„Wir wollen weiter wachsen“

Der Chemiestandort Bad Köstritz hat sich seit der Wiedervereinigung konsequent weiterentwickelt zu einem Standort für anorganische Spezialitäten. Darüber berichtet Geschäftsführer Dr. Volker Damrath im NTI-Interview.

NTI: Herr Dr. Damrath, im Jahre 1831 hat Carl Christian Friedrich Glenck die Salzlagerstätte in der Pohlitzer Flur entdeckt und dort die Saline Heinrichshall gegründet. Welche Rolle spielt das Salz für die aktuellen Produktgruppen des Chemiewerkes Bad Köstritz?

DAMRATH: Leider keine mehr. Doch mit der Salinengründung legte Herr Glenck, selbst Mineraloge und Geologe und mit Johann Wolfgang von Goethe befreundet, den Grundstein für das Chemiewerk Bad Köstritz, das in diesem Jahr sein 185jähriges Bestehen feiert. Glenck eröffnete noch weitere Salinen und gilt auch als Gründervater von Novartis und Clariant, zweier großer Chemiefirmen, die bis heute in der Nähe von Basel produzieren und deren Produkte letztlich auf der Glenckschen Saline Schweizerhalle basieren, wo auch heute noch Salz aus der Erde gewonnen wird. In Bad Köstritz mußte die Saline bereits 1909 ihren Betrieb einstellen, weil die Salzlagerstätte erschöpft war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die gewonnenen Sole als Rohstoff für das chemische Verfahren zur Herstellung von Soda gedient, dem ersten Chemieprodukt, das in Bad Köstritz hergestellt wurde.

NTI: Also sind Sie heute von anderen Rohstoffen abhängig?

DAMRATH: Ja, aber ein wichtiger Rohstoff für unsere aktuellen Produkte ist Wasserglas, das von einer Drittfirma auf unserem Industrieparkgelände hergestellt wird. Zudem hat sich der Chemiestandort Bad Köstritz zu einem Standort der anorganischen Spezialitäten weiterentwickelt, die sich als Nischenprodukte sehr gut auf dem Weltmarkt plazieren lassen.

 

Der Chemiestandort Bad Köstritz hat sich zu einem Standort der anorganischen Spezialitäten weiterentwickelt, die sich als Nischenprodukte sehr gut auf dem Weltmarkt plazieren lassen.“

 

NTI: War das für Sie im Jahr 2009 Anreiz dafür, hier als Geschäftsführer einzusteigen?

DAMRATH: Ich war zuvor mehr als 20 Jahre im Bayer-Konzern tätig und zuletzt als anorganischer Chemiker fast ein Exot, da sich Bayer nahezu vollständig von der anorganischen Chemie verabschiedet hatte. Ausschlaggebend war für mich jedoch der Entscheidungsfreiraum, der mir in Bad Köstritz geboten wurde und der größer ist als in einem Konzern. Schnell entscheiden zu können, trägt zu einer deutlich höheren Kundenbindung bei.

NTI: Wie muß man sich die Zusammenarbeit sowie die Macht- beziehungsweise Weisungsverhältnisse zwischen dem Chemiewerk als einem thüringischen Mittelständler und seinen amerikanischen Eigentümern vorstellen?

DAMRATH: Kurt Leopold als Hauptgesellschafter ist kein amerikanischer Eigentümer, sondern im Herzen ein Berliner. Er ist in Berlin aufgewachsen, hat dort studiert und ist erst in den 70er Jahren mit seiner Familie in die USA gezogen. Seine deutschen Wurzeln sind unverkennbar.

NTI: Das beantwortet noch nicht die Frage nach der Zusammenarbeit.

