Anschluß-Gewinnung

Langwierig, aber erfolgreich: Die Autobahn 38 gilt als beispielhaftes Verkehrsprojekt Deutsche Einheit. Mit der Fertigstellung im Jahre 2009 wurde nach über 14jähriger Bauzeit eines der bedeutendsten Straßenbauvorhaben im mitteldeutschen Raum vollendet. Vor allem das Eichsfeld hat wie kaum eine andere Anrainer-Region von diesem Autobahn-Anschluß profitiert und sich verändert, indem es unmerklich schneller und flexibler geworden ist.

 

Die Autobahn als Namenspate. „A38“ nennt sich ein inzwischen traditionelles sogenanntes Produktions-Stipendium Kassel-Halle. Das Stipendium wird jährlich als Preis für eine der beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest eingereichten Arbeiten verliehen. Die Auswahlkommission des Festivals nominiert 16 Arbeiten, vornehmlich aus dem Programmbereich junges Dokfest. Mit dem Stipendium wird das Ziel verfolgt, künstlerischen Film- und Mediennachwuchs zu fördern und gleichzeitig den Dokumentarfilm einem jungen Publikum nahezubringen.

Warum das Stipendium nach der Autobahn 38 benannt wurde, erklären die Organisatoren auf ihrer Homepage so: „Der Titel ,A38‘ geht auf den langwierigen, aber erfolgreichen Ausbau der Autobahn A38 zurück – einer strukturell wichtigen Städteverbindung zwischen Ost und West.“ Das Stipendium wird von den Kooperationspartnern Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, Werkleitz, der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt und der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien vergeben.

Die Autobahn 38 hat sich, fast sechs Jahre nach der endgültigen Fertigstellung, als verbindendes Element beim Zusammenwachsen der Regionen in der Mitte Deutschlands erwiesen. Als Jahrtausendprojekt bezeichnet gar Dr. Werner Henning (CDU), Landrat des Eichsfeldkreises, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 13. Im NTI-Interview (Beitrag ab Seite 11) beschreibt der Landrat, wie die Autobahn seinen beschaulichen und unverwechselbaren Landstrich verändert hat: „Die mit einhergehende Dynamik brachte für Wirtschaft und Tourismus – aber auch für den Austausch des Eichsfeldes mit Göttingen und Kassel, mit Hannover, Rhein-Main- und Ruhrgebiet gewaltige Impulse und mithin Flexibilität und Moderne für den eigenen Raum.“

Henning kann sich noch gut an den Tag im Mai 1998 erinnern, an dem der erste offizielle Spatenstich-Akt für die Autobahn 38 im Landkreis Eichsfeld vollzogen wurde: „Ich erinnere mich sehr gut an das starke Gefühl, zur Begleitung eines im Werden begriffenen Jahrtausendprojektes eingeladen worden zu sein. Was dieses einmal wirklich sein würde, konnten wir im Jahr 1998 wohl alle noch nicht wirklich erfassen. Dafür hatten wir zu lange gewissermaßen versteckt im Grenzgebiet zwischen Ost und West gelegen, wo man uns eine eher übergroße Zurückhaltung und Bescheidenheit antrainiert hatte. Jetzt – nach der mit dem Abriß der alten Grenzanlagen hinter unseren Gärten euphorisch erlebten Welterweiterung – empfanden wir das sich immer mehr konkretisierende Projekt der A 38 als so etwas wie den natürlichen Fortgang zur Anschlußgewinnung an eine neue Zeit, die uns gewissermaßen selbst zum Mittelpunkt des Geschehens machte.“

 

„Jetzt – nach der mit dem Abriß der alten Grenzanlagen hinter unseren Gärten euphorisch erlebten Welterweiterung – empfanden wir das sich immer mehr konkretisierende Projekt der A 38 als so etwas wie den natürlichen Fortgang zur Anschlußgewinnung an eine neue Zeit, die uns gewissermaßen selbst zum Mittelpunkt des Geschehens machte.“

