NEWS 03.09.2015: Problematische Botschaft

 

Falsche Reihenfolge bei der energetischen Gebäudesanierung: Der Thüringer Unternehmer Bernhard Helbing kritisiert in seiner Funktion als Präsident des deutschen Verbandes Fenster + Fassade in einem Brief Äußerungen der für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zuständigen Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD).

„Erst die Heizung, dann das Dach“ – so lautete die Botschaft eines Interviews von Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) zur Herangehensweise bei der energetischen Gebäudesanierung in einem am 26. August 2015 in der Tageszeitung „Neue Westfälische“ erschienenen Interview.

Das veranlaßte Bernhard Helbing, Präsident des Verbandes Fenster + Fassade (VFF), dazu, die Politikerin in einem Brief „auf die Problematik dieser Botschaft“ hinzuweisen. Der Verband Fenster+ Fassade mit Sitz in Frankfurt am Main vertritt rund 400 Mitgliedsbetriebe, die knapp zwei Drittel der Branche repräsentieren. Nach der letzten Strukturanalyse des VFF aus dem Jahr 2012 umfaßt die gesamte Branche rund 100.000 Beschäftigte, davon 72.000 gewerbliche Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz betrug 2011 rund 9,6 Milliarden Euro.

„Grundsätzlich ist die energetische Sanierung des Gebäudebestandes eine der wichtigen klimapolitischen Aufgaben unserer Zeit. Diese Auffassung verbindet uns uneingeschränkt, wie ich aus unserem Gespräch anläßlich Ihres Besuchs in Thüringen im August letzten Jahres weiß“, schrieb Helbing, der auch Geschäftsführer eines Branchenunternehmens in Bad Langensalza ist, an die Ministerin, um dann auf sein eigentliches Problem zu kommen: „Wenn aber eine Sanierung in mehreren Schritten durchgeführt werden muß, dann gibt es meines Erachtens nur eine wirklich plausible Grundregel: Erst die Gebäudehülle, dann die Heizung!“

Auch die effizienteste Heizungsanlage müsse, so Helbings Begründung, auf den gesamten Wärmeverbrauch des Gebäudes abgestimmt sein. „Wenn ich nun die Sanierung mit der Heizung beginne, muß die Heizung natürlich an die energetische Gesamtsituation des Hauses angepaßt werden. Folgt nun beispielsweise die Erneuerung der Fenster und des Daches, stehe ich vor einer ganz neuen Energiebilanz mit deutlich niedrigerem Gesamtheizungsbedarf. Jetzt muß ich feststellen, daß die gerade erst sanierte Heizung zu groß dimensioniert ist und ein Teil meiner Ausgaben für diese Anlage fehlinvestiert sind.“

Deshalb erklärte der Briefeschreiber: „,Andersherum wird ein Schuh draus‘“, sagt der Volksmund und in diesem Fall meines Erachtens auch der gesunde Menschenverstand. Jede Sanierung sollte, wenn möglich, mit der Gebäudehülle, also Dach oder Fenstern, beginnen. Nur hiermit kann der Wärmebedarf gesenkt werden.“ Sei dies erreicht, sei natürlich eine Heizungssanierung sinnvoll, um den jetzt niedrigeren Energiebedarf entsprechend effizient erzeugen zu können.

„Sehr geehrte Frau Ministerin, natürlich möchte ich mich mit diesem Schreiben, das ist meine Aufgabe als Verbandspräsident, für die vordringlich sinnvolle Sanierung von Fenstern, Haustüren und Fassaden einsetzen. Zugleich stehe ich aber mit der gesamten Baubranche und ihren Initiativen wie zum Beispiel der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz geea für umfassende Sanierungsansätze“, machte Helbing weiterhin deutlich.. „Mit meinem Schreiben möchte ich ausschließlich für den Fall, daß einzelne Sanierungsmaßnahmen und ihre Reihenfolge diskutiert werden, Stellung nehmen.“

Abschließend mahnte der Verbandsrepräsentant bei der Ministerin unmißverständlich Initiativen an: „Im Übrigen hoffen alle, die wie wir auf eine verstärkte Sanierung von Gebäuden im Interesse von Energiewende und Klimapolitik setzen, daß die dafür unbedingt nötige steuerliche Förderung energetischer Sanierung doch noch die erforderliche politische Zustimmung erfährt.“

PAF-JS

„Erst die Heizung, dann das Dach“: Interview mit Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) in der Tageszeitung „Neue Westfälische“ vom 26. August 2015.

03.09.2015

 

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