DAMRATH: Die Zusammenarbeit ist sehr gut, sie ist sehr konstruktiv und vor allem vertrauensvoll. Kurt Leopold, seine Tochter Michaela Clary sowie sein Schulfreund Dr. Manfred Ottow sind als Gesellschafter stets daran interessiert, strategisch und investitionsbezogen schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Eine gute Kommunikation ist heute über Telefon und E-Mail problemlos möglich. Zum sehr guten Kontakt trägt auch bei, daß Kurt Leopold und seine Tochter unser Werk regelmäßig persönlich besuchen und auch an Betriebsversammlungen teilnehmen. Schnelle Entscheidungen bei Investitionen und Kooperationen sind auch im Sinne unserer Kunden und dies unterscheidet uns letztlich auch von den großen Konzernen, bei denen solche Prozesse deutlich komplizierter verlaufen.

NTI: Das Thema Investitionen ist ein wesentliches Entscheidungsfeld. In welcher Größenordnung wurden bisher am Standort Bad Köstritz Investitionen getätigt?

DAMRATH: Seit Neubeginn und Privatisierung vor 25 Jahren wurden 113 Millionen Euro zum überwiegenden Teil aus eigenem Kapital investiert, um zu modernisieren, zu erweitern und wachsen zu können. Das zeigt sich ganz besonders im beeindruckenden Umsatzwachstum: So haben wir seit 1991 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von zehn Prozent erreicht und konnten im vorigen Jahr einen Umsatz von 61 Millionen Euro erzielen.

NTI: Was waren und was sind Investitionsschwerpunkte?

DAMRATH: In den ersten Jahren war es ganz wichtig, den Standort als ehemaligen Teil des Chemiekombinates Bitterfeld umzugestalten und zukunftssicher auszurichten. Von ehemals 450 Mitarbeitern konnten nach der Wende nur etwa 130 im Werk gehalten werden. Mit Fördermitteln des Landes und des Bundes wurde ein Industriepark geschaffen, der Möglichkeiten bot für neue Produktionsanlagen, neue Technologien und neue Produkte.

NTI: Zum Beispiel?

DAMRATH: Noch im letzten Kombinatsjahr 1989 wurde mit dem Bau einer modernen Molekularsiebanlage ein großes Projekt realisiert. Diese Anlage war der Grundstein für unsere heutige Molekularsiebproduktion und die Basis für die bisher größte Einzelinvestition nach der Privatisierung des Unternehmens in Form einer Verdopplung der Produktionskapazität. Dabei kam es nicht nur darauf an, mehr Kapazität zu schaffen, sondern auch technische Voraussetzungen für neuartige Molekularsieb-Typen, mit denen wir heute weltweit führend und in Europa der einzige Hersteller sind.

NTI: Und welche Investitionen waren in andere Geschäftsfelder erforderlich?

DAMRATH: Im Bereich der Kieselsäuren haben wir 2014 eine neue Kieselsolanlage gebaut, die mittlerweile nahezu vollausgelastet ist. Ein Großteil ihrer Produktion fließt in ganz neue Märkte ein. Zu nennen wäre hier der Elektronikbereich, wo unsere Produkte in einem speziellen Verfahren verwendet werden, um Siliziumwafer zu polieren. Dazu werden unsere Kieselsole bis nach Asien verkauft. Bei den Schwefelverbindungen erfolgt in wenigen Tagen die Inbetriebnahme einer deutlichen Kapazitätserweiterung der Produktion von Thiosulfaten für die Landwirtschaft.

NTI: Welche Rolle werden zukünftig Ihre Produkte für die Landwirtschaft spielen, nachdem sich zunehmend mehr Bürger für eine chemiefreie agrarische Produktion im Sinne von Düngung und Unkrautbekämpfung einsetzen?

DAMRATH: Wir produzieren keine Pestizide oder Insektizide. Vielmehr sind wir im Bereich der mineralischen Dünger tätig und leisten mit unseren Schwefelprodukten, speziell dem Ammoniumthiosulfat, einen wichtigen Beitrag, um den Nährstoffbedarf von Ackerpflanzen bei der Düngung effizienter zu decken. Dies geschieht, indem die Schwefelkomponente dafür sorgt, daß die Pflanze Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium besser und schneller aufnehmen kann. Der positive Effekt hierbei: Indem Düngemittel mit Schwefelkomponente aus unserem Werk ergänzt werden, muß der Landwirt weniger Düngemittel aufbringen.