 

Nach einer Gesamtbauzeit von rund 14 Jahren wurde am 22. Dezember 2009 der letzte, 13 Kilometer lange Abschnitt der A 38 zwischen den Anschlußstellen Breitenworbis und Bleicherode in Thüringen für den Verkehr freigegeben. „Damit ist eines der bedeutendsten Straßenbauvorhaben im mitteldeutschen Raum vollendet“, sagte Sachsen-Anhalts damaliger Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre (CDU) im Vorfeld der Freigabe. Mit dem Neubau der insgesamt 218,6 Kilometer langen Strecke sei neben der B6n eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen geschaffen worden. Die Trasse verbinde die Wirtschaftsstandorte Mitteldeutschlands miteinander und biete den direkten Anschluß an das überregionale Verkehrsnetz. Auch Touristen, die auf der Straße der Romanik, zum Sonnenobservatorium bei Goseck oder zu den Weinanbaugebieten an Saale und Unstrut unterwegs seien, könnten ihre Ziele jetzt schneller über die neue A 38 erreichen, würdigte Daehre das Verkehrsprojekt.

Spätestens seit der Fertigstellung dieses letzten Teilstücks kann die A 38 zwischen der A7 bei Göttingen (AD Drammetal), der A 9 bei Haale/Saale und dem Autobahndreieck Parthenaue an der A 14 südöstlich von Leipzig durchgängig befahren werden.

Fast 400 Zuschauer ließen es sich trotz kaltem Winterwetter damals nicht nehmen, an den Eröffnungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Der seinerzeitige Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (CSU) erklärte: „Ab heute haben die Autofahrer auf der gesamten A 38 von Göttingen bis Halle freie Fahrt. Diese Autobahn ist ein sichtbarer Erfolg des Aufbau Ost. Vierzehn Jahre wurde an dieser wichtigen West-Ost-Magistrale in der Mitte Deutschlands gebaut.“ Und versprach, daß der Bund auch in Zukunft hohe Beträge in die ostdeutschen Bundesfernstraßen investieren werde. „Die weit überwiegende Zahl der Großprojekte in den neuen Bundesländern ist bereits fertig oder im Bau“, so der damalige Minister. „Aber natürlich werden wir das Netz der Autobahnen und Bundesstraßen weiter ausbauen.“

 

„Diese Autobahn ist ein sichtbarer Erfolg des Aufbau Ost.“

 

Insgesamt wurden für die neue Autobahn 200 Brücken und 25 Auffahrten gebaut. Für den letzten Abschnitt von Breitenworbis und Bleicherode wendete der Bund 165 Millionen Euro auf. Von Baubeginn bis Fertigstellung wurden insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro in den Neubau der A 38 investiert.

Fast sechs Jahre nach der Gesamtfertigstellung des Bauwerks konstatiert Eichsfeldkreis-Landrat Werner Henning „Die Autobahn gehört heute faktisch zu unserem Leben, obgleich man sie nicht permanent wahrnimmt.“ Letzteres liege, erklärt der Politiker, wohl daran, daß die Trassierung insgesamt hervorragend gelungen sei und überwiegend in einem kaum wahrnehmbaren großflächigen Landschaftseinschnitt verlaufe, aus dem sie nur bei den Brücken zutage trete. „Damit wird die raumverbindende Funktion der Autobahn in der eigenen Landschaft weithin ausgeblendet – ist aber zur sofortigen Nutzung da, wenn sie für die eigenen Belange gebraucht wird. Insofern ist wohl auch das Eichsfeld unmerklich schneller und flexibler geworden.“

