Mehrwert nicht erkannt

Ein Meer, eine Brücke und eine absurde Geschichte.

Natürlich kenne ich als Rudolstädter das Thüringer Meer. Diese Region „umfaßt die Naturraumeinheit des Oberen Saaletals mit der fast 80 Kilometer langen, fünffach gestuften Saalekaskade, ihren Stauseen und -becken sowie die sich unmittelbar anschließenden Teilbereiche des Ostthüringer Schiefergebirges und des Schwarza-Sormitz-Gebietes.“ Das Thüringer Meer hat ein Problem. Es ist ein Kunstwort, das erst dann Bilder und Sehnsüchte impliziert, wenn es mit Druck vermarktet wird. Daß so etwas auch noch in der Gegenwart funktionieren kann, das zeigt das Kunstwort Kaiserbäder. Dahinter verbergen sich drei Usedomer Gemeinden mit zusammen gerade einmal 9000 Einwohnern, die sich des Marketings wegen seit den 90er Jahren Kaiserbäder nennen, weil Bansin, Ahlbeck und Heringsdorf marketingtechnisch nicht besonders viel hermachen. Die Kaiserbäder hingegen schon. Die kennt man in Erfurt und Leipzig und Berlin genauso wie in Hamburg, München oder Düsseldorf.

Verantwortlich für die touristische Vermarktung Thüringens ist die Thüringer Tourismus GmbH (TTG) in Erfurt. Als Dienstleistungsgesellschaft der Thüringer Landesregierung soll sie dafür sorgen, daß möglichst viele Touristen in alle Thüringer Regionen kommen, sich wohl fühlen und möglichst lange bleiben. Daß man das Thüringer Meer schon in Weimar, Nordhausen oder Artern nicht geografisch und die dort vorhandenen touristischen Möglichkeiten korrekt verordnen kann, geschweige denn in den oben genannten deutschen Metropolen, dürfte auch am mangelnden Vermarktungsdruck liegen. Auf den Web-Seiten der TTG sucht man das Thüringer Meer als Schlagwort vergeblich. Auf der gibt es zwar eine mit Regionen betitelte Suchfunktion. Als potentieller Tourist wird man hier aber erst nach den Verlinkungen „Saale und Thüringer Schiefergebirge“, „Naturpark Thüringer Schiefergebirge – Obere Saale“ auf der Seite „Blaues Gold und Thüringer Meer“ fündig. Und erfährt dabei zum Beispiel: „Wellige Hochflächen prägen das zentral gelegene Oberland, von dem aus herrliche Panorama-Weitblicke ins Land möglich sind. Das Tal der Oberen Saale bildet mit zwei Stauseen, dem ,Thüringer Meer‘, ein beliebtes Ferien- und Ausflugsgebiet.“

Diese eher mäßige enthusiastische Vorstellung verwundert schon. Denn die Marketingexperten in Erfurt wissen sehr wohl, daß die ganz überwiegende Mehrheit der Touristen in Thüringen aus Thüringen selbst und aus den benachbarten Bundesländern kommen, ungern mehr als 100 Kilometer Anreiseweg möchten, Ruhe, Natur und sportliche Aktivitäten schätzen und äußerst selten länger als eine Woche bleiben. Insofern dürfte es durchaus Sinn machen, statt auf ein internationales Publikum zu schielen, sich lieber auf die Bürger in Kamenz, Halle an der Saale, Stendal, Fulda oder Fürth zu konzentrieren. Von dort aus ist man schnell im Thüringer Wald oder eben am Thüringer Meer. Ein Land für den dreiwöchigen Jahresurlaub und Gäste aus der großen weiten Welt dürfte Thüringen wohl absehbar nicht werden. Es ist einfach so: Die hippen New Yorker stolpern lieber durch das pralle Nachtleben Berlins als durch das in Eisenach, die neureichen Russen schlürfen ihren Sekt lieber auf einer Berghütte in den Alpen als auf dem Wetzstein und die fotoaffinen Asiaten aus Japan und Südkorea lichten doch lieber die Architektur der Städte an Isar, Rhein, Neckar oder Alster ab als jene von Gera, Bad Salzungen oder Suhl.