NTI: Also bietet gerade die Landwirtschaft künftig gute Absatzmöglichkeiten?

DAMRATH: Der Absatz unserer Schwefelprodukte in die Landwirtschaft hat sich erst seit 2010 entwickelt und hat mittlerweile schon einen Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz erreicht. Tendenz: weiterhin steigend.

NTI: Welche Mittel, sprich welchen Anteil am Umsatz, setzt das Chemiewerk für Forschung und Entwicklung ein?

DAMRATH: Darauf bin ich besonders stolz. Wir verfügen über eine eigene Forschung und Entwicklung, die darauf ausgerichtet ist, mit unseren Kunden gemeinsam deren Problemstellungen zu bearbeiten und kundenspezifische Lösungen anzubieten. 14 Mitarbeiter sind in diesem Bereich tätig; das sind fünf Prozent unserer gesamten Belegschaft. Wir wenden derzeit zwei Prozent unseres Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf. BASF zum Vergleich setzt dafür drei Prozent vom Umsatz ein. Insofern ist CWK, wie ich finde, schon ganz gut dabei.

NTI: Wie schätzen Sie die aktuelle Wirtschaftsförderpolitik für die sogenannten KMU, die kleinen und mittleren Unternehmen, unter der neuen rot-rot-grünen Landesregierung in Erfurt ein?

DAMRATH: Zum Zeitpunkt des Regierungswechsels lag das Programm zur Technologieförderung in Thüringen bereits in der Schublade. Es hat jedoch recht lange gedauert, bis die von der EU freigegebenen Mittel tatsächlich an Firmen ausgereicht wurden. Diese Mittel stehen inzwischen zur Verfügung und die Schwerpunkte der Förderungslandschaft haben sich weiterentwickelt. Doch mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro in zwei Folgejahren gilt unser Unternehmen nicht mehr als KMU und kann so auch nicht mehr wie zuvor an den Fördertöpfen teilhaben.

NTI: Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

DAMRATH: Wir wollen auch in den kommenden Jahren weiter wachsen und verstärkt aus eigener Kraft in den Standort Bad Köstritz investieren. Doch betriebliche Investitionen lassen sich nur realisieren, wenn dafür die entsprechenden Genehmigungen der Landesbehörden vorliegen. Grundlage für die Genehmigung von Chemieanlagen in Deutschland ist das Bundesimmissionsschutzgesetz. Die Genehmigungsverfahren werden von der oberen Landesbehörde, dem Thüringer Landesverwaltungsamt, durchgeführt. Uns ist es ein besonderes Anliegen, daß solche Genehmigungsverfahren schnell abgewickelt werden. Hier muß ich leider feststellen, daß diese Verfahren in Thüringen im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr lange dauern. Positiv zu nennen ist aber, daß wir unterstützt durch den Verband der Chemischen Industrie seit anderthalb Jahren mit dem Thüringer Landesverwaltungsamt regelmäßige Gesprächen führen und ich das Bemühen erkenne, die Verfahren zu standardisieren und zu verkürzen.

 

Leider muß ich feststellen, daß die Genehmigungsverfahren in Thüringen im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr lange dauern.“

 

NTI: Es vergeht kaum eine Woche, in der der Thüringer Wirtschaftsminister nicht die Notwendigkeit der Digitalisierung betont. Inwieweit ist dies für Sie ein Thema?