Autobahnbau ist bekanntlich mit wesentlichen Eingriffen in Natur und Landschaften verbunden und findet schon deshalb nicht nur Befürworter. Die A38 stand allerdings vor und während der Bauzeit kaum im Blickpunkt von Kritikern. „Wirklich ernstzunehmende Gegenpositionen zu diesem Projekt hat es nicht gegeben“, erinnert sich Landrat Henning. „Die wenigen politischen Zwischenrufe kamen da eher aus dem Göttinger Grünenumfeld – erschienen aber auch eher als etwas skurrile liebenswerte Farbtupfer ohne bedrohlichen Charakter. Selbst die Bauern, welche ja wirklich viel Land verloren haben, blieben insgesamt konstruktiv, obgleich es einigen von ihnen schon auch spürbar wehtat.“

„Die wenigen politischen Zwischenrufe kamen da eher aus dem Göttinger Grünenumfeld – erschienen aber auch eher als etwas skurrile liebenswerte Farbtupfer ohne bedrohlichen Charakter.“

 

Die A38 hat ganz wesentlich zu einer spürbaren Entlastung in den Anrainer-Regionen beigetragen. Seit Öffnung der innerdeutschen Grenzen hatten nämlich die Verkehrsströme auf der Bundesstraße B80 als einziger West-Ost-Verbindung im Eichsfeld stetig zugenommen. Da es keine Ortsumfahrungen gab, brachte dies insbesondere für die Anwohner unzumutbare Lärm- und Schadstoffbelastungen und ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich.

Prognosen zufolge wäre die B80 zwischen Leinefelde und Breitenworbis ohne den Bau der A38 im Jahr 2010 mit 11.000 bis 13.000 Kraftfahrzeugen pro Tag belastet worden. Mit dem Autobahnneubau hingegen wurde eine Entlastung von 6000 bis 8000 Kraftfahrzeugen täglich vorausgesagt. Nach Fertigstellung wurde auf der A38 allein auf diesem Streckenabschnitt eine Befahrung von täglich rund 32.000 Kraftfahrzeugen prognostiziert.

Die Notwendigkeit einer leistungsfähigen West-Ost-Verbindung wurde schon frühzeitig erkannt, eine solche kam aber bis zur Wende über den Planungsstatus nie hinaus und wurde schließlich zunächst ganz begraben. Erst mit der Deutschen Wiedervereinigung hatte die Achse wieder eine Perspektive.

„Bereits in den 1930er Jahren existierten Pläne einer Reichsautobahn Dessau - westlich Halle - Nordhausen - Göttingen (mit Weiterführung nördlich Kassel nach Hamm). Auch der Netzplan des Jahres 1940 enthielt diese Verbindung, die von der heutigen Bundesautobahn 9 bei Dessau-Süd abzweigen und südlich Köthen (Anhalt) über Gerbstedt nach Nordhausen und Göttingen verlaufen sollte. Ein Bruchstück dieser Planung tauchte noch bis in die 1980er Jahre in den Karten von Mairs Geographischen Verlag Stuttgart auf, die eine Teilstrecke von Gerbstedt über Ihlewitz (mit Abzweig nach Magdeburg), Könnern-Nelben (Saalequerung), Könnern, Hohenedlau (mit Abzweig nach Halle) –Gröbzig enthielten.“ Das berichtet die freie Enzyklopädie „Wikipedia“. „Der Netzplan der Deutschen Demokratischen Republik aus dem Jahre 1958 sah eine Autobahnverbindung auch vor, allerdings nördlich Halle von der Strecke Magdeburg – Halle abzweigend und weiter über Eisleben und Nordhausen zur innerdeutschen Grenze bei Mackenrode verlaufend. Dies stand im Einklang zu den Planungen in der Bundesrepublik Deutschland: Nach dem Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 vom 30. Juni 1971 war eine Autobahn aus dem Raum Willebadessen über Beverungen – Uslar – Nörten-Hardenberg – Herzberg zur ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Mackenrode unter der internen Bezeichnung ‚Autobahn 105‘ in Planung. Ab 1. Januar 1975 wurde diese Verbindung in den Streckenzug der A 46 aufgenommen. Zu einer Realisierung kam es jedoch nicht.“