Nun gibt es eine Reihe von Thüringern, die sich für eine bessere Vermarktung des Thüringer Meeres einsetzen. Zum Beispiel allein schon deswegen, weil die Wahrscheinlichkeit, daß sich in der Gegend zwischen Leutenberg, Schleiz und Bad Lobenstein demnächst große, internationale und viele Arbeitsplätze versprechende Industrieansiedlungen realisieren lassen, gegen Null tendiert. Diese Leute sehen aber in einem naturnahen Tourismus, vergleichbar mit dem extrem erfolgreichen im Naturpark Altmühltal, eine Chance zu bleiben, Arbeit zu finden und die Region zu entwickeln. Die TTG dürfte diese Minderheit womöglich als sektiererisch empfinden und als Phantasten betrachten. Doch diese Thüringer-Meer-Vorantreiber bestehen immerhin aus den beiden Landkreisen Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt, das sind rund 200.000 Einwohner und mithin etwa zehn Prozent aller Thüringer. Diese beiden Landkreise nebst den dazugehörigen Städten und Gemeinden haben vor vier Jahren die Kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) Thüringer Meer gegründet, die unter anderem das Ziel verfolgt, die infrastrukturelle und touristische Entwicklung der Region voranzutreiben, ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) zu erstellen und den Bekanntheitsgrad der Region Thüringer Meer als Marke zu erhöhen. Dazu eine Bemerkung angesichts des Zeitfensters zwischen der KAG-Gründung und jetzt: Besonders ernst und wichtig scheint man die KAG in Erfurt und bei der TTG nicht zu nehmen.

Der Endbericht zum REK Thüringer Meer liegt seit dem Juni vergangenen Jahres vor. Dieser wurde erstellt von der renommierten Weimarer Tourismus- und Regionalberatungsgesellschaft Abraxas, die zum Beispiel auch das REK für das Lausitzer Seenland entwickelte. Der 83seitige REK-Endbericht beginnt so: „Das Thüringer Meer verfügt über gewaltige touristische Potentiale. Mit ihren Besucher- und Übernachtungszahlen bleibt die Region – trotz Steigerungen in den letzten Jahren – weit unter den Möglichkeiten, die dieser einzigartige Landschaftsraum bietet.“ Warum das so ist, das wird in diesem Papier sowohl überzeugend als auch außerordentlich detailreich beschrieben. Eines der benannten Defizite, neben der schwachen Vermarktung, ist der Handlungsschwerpunkt Mobilität und Besucherlenkung. Dahinter verbergen sich fehlende oder verwirrende Beschilderungen, zu kleine und marode Straßen oder zu sanierende oder wiederherzustellende Stauseequerungen.

 

„Das Thüringer Meer verfügt über gewaltige touristische Potentiale. Mit ihren Besucher- und Übernachtungszahlen bleibt die Region – trotz Steigerungen in den letzten Jahren – weit unter den Möglichkeiten, die dieser einzigartige Landschaftsraum bietet.“

 

Eine von den Letztgenannten ist die sogenannte Linkenmühlenbrücke. Die verband die im 17. Jahrhundert erbaute Linkenmühle mit dem Ort Altenbeuthen, wurde in den Jahren 1871 als Eisenbrücke über die Saale errichtet und im Zuge des Baus der beiden Talsperren 1944 durch eine 30 Meter hohe Betonbrücke ersetzt. Diese wiederum wurde in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges von deutschen Soldaten zum Zwecke der Verhinderung des Vormarsches der amerikanischen Truppen gesprengt. Reste des Bauwerkes kann man heute noch besichtigen.