DAMRATH: Bei uns ist die Digitalisierung seit vielen Jahren eingezogen. Dies zeigt sich in den Prozeßsteuerungen unserer Chemieanlagen. Wir verfügen weitgehend über geschlossene Anlagen, aus denen keine Gefahrstoffe austreten können. Die Steuerung dieser geschlossenen Systeme wäre ohne Digitalisierung undenkbar. Dennoch gilt es, die Leitsysteme und ihre Sicherheit weiter zu vervollkommnen und die Automatisierung voranzutreiben. Aber zur Beherrschung der Systeme und ihrer Bedienung benötigen wir nach wie vor hoch qualifizierte Mitarbeiter! Und ich will nicht verhehlen, daß im Verwaltungsbereich noch einiges an Nachholbedarf besteht. Doch dazu benötigen wir auch Unterstützung, zum Beispiel durch unsere Steuerbehörden, die bei ihren Prüfungen immer noch Ordner voller Papiere von uns abverlangen. Vielleicht begnügen auch sie sich bald mit elektronischen sprich digitalisierten Daten und erkennen diese an.

Gesprächspartner war JÖRG SCHUSTER.

 

 

Zur Person

Seit 2009 ist der 1955 in Helmstedt geborene Dr. Volker Damrath Geschäftsführer der Chemiewerk Bad Köstritz GmbH. Er hat an der Technischen Universität Braunschweig Chemie studiert und war nach seiner Promotion von 1984 bis 2008 in verschiedenen Leitungsfunktionen der Bayer AG, unter anderem in Brasilien, tätig. Inzwischen lebt der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern mit seiner Frau in Jena. Volker Damrath engagiert sich als Mitglied mehrerer Organisationen, so zum Beispiel im Senat der Wirtschaft, im Ausschuß für Industrie und Forschung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen sowie im Ausschuß Technik und Umwelt des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

 

 

Bad Köstritzer Chemiewerk-Geschäftsführer Dr. Volker Damrath: „Schnell entscheiden zu können, trägt zu einer deutlich höheren Kundenbindung bei.“ Foto: CWK-ARCHIV

 

Ältestes Chemieunternehmen Mitteldeutschlands

Chemiewerk Bad Köstritz: 185 Jahre alt und immer auf der Höhe der Zeit.

Als im Jahre 1831 der Salinist, Bohrspezialist und Unternehmer Carl Christian Friedrich Glenck auf der Pohlitzer Flur erfolgreich nach einer Salzlagerstätte suchte und dort die Saline Heinrichshall gründete, konnte er freilich nicht wissen, daß er damit den Grundstein für ein Unternehmen gelegt hatte, das knapp zwei Jahrhunderte, zwei Weltkriege, diverse Wirtschaftskrisen und die DDR-eigene Planwirtschaft überstanden hat und daß es 185 Jahre später die im Jahre 1845 hinzugekommene Chemiefabrik als mittelständischen Global Player noch immer gibt. Aber was heißt schon immer noch? Das Chemiewerk Bad Köstritz (kurz CWK) wurde vor exakt 25 Jahren von dem in New York lebenden Unternehmer Kurt Leopold zusammen mit seine Frau und seinem Schulfreund Dr. Manfred Ottow aus dem Besitz der Treuhandanstalt erworben. Es wurde als überlebensfähig angesehen und ist heute ein weltweit erfolgreiches und stetig wachsendes Unternehmen, aufgrund eigener Forschung und Entwicklung zukunftsfähig aufgestellt und mit Mitarbeitern ausgestattet, die im Rahmen eines Gewinnbeteiligungsplanes auf substantielle Weise am Erfolg des Unternehmens partizipieren können.

Der in Westberlin aufgewachsene Kurt Leopold, der den Einmarsch der Roten Armee, die ersten Amerikaner in Berlin, die Teilung der Stadt, den Aufstand vom 17. Juni 1953 sowie den Bau der Berliner Mauer selbst miterlebt hat, wollte sich 1991 am wirtschaftlichen Wiederaufbau der neuen Bundesländer beteiligen. Vor allem dachte er damals an Unternehmen aus der Metallurgie-Branche. Dr. Ottow sah sich die relevanten Betriebe vor Ort an, überraschte seinen Schulfreund jedoch mit dem Chemiewerk Bad Köstritz, dem er die größten wirtschaftlichen Überlebenschancen einräumte.