Mit dem Zweiten Gesetz vom 25. August 1980 zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 wurde laut „Wikipedia“  die Strecke ersatzlos gestrichen: „Dabei blieb es auch mit dem Dritten Gesetz vom 21. April 1986 zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen. Auch die DDR setzte ihr Vorhaben nicht um, so daß 1989 zwischen Göttingen, Nordhausen und Halle keine leistungsfähige Verkehrsverbindung bestand.“

Mit dem Fall der Mauer und der Deutschen Wiedervereinigung stellte sich die Frage nach einer Verkehrslösung erneut. Am 9. April 1991 beschloß die Bundesregierung das Programm „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ (VDE) im Vorgriff auf den Bundesverkehrswegeplan 1992. Das Programm enthielt die Verbindung Göttingen – Halle (Westtangente) – A14 nördlich Halle sowie einen Abzweig südlich von Halle zur Bundesautobahn 9 bei Weißenfels.

Seit auf der A38 der Verkehr rollt, ist auch Heilbad Heiligenstadt, die Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld, in den Blickpunkt wirtschaftlicher Interessenten gerückt. Die tausendjährige Stadt liegt im Nordwesten des Freistaates Thüringen im Dreiländereck Hessen – Niedersachsen – Thüringen. Das Mittelzentrum, mit seinen vier Ortsteilen, ist die geographische Mitte Deutschlands. Durch die Autobahn zirka einen Kilometer Entfernung mit der Abfahrt Heilbad Heiligenstadt und der direkt durch die Stadt führenden Landstraße L 3080, sieht sich Heilbad Heiligenstadt „hervorragend an das deutsche und europäische Fernstraßennetz angeschlossen“ und wirbt damit, daß „durch die unmittelbare Nähe zur Georg-August-Universität Göttingen, einer Universität mit Weltruf, der Anschluß an ein innovatives Umfeld für industrielle Neuentwicklungen und Start-ups gegeben“ ist.

Ein Beispiel für die Anziehungskraft der Autobahn ist das „Areal 38“ in Heilbad Heiligenstadt. Diese Industriefläche ist nach Auskunft des Landratsamts bereits zu über 90 Prozent ausgelastet. 25 Unternehmen wurden angesiedelt, die mehr als 1110 Arbeitsplätze anbieten. Angestrebt wird nunmehr die Neuausweisung von zirka 25 Hektar Gewerbe- und Industriefläche. Hierfür liegen aktuelle Bedarfsanmeldungen aus der Automobiltechnologie, der Lebensmittel- und Verpackungstechnik sowie der Logistik vor.

Ein Symbol für die Überwindung von Grenzen und für das Zusammenwachsen der Eichsfelder ist der Heidkopftunnel – „Tunnel der Deutschen Einheit“. Das Bauwerk hat eine Länge von 1724 Metern und verbindet die Bundesländer Niedersachsen und Thüringen. Der Tunnel ist der längste Tunnel in Niedersachsen und Teil der Bundesautobahn A38 zwischen Göttingen und Halle. Benannt ist er nach einem Höhenzug in der Nähe, der bis 1990 die Grenze der beiden deutschen Staaten bildete.

Für die Unterhaltung des Tunnels einschließlich des rund 300 Meter langen Tunnelabschnitts, der in Thüringen liegt, ist das Land Niedersachsen, vertreten durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, zuständig. Grundlage dieser Regelung ist ein entsprechender Staatsvertrag mit Thüringen.

Im Tunnel-Test des ADAC erhielt der Heidkopftunnel 2008 die Gesamtnote „Sehr gut“.

2011 wurde der Heidkopftunnel mit zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen nach neuesten Forschungsergebnissen der Bundesanstalt für Straßenwesen nachgerüstet. Im Januar 2012 erfolgte die Freigabe des Tunnels für Gefahrgut-Transporte.