Die nicht vorhandene Brücke ist sowohl für die Bevölkerung der Region als auch für die Touristen als Tor zum Thüringer Meer ein Ärgernis. Dazu muß man wissen, daß es zwar eine Mühlenfähre für die nur fünf Minuten dauernde Überfahrt über den Hohenwarte-Stausee zwischen den Anlegestellen Altenroth und Linkenmühle gibt. Die ist aber mit ihrer Aufnahmekapazität, den Fährzeiten, nur im Sommer und nur von sechs bis 20 Uhr, oder durch die Witterungsabhängigkeit völlig ungeeignet für große und die erhofften größer werdenden Besucherströme. Die Alternative zur Mühlenfähre für die Einheimischen und ihre Feriengäste, wenn die Tagesschau begonnen hat oder der Wasserstand zu niedrig oder die Fähre defekt, ist keine wirkliche. Für die nur eigentlich 180 Meter breite Talsperrenüberquerung wird dann eine Autofahrt von über 33 Kilometer fällig, was selbst im Grünen Motor Deutschlands, der Thüringen gerne sein will, eine ökologische Bankrotterklärung darstellt. Das hatte auch die Thüringer Landespolitik schon mal erkannt.

Deshalb sagte die damalige Ministerpräsidentin des Freistaates, Christine Lieberknecht (CDU), im September 2013 eine Förderung für den Wiederaufbau der Brücke in Höhe von bis zu vier Millionen Euro zu. Die Ostthüringer Zeitung (OTZ) berichtete seinerzeit„,Wir sind bereit, 75 Prozent der Kosten zu übernehmen, wenn das Baurecht für die Brücke hergestellt ist‘, so die Regierungschefin. Darum müßten sich jetzt die Akteure vor Ort kümmern. ,Thüringen ist überall, auch am Thüringer Meer‘, so Lieberknecht. Da es sich sozusagen um den Lückenschluß einer Straße handelt, soll das Geld aus dem Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr kommen. Angesprochen darauf, daß Minister Christian Carius (CDU) bisher nicht gerade zu den Befürwortern der Brücke gehörte, sagte die Ministerpräsidentin: ,Er muß ja nicht zu den Befürwortern gehören, er soll nur seine Arbeit machen.‘“

Christine Lieberknecht ist nicht mehr Thüringens Ministerpräsidentin. Und natürlich steht es ihrem Nachfolger frei, eine einmal getroffene Zusage zurückzunehmen. Zum Beispiel, wenn diese aus aktueller Sicht unsinnig oder unfinanzierbar ist. Aber dem ist nicht so. Auch der neue Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) outete sich bereits 2013 als Fan der Linkenmühlenbrücke. Auf seiner persönlichen Internetseite konnte man und kann man bis heute zu diesem Thema jederzeit nachlesen: „Das Thüringer Meer bekommt ja jetzt wieder ein bißchen mehr Aufmerksamkeit – zum Glück. Die Ministerpräsidentin hat nun gestern sogar gesagt, daß die Landesregierung die Finanzierung für den Neubau der Brücke an der Linkenmühle zu 75 Prozent übernehmen würde. Das ist eigentlich eine sehr gute Nachricht, denn die Brücke ist extrem wichtig für die Anbindung der Ferienregion an die Infrastruktur der Umgebung.“

Trotzdem droht nun die Brücke zu einer Luftbrücke zu werden. Wieso? Weshalb? Warum? Weil es nämlich auch Gegner gibt. Namentlich wäre da die gleichfalls neue Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz, Anja Siegesmund (Bündnisgrüne), zu nennen, die anläßlich ihrer diesjährigen Sommertour „Naturpark aktuell“ zum Wiederaufbau der Linkenmühlenbrücke gegenüber der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) wörtlich äußerte: „Ich habe den Mehrwert der Brücke noch nicht erkannt.“ Anja Siegesmund habe, so die TLZ, nach all diesen Informationen wohlwollend zur Kenntnis genommen, „daß sich dieses Projekt wohl von selbst erledigen werde. Einen Wiederaufbau der zum Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengten Linkenmühlenbrücke wird es also in absehbarer Zeit nicht geben.“

