischeins – zeitlich befristet anstelle des unbeschränkt gültigen Fischereischeins – bieten.

Insgesamt also ist die Dynamik in der Tourismusbranche deutlicher zu sehen und zu spüren. Das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern ist auf gutem Wege, sich als deutsche Nummer eins zu bewähren.

FRANK FRIEDRICH

 

Nicht nur der Strand hat seine Reize: Wildromantische Dünenwege laden auch zu Spaziergängen ein.

Fotos (3): FRANK FRIEDRICH

Romantisch, aber auch gefährlich für Schwimmer: Im vergangenen Jahr war an der Küste besonders häufig Sturmwarnung mit zum Teil hohem Wellengang.

Badestrand-Idylle: Hier mit Hochsee-Containerschiff, Möwe und Wasserretter …

Urlauber-Glück Zander: Im gesamten Brackwasser der Ostsee ist diese Fischart zu finden und wird häufig geangelt.

Foto: TMV-ARCHIV

 

 

Zur Sache

Im Zehnjahresvergleich der beliebtesten Inlandsreiseziele der Deutschen belegt Mecklenburg-Vorpommern den ersten Platz. Dies geht aus der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK für die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervor. Von 2005 bis 2015 konnte der Nordosten seinen Anteil von 4,3 Prozent auf 7,9 Prozent erhöhen. Bayern und Schleswig-Holstein folgen. Für die Analyse wurden im Januar 2016 insgesamt 4000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt.

 

 

Sonnenscheindauer

Streit um den sonnenreichsten Ort der letzten zehn Jahre.

Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich ein Dritter. In diesem Fall ist es das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern, wenn es um die Frage nach dem sonnenreichsten Ort des Landes in den letzten zehn Jahren geht. Derzeit sind sich der Deutsche Wetterdienst und Meteomedia AG uneins um die Lage dessen. Meteorologe Stefan Kreibohm von der Meteomedia AG widersprach kürzlich seinen Kollegen vom Deutschen Wetterdienst (DWD), die Kap Arkona auf der Insel Rügen zum Spitzenreiter erklärt hatten. Dort wurden zwischen 2006 und 2015 rund 19.520 Sonnenstunden gemessen. Auf Hiddensee, wo der DWD nicht mißt, seien im gleichen Zeitraum aber 20.636 Sonnenstunden zusammengekommen, hat Kreibohm errechnet. Grieben auf Hiddensee sei das sonnigste Dorf der ganzen Bundesrepublik. „Wie auch immer die Diskussion ausgeht: In jedem Falle liegt der sonnenreichste Ort Deutschlands erneut in Mecklenburg-Vorpommern und darüber freuen wir uns“, sagte dazu Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Der ADAC stellte auf Basis von Wetterdaten des DWD die sonnenreichsten Großstädte in den letzten zehn Jahren vor. Demnach rangiert Rostock (18.306) auf Platz drei hinter München (18.555) und Stuttgart (18.476). „Die lange Sonnenscheindauer ist neben vielem, was der Nordosten zu bieten hat, ein Grund mehr, den nächsten Urlaub hier zu planen“, so Fischer.

FRANK FRIEDRICH

 

Reichlich Reserven

Ein Bayer in Mecklenburg-Vorpommern: Wolfgang Waldmüller ist der neue Vizepräsident des Landestourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir wollen uns gegenüber anderen Branchen und Institutionen weiter öffnen. Tourismus vernetzt nahezu alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche des Landes. Es reicht daher nicht, die Tourismusbranche einzeln zu betrachten. Ihre volkswirtschaftliche, soziale und kulturelle Relevanz wird erst in der Wechselwirkung mit anderen Branchen wirklich deutlich“, beschreibt der neue Vizepräsident des Landestourismusverbandes seine Ziele.

Für fünf Jahre wird der 1962 in München geborene und heute als CDU-Abgeordneter des Schweriner Landtages tätige Wolfgang Waldmüller neben der in Waren (Müritz) geborenen und in der vierten Amtszeit stehenden Sylvia Bretschneider dem Verband vorstehen.

Mecklenburg-Vorpommern und Bayern sind die beiden führenden Tourismusregionen in Deutschland. In den kommenden fünf Jahren soll das bayerisch-norddeutsche Duo den Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern führen. Waldmüller folgt dem aus Altersgründen ausgeschiedenen Jürgen Seidel.

Zu seinen Zielstellungen für die Arbeit im Tourismusverband sagte Waldmüller weiter: Tourismus sollte landespolitisch und parteiübergreifend als Schwerpunkt noch expliziter benannt werden, denn er könne durch nichts ersetzt werden und sei in vielen Regionen ein gewichtiger Teil der Antwort auf die Fragen, die die Menschen an die Politik stellten. „Tourismus kann und muß ein Treiber der Entwicklung dieses Landes sein und als ein zentraler Wirtschaftszweig zur Lebensqualität der Menschen erheblich beitragen.“ Bei der Stärkung der Vor- und Nachsaison, der Fachkräftesicherung und der Erreichbarkeit gebe es noch reichlich Reserven.

FRANK FRIEDRICH

 

 

Aus NTI-Sonderausgabe "Ostsee" 2017

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