Keine Frage: Mit der Autobahn wachsen die angeschlossenen Regionen zusammen. Entfernungen spielen keine Rolle mehr und erst recht keine Bundesländergrenzen.

„Welche Sehenswürdigkeit liegt an der A38?“, wollte kürzlich ein Nutzer des Internet-Reise-Ratgebers „Reisefrage.net“ wissen. Eine „hilfreiche Antwort – ausgezeichnet vom Fragesteller“ unterbreitete dazu Vorschläge, die gleich ein ganzes Reiseprogramm ausfüllen könnten: „Natürlich der Vergnügungspark Belantis, mit eigenem Autobahnanschluß, die Lutherstadt Eisleben, das Rosarium in Sangerhausen, die Gedenkstätte Buchenwald und der Kyffhäuser mit dem Barbarossadenkmal sind nicht weit. Ebenso der Harz mit vielen Sehenswürdigkeiten. Aber wenn Du einen Zwischenstopp einlegen möchtest, dann besuche doch einfach mal die Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora in der Nähe von Nordhausen. Von der Abfahrt Werther sind es nur zirka acht bis zehn Kilometer. Dort siehst Du Ausstellungen über einen Lageralltag und kannst eine Führung mitmachen, der durch einen Stollen geht, in dem KZ-Häftlinge die Raketensysteme für die ,V2‘ montieren mußten.“

Vor allem die Regionen, die nicht unmittelbar an der Autobahn liegen, sollen künftig besser angebunden werden, um ebenfalls von den schnellen Verbindungen profitieren zu können.

2013 versprach Thüringens damaliger Verkehrsminister Christian Carius (CDU) auf einem Mühlhäuser Wirtschaftsforum kurze Wege für die Mühlhäuser zur A38: „Eine gute Verkehrs- und Infrastrukturpolitik bleibt dabei die Grundlage für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung in ganz Nordwestthüringen.“ Der Politiker gab dabei die Devise aus: „Bis 2020 sollen 90 Prozent der Thüringer eine Autobahn in weniger als 20 Minuten erreichen. Der schnelle Anschluß Mühlhausens an die A38 im Norden und die A4 im Süden und die Entlastung der Anwohner an der Strecke ist deshalb ein Schwerpunkt unserer Verkehrspolitik.“

 

„Bis 2020 sollen 90 Prozent der Thüringer eine Autobahn in weniger als 20 Minuten erreichen.“

 

Mit dem Bau der Ortsumgehungen von Leinefelde, Dingelstädt und Langensalza habe man das Projekt gut vorangebracht. Für die Ortsumgehungen Kallmerode, Mühlhausen und Großengottern habe man die Planungsvoraussetzungen geschaffen. Deshalb machte sich laut Carius die damalige Landesregierung beim Bund für die notwendigen Mittel von rund 130 Millionen Euro zum weiteren Ausbau der B247 stark: „Es gilt, die künftige Bundesregierung bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans von einer zügigen Bereitstellung der Mittel für diese Investitionen in den Straßenbau zu überzeugen.“

Auch beim Schienenverkehr hatte Carius die Interessen Mühlhausens im Blick und stellte die Verwirklichung einer neuen kühnen Vision in Aussicht: „Als Land richten wir eine neue Expreßlinie auf der Strecke Erfurt-Mühlhausen-Kassel ein. Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 haben wir darüber hinaus die Schließung der Elektrifizierungslücke von 65 Kilometern zwischen Gotha, Mühlhausen und Leinefelde beim Bund angemeldet. Hier könnte eine interessante, neue Fernverkehrsrelation zwischen dem Ruhrgebiet quer durch Thüringen bis nach Sachsen entstehen.“

JÖRG SCHUSTER

Titelbild: KLAUS-GÜNTER KNABE

 

Eichsfelder Landkreis-Landrat Dr. Werner Henning (CDU): „Gewaltige Impulse“.