Hierzu müssen ein paar Bemerkungen erlaubt sein. Die erste wäre, daß selbst Kinder mit nur wenigen Lebensmonaten beim Bau mit ökologisch wertvollem Holzspielzeug den Mehrwert einer Brücke, nämlich schnell von A nach B zu kommen, ziemlich unkompliziert und selbständig erkennen können. Die zweite Bemerkung führt nach Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Les- und Denkart von Frau Siegesmund müßte man dort konsequenterweise die gewaltige, im Jahr 2007 fertiggestellte und dreispurige Strelasundbrücke, die die Hansestadt Stralsund mit der Insel Rügen verbindet, abreißen und die alte darunterliegende als einstiges Nadelöhr gleich mit sowie die Touristen darauf verweisen, daß man die Insel sehr wohl auch mit der kleinen Fähre von Stahlbrode aus erreichen kann.

Zum Dritten scheint die Umweltministerin den REK-Endbericht nicht gelesen zu haben oder aber dessen Ergebnisse schlicht zu ignorieren. Beides wäre gleich schlimm. Denn schließlich sind die Besteller des REK nicht irgendwelche Bittsteller, sondern demokratisch gewählte Landräte und Bürgermeister und Kenner ihrer Region. Zum anderen würde ein Reißwolf für das REK den Tatbestand der Steuerverschwendung erfüllen. Oder salopp formuliert. Für die Kosten für das REK hätte man dann statt dessen gleich ein paar weitere Krötentunnel oder einen zusätzlichen „Jägerstieg“ über die Bundesautobahn bei Erfurt, der im übrigen schlappe 800.000 Euro gekostet hat, bauen lassen.

Für die Kosten für das REK hätte man dann statt dessen gleich ein paar weitere Krötentunnel bauen lassen.

 

Die letzte Bemerkung bezieht sich auf Frau Siegesmunds Hoffnung, daß sich das Problem von selbst erledigen möge. Mit Verlaub und als grüne Politikerin und Umweltministerin angesprochen: Sowohl im 2013 verabschiedeten Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020 als auch im aktuellen Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung wird das Ziel formuliert, daß im Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Thüringen ökologisch bewirtschaftet werden sollen. Die Realität am Ende letzten Jahres: Der ökologische Landbau hierzulande stagniert, Thüringen verzeichnete den größten Flächenverlust unter allen Bundesländern und liegt aktuell nicht einmal bei der Hälfte des angestrebten Zieles. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß sich dieses ur-grüne Thema wohl sicher auch von selbst erledigen dürfte. Und ist damit einer der Punkte, warum immer mehr Bürger an der Kompetenz, der Redlich- und Ehrlichkeit von Politikern zweifeln und von den Wahlurnen fernbleiben.

Natürlich kostet der Wiederaufbau der Linkenmühle auch Geld. Entsprechend einer aktuellen Vorplanung 5,6 Millionen Euro. Wahr ist, dies ist eine stolze Summe. Unwahr ist, daß es kein öffentliches Baugeld gebe. Man nehme zum Beispiel das Milliardengrab des Flughafens Berlin-Brandenburg, bei dem jetzt sogar die einstige Grünen-Frontfrau Renate Künast einen klaren Schnitt einfordert. Zitat: „Wir wollen sehen, ob es nicht vielleicht am Ende günstiger ist, nebenan ein neues Gebäude zu errichten.“ Wahnsinn. Aber man kann auch ganz locker im Freistaat Thüringen bleiben. Hier wurden nach der Wende ziemlich flächendeckend Spaß- und Erlebnisbäder mit Millionen von Steuergeldern errichtet. Die sollten den betreibenden Städten und Gemeinden jede Menge Touristen und somit Einnahmen bescheren. Die Wahrheit ist eine andere: Praktisch alle diese „Touristenmagneten“ sind seit Jahren und Jahrzehnten teure Zuschußgeschäfte oder um im Bilde zu bleiben: Brücken, die jährlich immer wieder für reichlich Steuergeld zu sanieren oder wiederaufzubauen sind.

