Weg vom Lagerfeuer

Die UST Umweltsensortechnik GmbH produziert mit rund 100 Mitarbeitern jährlich mehrere Millionen Gas- und Temperatursensoren sowie Tausende Gasspürgeräte für mehr als 1200 Kunden weltweit.

Manche Sätze sagen mitunter mehr über einen Menschen aus, als das eine längere Beobachtung, das Zuhören oder die Befragung Dritter vermögen. Zumal, wenn das fast ausschließlich kurze und druckreife Sätze sind. Wie und nur zum Beispiel: „Ich als Einzelperson bin nicht wichtig. Wichtig sind die Familie, Firma, meine Mitarbeiter und der Enthusiasmus gegenüber unseren Kunden.“ „Wir brauchen eine gerechte Leistungsverteilung und erwarten von der Politik, also auch von den Neuen in Erfurt, eine Verläßlichkeit bei den Rahmenbedingungen.“ „Die Gesellschaft als Ganzes muß den ökologischen Umbau gestalten, wir als Industrie haben dabei Kreisläufe zu schaffen, die den Ausstoß von Kohlenwasserstoff drastisch reduzieren.“ „Wir müssen das Zeitalter des Lagerfeuers verlassen und endlich im Wasserstoffzeitalter ankommen.“ „Altkanzler Helmut Schmidt ist ein von mir hochgeschätzter Politiker. Aber seine Meinung, nach der jemand, der Visionen hat, zum Arzt gehen solle, die kann ich nicht teilen. Vielmehr sollte jemand mit Visionen, diese versuchen weiterzuentwickeln und im besten Falle selbst zum Unternehmer werden.“

Der Mann hinter diesen Sätzen ist der Geschäftsführer der UST Umweltsensortechnik GmbH Dr. Olaf Kiesewetter. Der 1958 nach eigenen Angaben als „Drittletzter“ im thüringischen Geschwenda Geborene, studierte und promovierte an der nahen Technischen Universität (TU) Ilmenau und gründete anschließend mit fünf weiteren Gesellschaftern die UST Umweltsensortechnik GmbH. Hilfreich bei der Gründung sowohl bezogen auf das Finanzielle als auch auf die Nachhaltigkeit der Förderung war seinerzeit das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgelegte Förderprogramm „Technologieorientierte Unternehmensgründung“. Genauso hilfreich war die schon frühe Überzeugung des Geschäftsführers, daß die Zukunft des Unternehmens nur in der Spezialisierung liegen und insofern in einer Marktnische gelingen könne.

Ein knappes Vierteljahrhundert später produziert das Unternehmen in Geschwenda mit rund 100 Mitarbeitern jährlich mehrere Millionen Gas- und Temperatursensoren sowie Tausende Gasspürgeräte für mehr als 1200 Kunden weltweit. Nach eigener Einschätzung liegt der Kompetenzvorsprung oder schlicht der Kundenmehrwert in einer marktorientierten Entwicklung und Fertigung von Sensorelementen auf keramischer Basis für die Gas- und Temperaturmeßtechnik sowie deren Implementierung in innovative Geräte. Effiziente und innovative Fertigungstechnologien, für die über 40 Patente geradezu sinnbildlich stehen, ermöglichen dabei eine durchgängige Fertigung von kundenspezifischen Sensoren und -elementen in höchster Qualität sowohl im Klein- als auch im Großserienmaßstab. Dann kommen wieder ein paar solche Sätze: „Bei uns gibt es kein Produkt von der Stange, wir fertigen statt dessen für unsere Kunden und deren Anforderungen maßgeschneiderte Sensoren.“ „Wir bauen nicht die besten, wohl aber fertigen wir die am höchsten spezialisierten Sensoren.“ „In unserer Nische sind wir durchaus ein Global-Player.“

Der dazu bestens vernetzt ist. Zu nennen wäre an dieser Stelle eine ganze Reihe von Kooperationen mit der TU Ilmenau und der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie diverse Mitgliedschaften in Branchenverbänden und Netzwerken wie dem Verband für Sensorik und Meßtechnik (AMA), dem Fachverband für Mikrotechnik (IVAM), dem Cluster Elektronische Meß- und Gerätetechnik Thüringen (Elmug) oder und ganz wichtig bezogen auf das Wasserstoffzeitalter, im Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV). Dazu kommen die regelmäßige Beteiligung an Messen und Kongressen sowie Vertriebspartner in China und Indien. Für den letztgenannten und vom Umsatzpotential höchst spannenden Markt China gibt es in Geschwenda mit der UST China GmbH und der UST Pro Applikation GmbH eigene Tochterunternehmen, die von Menghua Song, einem in Ilmenau lebenden Chinesen, geleitet werden. Und zwar, „weil man in China ohne einen ,Einheimischen‘ ganz einfach kein lukratives und wachsendes Geschäft aufbauen kann.“

Seit der Jahrtausendwende konzentrierte sich die UST Umweltsensortechnik, dessen alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer mittlerweile Dr. Olaf Kiesewetter ist, verstärkt auf den genauso lukrativen wie anspruchsvollen Markt der Automobilindustrie. Die UST macht als sogenannter Tier-2-Zulieferer mittlerweile etwas mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit der Automobilwirtschaft, wobei Tier für Rang steht und die UST aus der zweiten Reihe die Tier-1-Zulieferer mit Sensorelementen für Abgastemperatur- und Luftgütesensoren beliefert. Und zwar für nahezu alle namhaften Hersteller mit der Folge, daß die Wahrscheinlichkeit, schon einmal einem Fahrzeug mit einem Bauteil aus Geschwenda begegnet zu sein, sehr hoch sein dürfte.

Dr. Olaf Kiesewetter ist Träger der Dieselmedaille in Gold. Die Dieselmedaille als ältesten Innovationspreis Europas erhält man im übrigen vom Deutschen Institut für Erfindungswesen verliehen und zwar nicht für eine Erfindung an sich, sondern nur dann, wenn diese Neuheit auch tatsächlich erfolgreich unternehmerisch umgesetzt wurde. Das trifft für eine Vielzahl von Produkten und Technologien der UST Umweltsensortechnik GmbH zu.

Auch für die Zukunft der UST Umweltsensortechnik, deren Produkte neben der Automobilindustrie auch in der industriellen Meß- und Regelungstechnik sowie in der Energie-, der Umwelt-, der Sicherheits- und in der Medizintechnik eingesetzt werden, hat Dr. Olaf Kiesewetter am Ende noch ein paar Sätze übrig. Wie gewohnt kurz, präzise und einprägsam. „Wir wollen weiter wachsen und weiter hier am Standort Geschwenda produzieren.“ „Wir suchen nach internationalen Kooperationen, von denen beide Seiten etwas haben.“ „Der Wasserstoff- und der Brennstoffzellentechnologie gehören die Zukunft, und zwar ganz sicher auch mit Komponenten und Sensoren von uns. Diesen Anspruch als Ingenieure haben wir in der UST Umweltsensortechnik schon.“

JÜRGEN RAABE

Geschwendaer UST-Chef Dr. Olaf Kiesewetter: „Wir müssen endlich im Wasserstoffzeitalter ankommen.“

Foto: UST-ARCHIV

 

NTI-Ausgabe 05/2015

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