Foto: NTI-ARCHIV

Langwieriges Projekt: Im Herbst 2004 war die A38 bei Breitenbach noch Baustelle.

Foto: RALF KOTHE

NTI-Titel zur Autobahnanbindung des Eichsfelds, Ausgabe 7/2005: Flexibilität und Moderne für den eigenen Raum.

 

 

Zur Sache

Die Bundesautobahn 38 (Abkürzung: BAB 38) – Kurzform: Autobahn 38 (Abkürzung: A38) – ist eine Autobahn, die von der A7 südlich von Göttingen abzweigt und als sogenannte Südharzautobahn (Südharztangente) über Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis, Nordhausen, Sangerhausen, Lutherstadt Eisleben in den Raum Halle (Saale) und Leipzig führt. Dort kreuzt sie die A9 und mündet am Dreieck Parthenaue bei Naunhof in die A14 und ist somit ein Teil der Mitteldeutschen Schleife. Die A38 ist das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 13. Sie erschließt die Region und soll zusammen mit der A7 (Drammetal–Kassel) und der A44 (südöstlich Kassel) eine weitere Verbindung Leipzig/Halle–Ruhrgebiet bilden und damit die A2 teilweise entlasten. Seit dem 22.Dezember 2009 ist die Autobahn vollständig befahrbar.

Aus: „Wikipedia – Die freie Enzyklopädie“

Freie Fahrt

 

Autobahnnetz im Freistaat komplett ausgebaut: Letztes fehlendes Teilstück der Thüringer Waldautobahn (A71) freigegeben. Das Verkehrsprojekt mündet bei Schweinfurt in die A70, einem Zubringer zur A7, und trifft im Norden bei Sangerhausen auf die von Halle nach Göttingen führende A38.

 

Das letzte Teilstück der auch als Thüringer-Wald-Autobahn bekannten A71 ist Anfang September 2015 im Raum Sömmerda schrittweise für den Verkehr freigegeben worden. Darüber berichtete der MDR Thüringen. Damit könnten Autofahrer nunmehr von Sangerhausen in Sachsen-Anhalt bis nach Schweinfurt in Franken auf der Autobahn fahren.

Mit der Übergabe des Teilstücks bei Sömmerda ist das Autobahnnetz im Freistaat nunmehr komplett ausgebaut. Die fehlenden elf Kilometer A71 in Thüringen sollten ursprünglich schon vor einem Jahr befahrbar sein. Bei den Bauarbeiten stellte sich aber heraus, daß sich im Unterbau der Trasse Risse gebildet hatten. Ursache dafür waren chemische Reaktionen im Boden. Daraufhin mußte auf einer Länge von elf Kilometern der Baugrund ausgebaggert und ausgetauscht werden. Die Zusatzkosten wurden mit rund zehn Millionen Euro beziffert.

Die A71 mündet bei Schweinfurt in die A70, einem Zubringer zur A7. Im Norden trifft die A71 bei Sangerhausen auf die A38 Halle-Göttingen. Im Jahr 1996 begannen die Arbeiten an der A71. Um die Trasse durch den Thüringer Wald bauen zu können,  mußten Tunnel und Brücken mit einer Gesamtlänge von über 20 Kilometern errichtet und gebohrt werden. Darunter ist auch der acht Kilometer lange Rennsteigtunnel. Das beeindruckende Bauwerk gilt als Deutschlands längster Autobahntunnel. 2005 war die Autobahn zwischen Erfurt und Schweinfurt fertiggestellt, parallel wurde ab 2002 die Trasse von Erfurt aus in Richtung Sachsen-Anhalt vorangetrieben.