Ein paar Bemerkungen zum Schluß. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt hat den Freistaat Thüringen auf den Wiederaufbau der Brücke verklagt. Angeschoben hatte dieses Verfahren noch der ehemalige Landrat des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, Hartmut Holzhey (parteilos). Das Verfahren wurde am 22. Oktober wegen der angeblichen Unzuständigkeit des Landkreises vom Landgericht abgewiesen. Schon vorher hatte der neue Landrat Marko Wolfram (SPD) angekündigt, daß der Landkreis das Urteil der ersten Instanz akzeptieren werde. Man könnte also sagen: Der Mann, dessen oberstes und wichtigstes Ziel es sein müßte, seinen Landkreis in jeder Hinsicht voranzubringen, will in dieser Sache nicht kämpfen. Anders dagegen die Thüringer CDU, die das Verfahren ausdrücklich begrüßte. Das wäre dann aber wirklich mal eine tolle Sache, oder man stelle sich vor: Die stärkste Regierungspartei im Freistaat, die Linke, und die stärkste Oppositionspartei, die CDU, würden in der Sache den Schulterschluß üben und zeigen, daß politische Willenserklärungen kein Geschwafel und ideologische Differenzen kein Hindernisgrund zur Durchsetzung vernünftiger Projekte sein müssen. Eine gute Idee könnte dabei sein, die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) für den Aufbau der touristischen Infrastruktur am Thüringer Meer zu beauftragen, diese mit den notwendigen Mitteln auszustatten und sie so in die praktische Verantwortung zu bringen.

Zuletzt noch einmal zurück nach Mecklenburg-Vorpommern und mithin in ein Land, das wie Thüringen finanziell auch nicht auf Rosen gebettet ist. Dort soll es doch tatsächlich Städte und Gemeinden geben, die nach der Wende Brücken ganz ohne den Mehrwert, schnell von A nach B zu kommen, erbaut haben. Die führen einfach vom Strand bis zu 500 Meter hinein in die Ostsee. Damit sich ihre Touristen wohl fühlen, wiederkommen und möglichst lange bleiben. Vielleicht laden die Frau Siegesmund sogar mal ein. Verrückte Fischköppe aber auch.

JÜRGEN RAABE

Titelbild: HERMANN HIRSCHFELD

Geplante Brücke an der Linkenmühle: Handlungsschwerpunkt Mobilität.

Bild: HH-ARCHIV

Damalige freistaatliche Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU): Förderung für den Wiederaufbau der Brücke in Höhe von bis zu vier Millionen Euro zugesagt.

Foto: WST-ARCHIV

Damaliger Die Linke-Landtagsfraktionsführer Bodo Ramelow mit dem seinerzeitigen Saalfeld-Rudolstädter Landrat Hartmut Holzhey auf einer „Thüringer Meer“-Veranstaltung: „Brücke ist extrem wichtig.“

Foto: ANNETTE RUDOLPH

Früherer Thüringer Bauminister Christian Carius (CDU): „Er soll nur seine Arbeit machen.“

Foto: FFPR

Reste des gesprengten Linkenmühlenbrücke: Ärgernis für Touristen und Bevölkerung in der Region.

Foto: HERMANN HIRSCHFELD

Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnisgrüne): Hoffnung, daß sich das Problem von selbst erledigen möge.

Foto: FFPR

 

„Starkes Symbol für eine Region,

die sich aus dem Dornröschenschlaf befreien muß“

Meinungen und Wortmeldungen zum Wiederaufbau der Linkenmühle.

„Deshalb war und bleibt die Brücke an der Linkenmühle ein starkes Symbol für eine Region, die sich aus dem Dornröschenschlaf befreien muß und die kreisübergreifend nur eine Chance auf Verbesserung hat.“

BODO RAMELOW (Die Linke), Erfurt, 11. Februar 2013

„Nie im Leben würde ich behaupten wollen, daß die Thüringer Landesregierung nur durch den Streit zwischen CDU und SPD geprägt ist. Nein. Es gibt auch genug Streit nur in der CDU. Ein Beispiel gefällig? Das Thüringer Meer bekommt ja jetzt wieder ein bißchen mehr Aufmerksamkeit – zum Glück. Die Ministerpräsidentin hat nun gestern sogar gesagt, daß die Landesregierung die Finanzierung für den Neubau der Brücke an der Linkenmühle zu 75 Prozent übernehmen würde. Das ist eigentlich eine sehr gute Nachricht, denn die Brücke ist extrem wichtig für die Anbindung der Ferienregion an die Infrastruktur der Umgebung. Leider sieht Bauminister Christian Carius das Ganze etwas anders.

