Im Sinne von Tradition und Moderne

Der Sonnendorfer Andreas Clauß hat wesentlich dazu beigetragen, daß sich der Thüringer Weinbau in der Region etablieren und die Weinkultur neu belebt werden konnte.

Andreas Clauß strahlt pure Freude aus. Hoch über Bad Sulza, auf dem Sonnendorf, ist er seit über 20 Jahren zu Hause und hat im Weinbau für sich und seine Familie Erfüllung gefunden.

Das erste Weingut Thüringens wurde 1992 durch die Agrargenossenschaft Niedertrebra als „Thüringer Weingut Bad Sulza“ gegründet. Zwei Jahre später wurde die Geschäftsführung an ihn übertragen. Der gelernte Weinbautechniker zog 1998 mit dem Betrieb nach Sonnendorf, einem Ortsteil von Bad Sulza, in einen ehemaligen Bauernhof um. Es entstand ein Weingut, das im Sinne von Tradition und Moderne gestaltet wurde und sich mit 45 Hektar Rebfläche zum größten privaten Weingut im Anbaugebiet Saale-Unstrut entwickelt hat.

Andreas Clauß hat das Weingut maßgeblich durch seinen Pioniergeist geprägt. Unter anderem durch sein Engagement konnte sich der Thüringer Weinbau in der Region etablieren und die Weinkultur neu belebt werden. Mit seiner Frau Kathrin und weiteren 14 Mitarbeitern präsentiert er das „Thüringer Weingut Bad Sulza“ heute als modernen Gutsbetrieb.

„Unsere Weinbergslagen erstrecken sich von Auerstedt über Bad Sulza-Sonnendorf bis nach Kunitz bei Jena“, erzählt der Weingutchef. Die Einzellage „Bad Sulzaer Sonnenberg“ in der Nähe der Kur- und Weinstadt Bad Sulza ist von der Ausdehnung der Rebfläche mit 26 Hektar die größte seiner Lagen, gefolgt vom Weinberg „Auerstedter Tamsel“ mit 12 Hektar Rebfläche und der Einzellage „Jenaer Grafenberg“ mit mittlerweile sieben Hektar Reben.

Der Weinbau hat hier Tradition. Er geht auf die Gründung der Klöster vor über 1000 Jahren zurück und hat sich, nach vielen Phasen des Aufschwungs und Niedergangs, letztlich in den warmen Lagen der Flußtäler über die Jahrhunderte gehalten. Zu früherer Zeit war der Weinbau in Thüringen im Werratal, zwischen Meiningen und Eisenach, am Kyffhäusergebirge und an der oberen Saale bis Saalfeld verbreitet, weiß Andreas Clauß. Erfurt und Jena waren bedeutende Weinstädte in Mitteldeutschland.

Bereits vor 800 Jahren wurde der Weinbau in Bad Sulza von der Äbtissin von Quedlinburg erwähnt. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden neue Weinberge in Großheringen und Bad Sulza durch landwirtschaftliche Betriebe wieder aufgebaut, so auch der große Sonnendorfer Weinberg. In Jena wurde der Weinbau ab 1984 zunächst am Käuzchenberg in Zwätzen und ab 2010 am Grafenberg in Kunitz wiederbelebt.

Der Weinbau ist ein schwieriges, intensives und von der Witterung sehr abhängiges Geschäft, das jede Menge Arbeit und Beharrlichkeit erfordert. Das weiß Andreas Clauß nur zu gut aus seinen Erfahrungen mit dem Dornburger Schloßberg. An der Oberkante des Muschelkalkfelsens, unterhalb des Schloßensembles in Dornburg, nämlich befindet sich die mit Reben bepflanzte Einzellage. Seit 2008 wird die historische Fläche, die sich in sechs Weinbauterrassen gliedert, von seinem Weingut bewirtschaftet. Die an den Schlössern gelegenen Steilterrassen sind aufgrund der alten Pfahlerziehung ausschließlich per Handarbeit zu pflegen. Im Jahr 2009 machten starke Frostschäden das Roden der alten Rebstöcke und das Neubestocken der Fläche erforderlich. Hierbei wurde besonderer Wert auf eine Rebsorte gelegt, die wenig Pflanzenschutz benötigt. Die Wahl fiel auf „Johanniter“. Im Herbst 2011 konnte der erste Ertrag vom „Dornburger Schloßberg“ geerntet werden. Dieser kulturhistorische Terrassenweinberg wird im Auftrag des Freundeskreises Goethe-Nationalmuseum e. V., Weimar und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Rudolstadt vom Thüringer Weingut Bad Sulza gepflegt.

In der modern eingerichteten Weinkellerei des Weingutes von Andreas und Kathrin Clauß reifen die Weine in Edelstahlbehältern und traditionellen Holzfässern heran. „Unsere Philosophie der Weinbereitung, die Weine traditionell trocken auszubauen, unterstreicht den unverwechselbaren Charakter und die Besonderheit unserer Thüringer Weine“, erklärt der Geschäftsführer. Neben der schonenden Traubenverarbeitung lege man besonderen Wert auf eine Lagerung der Weine auf der Feinhefe, um die Rebsorten- und Aromenstilistik herauszuarbeiten. Von diesem hohen Qualitätsanspruch zeugen regionale, nationale und internationale Auszeichnungen und die positive Resonanz der Kunden, die von nah und fern kommen und die diese Weinkultur in Thüringen sehr schätzen.

Das Sortiment des Weinguts besteht aus drei Weinlinien: „Während unsere gebietstypischen ,Gutsweine‘ hervorragende Begleiter zu allen Gelegenheiten sind, bieten die ,Excellence‘-Lagenweine alle Voraussetzungen für einen exzellenten Genuß zu besonderen Anlässen“, erklärt Andreas Clauß. Für diese Weinserie suche man die besten Weine eines Jahrgangs aus.

Als kostbare Aufmerksamkeit oder für individuelle Begegnungen mit Genießern eignen sich die exklusiven „CP“-Kultweine. Diese herausragenden Weine sind limitiert und werden nicht von jedem Jahrgang abgefüllt. Die Weine vom Weingut in Sonnendorf sind übrigens unverkennbar: „Das sichtbare Markenzeichen unseres Weinguts“, lächelt Andreas Clauß verschmitzt „ist die fehlende Ecke des Etiketts.“

JÖRG SCHUSTER

Thüringer Weingutchef Andreas Clauß: Intensives Geschäft.

Foto: TWBS-ARCHIV

 

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