25 Jahre nach der Privatisierung ist im Chemiewerk nichts mehr so wie früher. Allein in den Jahren von 1991 bis 2009, in denen Hartmut Tschritter Geschäftsführer der CWK war, wurden am Standort mehr als 60 Millionen Euro investiert – in neue Produkte, neue Verfahren und neue Anlagen. Eine ganz wesentliche Investition war die Schaffung nachhaltige Infrastruktur mit der Umsetzung des sogenannten Industriepark-Projektes in den Jahren zwischen 1996 und 1999, in dessen Folge 22 marode Gebäude abgerissen, zu Gewerbeflächen eingeebnet sowie neue Straßen gebaut wurden. Dazu gehört auch der Umbau des alten Forschungsgebäudes, welches heute als Administrationsgebäude genutzt wird. Hartmut Tschritter rückblickend über diesen Kraftakt: „1999 war es dann soweit: Die CWK hatte seine Flächen saniert und eine neue Infrastruktur mit neuem Betriebs- und Abwasserkanalsystem geschaffen. Ein ,Glücksumstand‘, der nicht nur dem Chemiewerk eine moderne Ausrichtung gab, sondern auch Bad Köstritz als zukunftsweisenden Wirtschaftsstandort stärkte.“

Die CWK vermarktet ihre eigenen Produkte als Marke mit dem Namenszusatz „Köstro“, der sich aus dem Standortnamen ableitet. Aber auch CWK-Kunden, die Produkte aus Bad Köstritz unter ihrem eigenen Label weiterverkaufen, werben für den Bekanntheitsgrad und für die Qualität des Chemiewerkes. Mehr als 70 Prozent der CWK-Produkte haben ihren Einsatz in Anwendungen im Ausland – und die Anzahl der Anwenderbranchen ist erheblich. Zu Ihnen gehören der Anlagen- und Maschinenbau ebenso wie die Lebensmittelindustrie, die Elektronikindustrie und die Landwirtschaft, um nur einige zu nennen. Diese Diversifizierung zusammen mit der Innovationskraft einer 14köpfigen Forschungs- und Entwicklungsmannschaft verleihen dem Chemiewerk auch die Kraft, Wirtschaftskrisen wie jene 2008/09 schadlos zu überstehen und in den Märkten weiter wachsen zu können.

Wobei wir bei den Geschäftseinheiten angekommen wären und mithin bei der Frage, mit welchen Produkten das Köstritzer Chemiewerk – laut Bürgermeister Dietrich Heiland bedeutendster Steuerzahler, mit 240 Mitarbeitern und 18 Auszubildenden größter Arbeitgeber und ein großzügiger Förderer von Bildung, Kultur und Sport – eigentlich sein Geld verdient. Sie entstammen drei großen Geschäftsfeldern: den „Molekularsieben“ mit dem Markennamen „Köstrolith“, den „Kieselsäuren“ mit den Markennamen „Köstrosol“, „Köstropur“ und „Köstrosorb“ sowie den „Schwefelverbindungen“, die als Thiosulfate und als Sulfite vertrieben werden.

Das jüngste Geschäftsfeld Molekularsiebe, dessen Umsatz heute bereits 35 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, produziert sogenannte Zeolithe, das sind kristalline Feststoffe mit Käfig-Struktur, mit deren Hilfe im molekularen Maßstab Stoffgemische getrennt werden können. Je nach Zusammensetzung und Wechselwirkung ihrer Komponenten können Zeolithe hochselektiv Moleküle aus Gasen, Dämpfen oder Lösungen aufnehmen und unter bestimmten Bedingungen wieder freisetzen. Die bei solchen Vorgängen auftretenden thermo-chemischen Effekte werden unter anderem zur umweltfreundlichen Energiespeicherung genutzt. Bahnbrechend in diesem Geschäftsfeld war eine große Erweiterungsinvestition im Jahr 2010. In den errichteten Neuanlagen werden bindemittelfreie Molekularsiebe hergestellt, die zu 100 Prozent aus Aktivmaterial bestehen. Mit ihnen ist CWK weltweit führend und einziger Hersteller in Europa. Bestandteile der Zeolithe sind Silizium, Aluminium und Sauerstoff, die aus den flüssigen Rohstoffen Wasserglas und Natriumaluminat-Lösung bereitgestellt werden. Abnehmer der Molekularsiebe sind vor allem die Produzenten technischer Gase, Raffineriebetreiber, Unternehmen im Bereich der Wärmespeicherung für moderne Heizsysteme sowie in der Kfz-Branche zur Trocknung in Klima- und Bremssystemen.