Für den Bauminister besteht an der Stelle, wo die Brücke wiederentstehen soll, kein Baurecht. Mit der Sprengung der Brücke durch die Nazis, sei das Baurecht erloschen. Daß die Brücke Teil des gesamten Stauseesystems wäre, für das natürlich Baurecht bestand und besteht, wird einfach ignoriert. Das hat nicht mit juristischer Einschätzung zu tun, sondern Herr Carius will die Brücke offensichtlich einfach nicht. Frau Lieberknecht muß nun zeigen, ob sie sich durchsetzen kann oder ob es dabei bleibt, daß es bestenfalls eine Luftbrücke über die Hohenwarte gibt. Das wäre dann eine echte Luftnummer.“

BODO RAMELOW (Die Linke), 5. September 2013

„Der Freistaat Thüringen will den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg gesprengten Brücke am Hohenwartestausee, die die Linkenmühle mit Altenroth verbindet, mit bis zu vier Millionen Euro fördern. Das sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) gestern im Anschluß an eine zweitägige Klausurtagung der CDU-Landtagsfraktion in der Landessportschule Bad Blankenburg.

,Wir sind bereit, 75 Prozent der Kosten zu übernehmen, wenn das Baurecht für die Brücke hergestellt ist‘, so die Regierungschefin. Darum müßten sich jetzt die Akteure vor Ort kümmern. ,Thüringen ist überall, auch am Thüringer Meer‘, so Lieberknecht.

Da es sich sozusagen um den Lückenschluß einer Straße handelt, soll das Geld aus dem Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr kommen. Angesprochen darauf, daß Minister Christian Carius (CDU) bisher nicht gerade zu den Befürwortern der Brücke gehörte, sagte die Ministerpräsidentin: ,Er muß ja nicht zu den Befürwortern gehören, er soll nur seine Arbeit machen.‘“

THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG vom 5. September 2013

„Die CDU begrüßt die Klageerhebung des Landkreises gegen das Land Thüringen auf Wiederaufbau der Brücke an der Linkenmühle. Diesen Schritt hatte Landrat Marko Wolfram (SPD) diese Woche verkündet. Allerdings zeige man sich verwundert über die vorweggenommenen Äußerungen über ein Scheitern dieser Bemühungen. Landrat Wolfram möchte ein ablehnendes Urteil in erster Instanz akzeptieren. Sachverhalte werden allerdings häufig in späteren Instanzen anders bewertet, so die Christdemokraten. Wenn man wirklich für einen Wiederaufbau stehe, dann müsse auch der Weg dorthin konsequent bestritten werden. Auch Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ist von einem Mehrwert der Brükke nicht überzeugt und greift das negative Ergebnis vor. Das will man so nicht akzeptieren. Eine bessere Verkehrsanbindung der Stauseeregion sei ein entscheidender touristischer Eckpfeiler und für die weitere Entwicklung unerläßlich. Die Kosten sollten dabei überwiegend aus Landesmitteln getragen werden, da dies die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla überfordern würde. Das habe auch ein langjähriger Befürworter der Brücke erkannt – Bodo Ramelow (Linke). Dieser hat sich seit 2010 immer wieder für einen Wiederaufbau ausgesprochen und solle nun den Worten Taten folgen lassen. Die CDU fordert den Ministerpräsidenten auf, ein Machtwort für die Zukunft der Brücke zu sprechen.“

CDU-KREISVERBAND SAALFELD-RUDOLSTADT, 3. August 2015

 

NTI-Ausgabe 08-2015

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