Geschäftsmodell Innovation

Im Ilmenauer Gewerbepark „Am Wald“ entstehen aus Recyclingglas nach patentierten Verfahren innovative Werkstoffe, die insbesondere für Raumakustik, Schall- und Brandschutz weltweit zum Einsatz kommen.

Wir stellen hier Produkte her, die Probleme lösen“, erläutert Ronald Tschiersch stolz. Der Geschäftsführer der Ilmenauer Liaver GmbH und Co. KG verweist dabei auf zahlreiche Anwendungen in der Baustoffindustrie und Bauchemie, in der Öl- und Gasindustrie, in der Metallgußindustrie sowie im Schiffbau.

 

Wir stellen hier Produkte her, die Probleme lösen.“

Die Verwendung von Blähglasgranulat wird immer dann interessant, wenn Produkte leicht und dennoch fest sowie nicht brennbar sein sollen“, erklärt der Liaver-Chef. Doch immer leichtere Materialien verlieren schnell an Stabilität und Festigkeit. „Deshalb sind wir nicht nur für ,leicht‘, sondern auch für ,fest‘ zuständig“, bringt es Tschiersch auf den Punkt. Wenn dann noch Anforderungen wie „nichtbrennbar“ oder sogar ein „Feuerwiderstand“ verlangt werden, komme man an den hiesigen Südthüringer Produkten kaum vorbei. Das gelte ebenso, wenn es hohe Erwartungen an Raumakustik oder Lärmschutz gebe.

Die Region um Ilmenau gilt als Wiege des technischen Glases. Hier wurden das erste deutsche Flüssigkeitsthermometer, die erste Glühlampe in Deutschland, das erste Isoliergefäß für eine Thermoskanne und die erste Röntgenröhre hergestellt. Auch Otto Schott arbeitete hier an der Entwicklung des feuerfesten Glases. Heute produziert Liaver aus Altglas nach patentierten Verfahren das Blähglasgranulat Liaver und die Absorberplatte Reapor.

Als eine der wichtigsten Anwendungen hat sich die Herstellung von speziellen Plattenwerkstoffen entwickelt. Das sind Brandschutzplatten, wasserfeste Leichtbauplatten, Fassadenplatten, Schiffbauplatten und Akustikplatten sowie Platten für Arbeits- und Explosionsschutz. Eine Variante extrem leistungsfähiger Brandschutzplatten wird heute in England produziert und auf Schiffen eingesetzt. Die Schiffbauplatten kommen vor allem auf Jachten zum Einsatz. Eine breitbandig absorbierende Akustikplatte wird seit 2001 auch bei Liaver hergestellt. Und dies sehr erfolgreich: mit diesen Platten wurden der City-Tunnel in Leipzig, die U-Bahn in Budapest, der Flughafen in Katar und der „Brisbane Bypaß Tunnel“ ausgestattet.

Allerdings steht selten unser Name auf den Erzeugnissen“, berichtet Tschiersch. Man stelle kein Massenprodukt her, sondern sehr spezifische Nischenprodukte, die meist mit Systempartnern eigens für deren Probleme entwickelt worden seien. Dafür können sich wiederum die Referenzobjekte sehen lassen: So findet man zum Beispiel in Ilmenau hergestellte Akustikplatten im Weißen Haus in Washington, D.C., ebenso wie im Swimmingpool von Brad Pitt, freut sich Tschiersch sichtlich.

Es gibt weltweit nur drei Unternehmen, die in der Lage sind, ähnliche Granualte herzustellen, bei den Platten sind wir der einzige Hersteller“, informiert der Bauingenieur, der einst an der TU Dresden studierte. „Das heißt, Liaver beansprucht in diesen spezifischen Sinterprozessen die Technologieführerschaft.“ Aktuell seien 40 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt, berichtet Tschiersch, der die Firma von Beginn an aufgebaut hat.

Es gibt weltweit nur drei Unternehmen, die in der Lage sind, ähnliche Granualte herzustellen, bei den Platten sind wir der einzige Hersteller.“

Ursprünglich war hier lediglich die Produktion von Granulat für Leichtmörtel geplant. Darauf baute man auf, erweiterte und investierte mehrfach. Das erfolgreiche Geschäftsmodell von Liaver beruht heute vor allem auf Innovation. Das Unternehmen betreibt selbst mehrere Labore und hat zahlreiche Kooperationen mit namhaften Forschungseinrichtungen, zum Beispiel der Fraunhofer-Gesellschaft. Gemeinsam mit anderen Unternehmen entwickelten die Ilmenauer Technologieexperten seit 1995 Produkte, die heute zu den innovativsten in diesen Märkten gehören. Das Unternehmen hat allein im ersten Halbjahr bereits fünf Patente angemeldet.

Allerdings mache es sich zunehmend bemerkbar, daß es immer schwieriger werde, geeignete Fachkräfte mit der richtigen Ausbildung zu bekommen. Dennoch halte man am Standort fest und plane weitere Investitionen in Produktionskapazitäten und neue Anwendungen.

ANDREAS KÜHN

 

 

Innere Liaver-Struktur: Das Blähglasgranulat wird nach einem patentierten Verfahren aus Altglas hergestellt.

 

Fotos (3): LG-ARCHIV

Ilmenauer Liaver-Geschäftsführer Ronald Tschiersch: „Wir sind nicht nur für ,leicht‘, sondern auch für ,fest‘ zuständig“.

Foto: NTI-ARCHIV

Schießsportzentrum Suhl: Auch auf dieser bekannten Wettkampfstätte kamen Produkte aus Ilmenau zum Einsatz.

Ilmenauer Liaver-Produktion: Im Blähofen wird das Rohgranulat bei bis zu 900 Grad Celsius gesintert.

Referenzobjekte können sich sehen lassen: Auch am U-Bahnhof am Friedrich-Ebert-Platz in Nürnberg kamen Produkte aus Ilmenau zum Einsatz.

Fotos (2): ANDREAS KÜHN

NTI-Ausgabe 03-2016

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