Auch die Kieselsäuren sind ein immer noch sehr dynamischer und innovativer Produktbereich. Sie basieren auf Siliziumdioxid, dessen kristalline Formen Quarz oder Sand überall auf der Erde zu finden sind. Als Rohstoff für die Produktion dient Natriumsilikat, sogenanntes Wasserglas, das aus Quarzsand und Soda bei hohen Temperaturen gebildet wird. Hergestellt werden Kieselsole als wäßrige Dispersionen von kolloidalen Siliziumdioxid-Partikeln sowie mikronisierte pulverförmige Kieselgele. In einer Vielzahl unterschiedlichster Anwendungsgebiete kommen diese Produkte zum Einsatz: in der Papierindustrie, als Bindemittel in keramischen Massen und Isolierkörpern für Hochtemperaturanwendungen, bei der Klärung von Getränken wie Fruchtsäften, Mosten und Weinen, als feines und hochreines Schleifmittel zum Polieren von Wafern bei der Speicherchipherstellung sowie als Poliermittel für Edel- und Halbedelsteine.

Die Schwefelverbindungen sind schließlich die Klassiker unter den CWK-Produkten, sie werden bereits seit 1871 in Bad Köstritz hergestellt. In den Produktionsanlagen werden Schwefel und Schwefeldioxid als Rohstoffe eingesetzt, die mit Natronlauge, Kalilauge oder Ammoniak zu Thiosulfaten und Sulfiten umgesetzt werden. Auch die Schwefelverbindungen aus Bad Köstritz sind vielseitig einsetzbar. Unternehmen aus der Landwirtschaft, der Foto- und der Lebensmittelindustrie sind die Hauptabnehmer dieser Produktgruppe.

Eine letzte Bemerkung zum Schluß: Im Februar 2014 hat der aktuelle CWK-Geschäftsführer Dr. Volker Damrath im Beisein der beiden Gesellschafter Kurt Leopold und Dr. Manfred Ottow ein neues Produktionsgebäude zur Herstellung spezieller Kieselsole in Betrieb genommen, dessen Kapazität für Märkte in Europa, den USA und Asien bestimmt ist. Was wiederum bedeutet: Zu den Investitionen von 60 Millionen Euro bis zum Jahr 2009 sind weitere 55 Millionen Euro hinzugekommen. Und das Wachstum ist noch nicht abgeschlossen. Neue Projekte sind bereits in der Pipeline.

Hat Kurt Leopold sein Engagement in Bad Köstritz in den vergangenen 25 Jahren jemals bereut? Seine Antwort darauf: „Nein, ich habe es nicht bereut, ich bin sehr glücklich und dankbar, daß alles so gelaufen ist, wie es ist. Wir sind auf der Höhe der Zeit und werden das auch bleiben.“

JÜRGEN RAABE

 

Chemiewerk Bad Köstritz: 25 Jahre nach der Privatisierung istnichts mehr so wie früher. Fotos (3): CWK-ARCHIV

NTI Ausgabe 03-2016

Thüringen aktuell

Wohin in Thüringen?

Meine NTI Online
Aktueller Titel

Benutzeranmeldung
In der nächsten NTI

Auf Luthers Spuren

Die Ausgabe 3/2017 berichtet über ein ereignisreiches Jahr in der Wartburgregion.

Werbung