„Landwirte brauchen Verläßlichkeit“

Niko Scheringer will kein schaf- oder kuhfreies Land Thüringen erleben. Der Agraringenieur stellt fest: „Die Menschen, und damit die Verbraucher in Thüringen und natürlich auch die politisch Verantwortlichen müssen von uns Landwirten von der Tatsache überzeugt werden, daß durch eine weitere Reduzierung der Tierbestände nicht nur der ländliche Raum und dessen Perspektive geschwächt wird, sondern auch der Wirtschaftsstandort Thüringen insgesamt.“

 

Gibt es eine Zukunft für die Landwirtschaft?

Ja. Selbstverständlich.“ Das sagt mit Niko Scheringer einer, der es wissen muß. Der 53jährige gelernte Rinderzüchter und studierte Agraringenieur ist selbst seit 1980 in der Landwirtschaft tätig, das letzte immerhin Vierteljahrhundert als Abteilungsleiter Feldbau in und für die Agrargenossenschaft Großfahner. Die bewirtschaftet im Landkreis Gotha gut 1700 Hektar Ackerland. Auf den 800 Hektar, die für den Feldbau vorgesehen sind, werden Raps, Weich- und Hartweizen, Wintergerste, Ackerbohnen, Mais und Luzerne angebaut. Dazu stehen am östlichen Abhang der Fahner Höhe rund 1000 Rinder, darunter 650 melkende Kühe sowie 600 Schafe der Rassen Merino-Langwoll und Schwarzköpfiges Fleischschaf in den Ställen oder auf den Weiden. In der jüngeren Vergangenheit sei die Schafhaltung deutlich zurückgegangen, die Verantwortung trage, so Niko Scheringer als ein Mann der klaren Worte, die verfehlte Thüringer Landwirtschaftspolitik, die die Schafhaltung vernachlässige und bei der Förderung benachteilige.

Zusätzlich betreibt die Genossenschaft eine Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 400 Kilowatt, die für die Kühlung der erzeugten Milch verwendet wird und entsteht durch die Befüllung der Anlage mit Maissilage, dem anfallenden Mist und der Gülle im sogenannten Naßfermentationsverfahren.

Niko Scheringer ist aber nicht nur ein Mann der klaren Worte, sondern auch der Tat. Für die steht insbesondere sein ehrenamtliches Engagement als Gemeinderatsmitglied in Döllstädt, als Vorstandsvorsitzender der Kreisjägerschaft Gotha, als Präsidiumsmitglied im Thüringer Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirkinhaber sowie bereits seit 1991 als Mitglied des Thüringer Bauernverbandes. Für den Letztgenannten kandidierte er Anfang Dezember in Erfurt-Alach als Präsident.

Doch zurück zu der Zukunft der Landwirtschaft und den klaren Worten. Beispiel eins und zwar bezüglich seiner Kandidatur als Thüringer Bauernverbandspräsident: „Ich finde, daß es für die Zukunft der Thüringer Bauernschaft wichtig ist, daß jemand den Berufsstand vertritt, der selbst als Landwirt mitten im Leben steht, der die Sorgen und Nöte auf dem Land aus eigener Erfahrung kennt und bereit ist, unsere Interessen kämpferisch gegenüber der Politik zu vertreten.“

Beispiel zwei und zwar bezüglich der Erzeugerpreise, insbesondere der für die Milch: „Derzeit wird die jahrelange, mühevolle Tierzucht mit katastrophalen Erzeugerpreisen zunichte gemacht, viele Existenzen sind bedroht. Nur gemeinsam und über einen starken Bauernverband können wir für unsere Sache kämpfen, Lösungen suchen, Vorschläge für eine bessere Landwirtschaftspolitik erarbeiten und gestalten.“ Beispiel drei und zwar bezüglich der Solidarität unter den Agrarbetrieben und der Lobby der Landwirtschaft: „Für einen starken Bauernverband brauchen wir alle Bauern, vom kleinsten Nebenerwerbsbetrieb bis zur größten Agrargenossenschaft. Das gilt unabhängig davon, ob diese Betriebe konventionell oder ökologisch wirtschaften.“ Und dazu gehört natürlich auch: „Für einen starken Verband müssen wir aber auch aktiver als bisher Mitglieder werben.“ Weil. „Jedes unserer Mitglieder muß auf die Unterstützung des Verbandes zählen können.“

Für einen starken Bauernverband brauchen wir alle Bauern, vom kleinsten Nebenerwerbsbetrieb bis zur größten Agrargenossenschaft. Das gilt unabhängig davon, ob diese Betriebe konventionell oder ökologisch wirtschaften.“

Beispiel vier und zwar bezüglich der öffentlichen Diskussionen um die Massentierhaltung oder den ökologischen Landbau. „Aber auch Tierhaltung und Anbaumethoden werden in der Zukunft Themen bleiben. In Großfahner haben wir, wie viele Landwirte in Thüringen auch, in den letzten Jahren eine Menge für das Wohl unserer Tiere unternommen. Und das war gut so. Man muß aber auch klar sagen, daß bei diesem Thema nur das geht, was finanziell und produktionstechnisch machbar ist. Als Landwirte müssen wir von unserer Arbeit leben können.“ Und weiter. „Ich halte die ideologisch gefärbte Diskussion um den ökologischen Landbau nicht für zielführend. Ein Bauer muß immer frei entscheiden können, wie er sein Land bewirtschaften möchte.“

Ein letztes Beispiel und zwar bezüglich der eingangs gestellten Frage und der Antwort darauf: „Ja. Selbstverständlich. Denn ich will kein schaf- oder kuhfreies Land Thüringen erleben. Die Menschen, und damit die Verbraucher in Thüringen und natürlich auch die politisch Verantwortlichen müssen von uns Landwirten von der Tatsache überzeugt werden, daß durch eine weitere Reduzierung der Tierbestände nicht nur der ländliche Raum und dessen Perspektive geschwächt wird, sondern auch der Wirtschaftsstandort Thüringen insgesamt. Wir Landwirte brauchen von der Politik vor allem Verläßlichkeit, bezahlbare Gebühren und Kommunalabgaben, eine Gebietsreform mit Augenmaß, bei der die Belange, Probleme, Interessen und Perspektiven im ländlichen Raum nicht unter den Tisch der Großstrukturen fallen und keine ständig neuen Regeln und Reglementierungen seitens des Staates.“

Sagt einer, der es wissen muß. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

JÜRGEN RAABE

 

Landwirt Niko Scheringer: „Viele Existenzen sind bedroht.“

Foto: AGGF-ARCHIV

NTI Ausgabe 04-2016

Thüringen aktuell

Wohin in Thüringen?

Meine NTI Online
Aktueller Titel

Benutzeranmeldung
In der nächsten NTI

Sonneberger Potentiale

Die Ausgabe 4/2017 berichtet über das geplante bayerisch-thüringische Oberzentrum.

Werbung