Die Kommentare zur neuen durchgängigen Autobahn 71 auf den MDR.de-Beitrag waren gespalten. Sie reichten von: „Wieder einmal hat die Verkehrspolitik und Investitionspolitik versagt. Landschaft wurde sinnlos zuasphaltiert anstatt die Eisenbahn auszubauen. Der Modal Split wurde in die falsche Richtung gelenkt. Weil Entscheider keine Ahnung haben, von der heiligen Kuh Auto verblendet sind und von egoistischen Interessen der Autolobby gelenkt werden. Schade, daß es so mit Deutschland weiter bergab geht.“

Über: „Jetzt ist dieses Machwerk also fertig. Die Natur sagt, danke lieber Mensch, daß du uns so eine schöne Straße gebaut hast. Zur wirtschaftlichen Entwicklung ist zu sagen, daß es auch keine Autobahn quer durch den Schwarzwald gibt und Baden-Württemberg ist nicht als verarmt bekannt. Dennoch, nachtreten ist feige und die Fakten sind geschaffen. Hoffen wir, daß die Einsparungen an Öl den Flächenverlust irgendwann aufwiegen ...“

Bis: „Diese hervorragende Infrastruktur in Thüringen wird den Freistaat in die obere Wirtschaftsliga aufsteigen lassen. Die ICE-Strecke rundet die Erreichbarkeiten ab, wenngleich der rot-grüne Baustopp zu acht Jahren Verzögerung geführt hat. Thüringen ist jedenfalls verkehrsmäßig erschlossen, wie kein anderes Bundesland. Die Verkehrspolitik aus dem Einigungsvertrag wird Früchte tragen. Die Unternehmen werden die Chance nutzen. Die Infrastruktur wird wie ein Magnet wirken. Das ist das eigentlich Erfreuliche!“

Für den Bau der Thüringer Waldautobahn stellten die Europäische Union, der Bund und das Land Thüringen fast 2,5 Milliarden Euro bereit. Wie der MDR informierte, strebt die Landesregierung von Sachsen-Anhalt eine Verlängerung der A71 bis zur A14 bei Plötzkau südlich von Magdeburg an. Das etwa 50 Kilometer lange Teilstück wurde für den Bundesverkehrsverkehrswegeplan angemeldet.

PM-WST

Autobahn mit Anziehungskraft

Landkreis Eichsfeld an der Autobahn 38 – Der Bau der Bundesautobahn gilt als Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Der seit mehr als 20 Jahren bestehende Landkreis Eichsfeld zählt zu den prosperierenden Regionen Deutschlands. Ausdruck dieser Entwicklung ist eine lebendige mittelständisch orientierte Wirtschaft. Traditionelles und doch innovatives Handwerk findet sich neben Hightech-Unternehmen mit modernster Produktionsweise.

Investoren profitieren hier von ausgezeichnet erschlossenen Flächen, hoch qualifizierten Fachkräften und der Nähe zu den Wissenschaftsstandorten Göttingen und Kassel.

Der Bau der Bundesautobahn 38 zu Beginn des neuen Jahrtausends mit der seit Ende 2009 durchgängigen Befahrbarkeit war und ist ein Meilenstein für diese Entwicklung.

Im Oktober 2014 unterschritt die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent erstmals die Fünf-Prozentmarke. Eine Quote, die man sonst vor allem in bayerischen Regionen kennt, ist im Eichsfeld Realität.

Ein Beispiel für die Anziehungskraft der Autobahn ist das „Areal 38“ in Heilbad Heiligenstadt. Diese Industriefläche ist bereits zu über 90 Prozent ausgelastet. 25 Unternehmen wurden angesiedelt, die mehr als 1110 Arbeitsplätze anbieten. Angestrebt wird nunmehr die Neuausweisung von zirka 25 Hektar Gewerbe- und Industriefläche. Hiefür liegen aktuelle Bedarfsanmeldungen aus der Automobiltechnologie, der Lebensmittel- und Verpackungstechnik sowie der Logistik vor.

PI-LKE

NTI Ausgabe 07-2015

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