Willkommen fühlte sich der Prinz hier nicht wirklich

Was hinter einer Nachricht steht: Weinhaus zu Weimar Georg Prinz zur Lippe verkaufte Weinberge des Weingutes. Damit geht für den sächsischen Vorzeigewinzer eine interessante und harte Lehrzeit in Thüringen  zu Ende.

Nach dem Verkauf der Weinberge des „Weingutes zu Weimar“: Siegfried Boy von der Agrargenossenschaft Gleina (links) und Prof. Dr. Georg Prinz zur Lippe.

Am 12. September 2011 präsentierte das Weinhaus Weimar den ersten Wein.

Fünf Jahre zuvor hatte der Winzer Prof. Dr. Georg Prinz zur Lippe mit Team die Weinberge des „Weingutes zu Weimar“ in Kromsdorf aufgerebt.

Und heute, zehn Jahre danach? Die Weinberge wurden durch den Prinz zum 1. Juni 2015 an die Agrargenossenschaft Gleina e.G. verkauft. nti-online.net berichtete am 30.05.2015 in der Rubrik „Thüringen aktuell – News“ unter der Überschrift „Engagement beendet“. Es mache keinen Sinn, weitere fünf Jahre ohne Sicht auf ein einvernehmliches Ergebnis zu kämpfen. Nach dieser Zeit in Thüringen und mit den hier erlebten bitteren Erfahrungen blute ihm das Herz. Willkommen fühlte sich der Prinz hier nicht wirklich. Deshalb nun der Verkauf. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart; fest steht, daß unter anderem ein Bieter aus China einen deutlich höheren Preis gezahlt hätte. „Finanziell war das vielleicht falsch“, unterstrich der Prinz, betonte aber, daß die Entscheidung aus seiner Sicht menschlich so besser vertretbar richtig gewesen sei.

Die Mitarbeiter wurden in dem Rahmen übernommen. Ihnen wurden neue Arbeitsverträge ausgehändigt. Siegfried Boy von der Agrargenossenschaft sieht den Ererb der Weinberge als ökonomisch vertretbar an. Der Kauf der Weinberge trage zur Stabilisierung seines Unternehmens bei. Boy freut sich auf die hochmotivierten Arbeitskräfte.

Die Geschichte des Weimarer Weingutes begann bereits 2006. Damals fragte Thüringens Landwirtschaftsminister Volker Sklenar (CDU) an, ob der Chef vom Weingut Schloß Proschwitz bei Meißen bereit wäre, sich auch in Thüringen zu engagieren. Schließlich steckte damals die international renommierte Qualitätsstrategie hier noch in den Kinderschuhen.

Der Prinz erinnert sich: „Der besondere Reiz an diesem Projekt war für mich das exzellente und bisher nur schlummernde Weinbau-Terroir von Weimar.“ Er wollte dem mitteldeutschen Weinbau eine weitere spannende authentische Facette hinzufügen.

„Begeistert von der Region und den Möglichkeiten haben wir dann schrittweise eine sehr kompetente Weinbau-Mannschaft, weitestgehend aus Thüringer Mitarbeitern, aufgebaut und kontinuierlich weitergebildet. Parallel dazu wurden in mehreren Jahresscheiben bis 2013 insgesamt 46 Hektar Rebfläche neu angelegt. Im Rahmen dieser Aufrebung erhielten auch die benachbarten Thüringer Weinbaubetriebe in signifikantem Umfang weitere Rebrechte und konnten ihre Betrieb erweitern.“

Manchmal kommt es eben anders. Zwischen Anerkennung (auch der Weine) und massiver Anfeindung sind die Jahre vergangen. Es ist dem Prinz trotz größter Anstrengungen nicht gelungen, in der hiesigen Region ein Weingut mit Kellerei aufzubauen. Was im sächsischen Proschwitz und Zadel gelungen ist, blieb ihm hier versagt. Noch im vergangenen Jahr mußte die Ernte der Trauben in einer geschlossenen Kühlkette 200 Kilometer nach Proschwitz transportiert werden. Das stand auch ökonomisch in keinem Verhältnis mehr. Was fehlte, war eine Kellerei vor Ort. Mehrere Erwerbs- und Entwicklungskonzepte für die Einrichtung eines eigenständigen Weingutes mit Kellerei im historischen Umfeld ließen sich nicht realisieren. In den Kommunen Kromsdorf oder Liebstedt wurden diese Vorhaben, die bis ins Detail durchgeplant waren und richtig Geld gekostet hätten, nach Aussagen des Prinzen aber blockiert.

