Frühzeitiges Bestellen sichert gute Plätze

Anspruchsvoll, vielfältig, modern und populär: Das Schauspiel- und Konzertprogramm des Theaters Rudolstadt lockt Besucher aus fernen und näheren Provinzen.

Das Städtedreieck muß man ein geometrisches Wunder nennen, besitzt es doch, trotz dreier Ecken, mehr als drei schöne Seiten. Eine besondere Attraktion der Region ist unser Theater. Viele Besucher aus ferneren und näheren Provinzen (Großstädte eingeschlossen) kommen nicht aus dem Staunen heraus, wenn sie erfahren, wie anspruchsvoll, vielfältig, modern und populär das hiesige Schauspiel- und Konzertprogramm ist. Früher nannte man ein solches Haus Musentempel, neudeutsch heißt es Alleinstellungsmerkmal. Die hohe Akzeptanz des Theaters und Orchesters bei den Bewohnern im Landkreis und darüber hinaus ist nicht vom Himmel gefallen. Seit vielen hundert Jahren gibt es in der Residenz eine Schauspieltradition, die Hofkapelle erfüllt hier seit 1635 ihren Unterhaltungsauftrag. (Etwa zu diesem Zeitpunkt erfand Galileo Galilei die Pendeluhr.) Immer wieder gab es  Schauspieler, Dirigenten, Musiker, Techniker und Dramaturgen, die ein Programm zustande brachten, das die Leute aus den Tälern und Städten auf den Rudolstädter Anger, in den „Meininger Hof“ in Saalfeld, zur Heidecksburg strömen ließ, um dort Musik oder Schauspiel zu erleben. Und immer wieder gab es Fürsten, Bürgermeister, Landräte (und sogar Parteisekretäre), die dafür eintraten, daß diese Institution erhalten bleibt und öffentlich gefördert wird.

„O meines Lebens goldne Zeit!“ lautet das Motto, unter dem die aktuelle Spielzeit 2015/2016 steht. Ein feierlicher Ausruf Friedrich Schillers, der zum Programm erhoben wurde. Auf der Bühne des Lebens feiert der Mensch sich selbst, seine Einzigartigkeit, den Reichtum seiner Empfindungen und Beziehungen. Passend dazu eröffnen wir die Saison mit einem Stück, das, wie kein zweites, Zuschauern Einblick gewährt in die Eigenheiten des Theaterbetriebs. „Der nackte Wahnsinn“ des englischen Dramatikers Michael Frayn zeigt eine Schauspieltruppe bei der Probe, während einer Repertoire-Vorstellung und am Ende einer Tournee. Allen, die damit hadern, daß sie einst zu feige waren, sich an einer Schauspielschule zu bewerben, allen, die schon immer wissen wollen, was passiert, wenn ein Spieler seinen Text vergißt, allen, die immer mal gern eine Vorstellung hinter der Bühne gesehen hätten, sei dieser Klassiker der Komödie wärmstens empfohlen. Es ist ein Parforceritt der besonderen Art. Die Villa, in der die Farce spielt, besitzt acht Türen. Sie werden im Laufe des Abends zirka 388mal geöffnet und geschlossen. Es ist also allerhand los in der Anstalt. Am 3. Oktober startete mit Smetanas Volksoper „Die verkaufte Braut“ die erste Musiktheateraufführung, eine weitere Kooperation der Thüringer Symphoniker mit dem Sängerensemble des Theaters Nordhausen. Am gleichen Tag hatte im Schminkkasten „Anderthalb Stunden zu spät“ Premiere, eine turbulente Ehe-Komödie mit ernstem Hintergrund. Vielleicht liegt hier der Erfolg des Rudolstädter Theaters begründet? Ernste Stoffe werden unterhaltsam und mit Esprit erzählt, leichte und komödiantische Stücke mit Ernsthaftigkeit und Sinn dargeboten.

Bewährtes steht neben Unbekanntem, Klassiker neben Gegenwartsliteratur. Im November zeigen wir Dimitré Dinevs Stück „Eine heikle Sache, die Seele“, ein dramatischer Balanceakt, wo Lachen und Weinen sich nahe kommen. Eine Trauerfeier, die aus dem Ruder läuft, dem Ruder, das Charon, der Fährmann über die Lethe, den Todesfluß, kurz aus der Hand legt. Auch traurige Anlässe können zu bacchanalischen Partys ausarten, wenn die richtigen Gäste zusammenkommen. Mit dabei sein wird die Berliner Brassband Schnaftl Ufftschik, die schon in diversen Inszenierungen der letzten Jahre klangvolle Akzente setzte (unter anderem „Die Schicksalssinfonie“, „Der Aufstieg der Amateure“, „www.wir-wandern-wieder“). Was erwartet Sie noch? Ein großes Silvesterkonzert in der Stadthalle in Bad Blankenburg. „New York in The Movies“ – Hits der Filmmusik. Erstmals im April 2016 – am gleichen Ort – ein Orchesterball „Frühlingsrauschen“, ein Abend, wo das geschätzte Publikum zeigen kann, daß es sich noch gut an die Tanzschulzeiten erinnert. Acht Sinfoniekonzerte mit den Thüringer Symphonikern und Werken von Dvorak, Rimsky-Korsakow, Beethoven, Bruckner, Rossini. Nicht zu vergessen: das Erstlingswerk „Die Räuber“ des Wahl-Rudolstädters Schiller. Am 19. März 2016 hat das Stück Premiere. Dann geht es Schlag auf Schlag: „My fair Lady“, „Ein Sommernachtstraum“, Molières Geniestreich „Der Geizige“. Daneben kleine Produktionen im Schminkkasten, Kinder- und Jugendstücke im Theater Tumult. Und für alle jüngsten, jungen und jung gebliebenen Zuschauer „Der gestiefelte Kater – Sieben Leben!“. Denken Sie dran: Zu den Eigenheiten dieses kleinen (aber feinen) Theaters gehört leider (und glücklicherweise), daß viele Vorstellungsankündigungen mit dem Aufkleber „Ausverkauft“ versehen sind. Frühzeitiges Bestellen sichert gute Plätze, am bequemsten (und günstigsten) bleibt ein Abonnement.

STEFFEN MENSCHING

Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Geschäftsführer und Intendant der Thüringer Landestheater Rudolstadt – Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt GmbH

 

Saisoneröffnungs-Stück „Der nackte Wahnsinn“: Einblicke in die Eigenheiten des Theaterbetriebs.

Fotos (4): TLR-ARCHIV

Thüringer Symphoniker: Acht Sinfoniekonzerte mit Werken von Dvorak, Rimsky-Korsakow, Beethoven, Bruckner, Rossini.

Rudolstädter „Faust“: Bewährtes steht neben Unbekanntem, Klassiker neben Gegenwartsliteratur.

„Der gestiefelte Kater“: Highlight für alle jüngsten, jungen und jung gebliebenen Zuschauer.

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