NEWS 16.09.2015: Sympathisch, aber kein Lebensort?

Stadtmarken-Studie legt Reserven der Thüringer Landeshauptstadt offen.

Gerade noch ins Spitzenfeld schaffte es Thüringens Hauptstadt Erfurt in der Kategorie „sympathischste Stadt“ beim aktuellen Brandmeyer-Stadtmarken-Monitor. Die im Durchschnitt besten Noten in allen untersuchten neun Faktoren - neben Sympathie unter anderem Ruf und Lebensqualität, auch Anziehungskraft als touristisches Ziel, die Wirtschaftskraft und die Bereitschaft, in die Stadt zu ziehen - erhielt Hamburg. Die Hansestadt ist in den Augen der Deutschen die attraktivste Stadt der Bundesrepublik vor München, Köln, Dresden und Freiburg. Vor fünf Jahren war noch München „Sieger aller Kategorien“ und die stärkste Stadtmarke.

In der Gesamtwertung der 49 größten Städte zuzüglich der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin liegt Erfurt mit der Bewertung 6,0 im Mittelfeld, auf Platz 22 unter anderem hinter den ostdeutschen Städten Dresden (7,1), Potsdam (6,8), Leipzig (6,5) und Rostock (6,1). Die 5003 im August befragten Personen stehen repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung Deutschlands ab 18 Jahren und hatten - unterteilt in die Altersgruppen 18 bis 29 Jahre, 30 bis 49 und ab 50 - in allen Kategorien die Differenzierungsmöglichkeit von 1 „Stimme überhaupt nicht zu“ bis 10 „Stimme voll und ganz zu“. In keiner dieser drei Altersgruppen gelang Erfurt der Sprung unter die ersten 17 Städte.

Doch mit 6,5 (Durchschnitt aller Städte: 6,2) etablierte sich die Thüringer Metropole im Spitzenfeld bei der Sympathie. Während die größte Stadt unseres Landes für Familien noch recht attraktiv eingeschätzt wurde (14. Platz), ist die allgemeine Lebensqualität Erfurts wohl nicht ausreichend (6,3, Rang 25), denn für keine der drei Altersgruppen erscheint sie als Lebensort attraktiv genug, um herzuziehen.

Wenngleich sich die nach fünf Jahren wiederholte Studie auf subjektive Einschätzungen gründet, sollte ihr von Kommunalpolitikern durchaus Bedeutung beigemessen werden. Interessant sind nämlich auch Schlußfolgerungen auf den zweiten Blick. Denn die hohe Attraktivität von Freiburg (Platz fünf) und Lübeck (Platz acht) - beide mit weniger als 250.000 Einwohnern und in fast allen Kategorien vor Erfurt - beweisen, daß nicht nur die Größe zählt, um positiv wahrgenommen zu werden. Im Sympathie-Ranking liegt Freiburg bundesweit sogar an zweiter Stelle - 15 Plätze vor Erfurt.

Eine weitere, nach 2010 wieder bestätigte Erkenntnis der Studie: Städte schneiden in Rankings, die auf Kennzahlen basieren, oft sehr gut ab, was sich aber in vielen Fällen in der subjektiven Wahrnehmung der Bevölkerung nicht widerspiegelt.

FRANK FRIEDRICH

 

16.09.2015

 

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