Zunächst war er beim Kauf des Kromsdorfer Schlosses gescheitert, das er zum Weingut umbauen wollte. Beim geplanten Erwerb der mittelalterlichen Ordensburg Liebstedt kam es mit dem dortigen Förderverein zum Streit, der die laut eigenen Angaben einzige in Mitteleuropa komplett erhaltene Burg des Deutschen Ritter-Ordens vor dem Umbau schützen wollte. Ein Teil der Liebstedter Bürger hätte sich gegen jegliche vernünftige Argumente gesperrt. Im Endergebnis hätte dies dazu geführt, daß die Weinberge nun verkauft wurden. Laufende Prozesse seien noch nicht abgeschlossen. Der Prinz werde, so kündigte er an, den laufenden Rechtsstreit mit Liebstedt („ …da kämpfe ich wie ein Bär“) bis zu Ende ausfechten. Nach zehn Jahren harter Arbeit sah der Prinz aus Sachsen für die Zukunft keine klaren Perspektiven mehr: Die Ursprungsidee von einem authentischen, regional verankerten Weingut in Thüringen hat er nun zu den Akten gelegt.

Die Weinberge gehören jetzt einem regionalen Partner in Sachsen-Anhalt. Die Agrargenossenschaft Gleina und Siegfried Boy, auch Weinbaupräsident der dortigen Region, bieten durch die langjährigen Erfahrungen im Weinbau die Garantie für eine positive Weiterentwicklung des Betriebes in Thüringen.

Das Weinhaus zu Weimar gibt es als Marke weiterhin. Es wird weiter vermarktet. Die Erntejahrgänge 2013 und 2014 gehören zu den Spitzenweinen. Vinothek und Gaststätte in Kromsdorf bleiben vorerst erhalten. Über die zukünftige Marketingstrategie wird mit den zuständigen Partnern geredet. Dort gibt es Mitspracherechte, was übrigens auch im Vermarktungsvertrag mit dem Erfurter Getränke-Großhändler Waldhoff verankert ist. Möglich ist, daß 2017 von Gleina die Markenrechte erworben werden können.

Ein Bestand von Landmaschinen in Kromsdorf von ´zirka 150.000 Euro Buchwert steht zur Disposition. Auch darüber wird verhandelt.

So geht nun das Projekt „Weingut zu Weimar“ dem Ende entgegen. Mit Schloß und Weingut Proschwitz und Zadel hat Prof. Dr. Georg Prinz zur Lippe seine Kompetenz unter Beweis gestellt. Sein Unterfangen in der Klassikerstadt dagegen ist gescheitert.

HARTWIG MÄHLER

 

 

Onlineportal der Neuen Thüringer Illustrierten (nti-online.net)

 

 

 

Die Erntejahrgänge 2013 und 2014 gehören zu den Spitzenweinen: 1. Weinfest in Kromsdorf.

Fotos (3): HARTWIG MÄHLER

 

 

Weinreben des Weingutes Weimar: Bis 2013 wurden insgesamt 46 Hektar Rebfläche neu angelegt.

"Kultwein aus Sachsen"


Als Weinbauer hat sich der in Weimar gescheiterte Prinz zur Lippe wieder einmal als kompetent erwiesen. Das Genußmagazin "Savoir Vivre" kürte kürzlich auf seiner europaweiten Entdeckungsreise durch den Jahrgang 2014 auch Wein von den Proschwitzer Weinbergen, dem Hauptbetätigungsfeld des Prinzen. 

So landete beispielsweise die "Scheurebe" des Sächsischen Weingutes Prinz zur Lippe auf einem zweiten Platz. Die Prüfer urteilten: "Kultwein aus Sachsen. Und wie jedes Jahr vorne dabei. In der Nase Apfel-, Birnen- und Johannesbeernoten. Auf dem Gaumen ausgewogen und nachhaltig."  

Solche Ehrungen wären früher oder später womöglich auch für Weimarer Weine durchaus möglich und für die Region keine schlechte Werbung gewesen.    

Der Prinz


Der Prinz ist ein schlechter Verlierer! Es sollte endlich verstehen und lernen, dass man mit Geld nicht alles und erst recht nicht jede Burg kaufen kann. Es muss auch nicht jedes Schloss oder jede Burg zum Weingut umfunktioniert werden.

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