„Ich bin glücklich, daß ich das machen durfte“

Mit ihm als Spitzenkandidat hatte die CDU am 14. Oktober 1990 die Landtagswahl klar gewonnen. Drei Wochen später, am 8. November, wählte ihn das Landesparlament zum ersten Ministerpräsidenten Thüringens nach der politischen Wende. Doch schon 15 Monate später reichte er seinen Rücktritt ein. Heute lebt Josef Duchac – nahezu erblindet – in der Familie von Tochter Claudia in Birkenwerder bei Berlin.

Enttäuscht verließ Josef Duchac am 25. August 1990 vorzeitig den Landesparteitag der CDU in Erfurt. Als einer von fünf Kandidaten für die Wahl zum Landesvorsitzenden nominiert, hatte er klar den Kürzeren gezogen. Damit stand für ihn fest: Der Neue wird auch der Spitzenkandidat für die Landtagswahl zwei Monate später sein. Anderen Tages brach er zeitig zu einer Dienstreise nach Wiesbaden auf. Dort erreichte ihn ein Anruf aus Erfurt, der sein Leben von einer Minute auf die andere verändern sollte: „Der Landesvorstand hat Dich zu seinem Spitzenkandidaten bestimmt.“ Josef Duchac fiel aus allen Wolken. Eilte zurück nach Erfurt. Und kniete sich fortan in die neue Aufgabe. Bis zum 23. Januar 1992. Am Abend jenes Tages entzog ihm die Mehrheit seiner Fraktion das Vertrauen …

NTI: Herr Duchac, vor knapp 25 Jahren endete Ihre politische Karriere in Thüringen. Wie sehr sind Sie Ihrem einstigen Wirkungsfeld noch verbunden?

DUCHAC: Gedanklich immer, körperlich nicht mehr. Leider. Mein Gesundheitszustand läßt weite Reisen nicht zu. Aber ich habe viele Freunde in Thüringen, und ich verfolge mit Interesse die Thüringer Medien.

NTI: Die CDU ist nach der jüngsten Landtagswahl zwar stärkste politische Kraft geblieben, wurde nach fast 25 Jahren aber erstmals in die Opposition geschickt. Waren Sie überrascht?

DUCHAC: Ich rechnete eher damit, daß die Koalition aus CDU und SPD fortgesetzt wird. Sie hat sich trotz mancher Disharmonien, die in einer Koalition nie ausbleiben, in der Sache als lebensfähig erwiesen. Deshalb hat mich der Schwenk der SPD zu den Linken doch einigermaßen überrascht. Zu meiner Zeit befand sich die SPD sogar in der Opposition. Dennoch hatte ich zu Fraktionschef Gerd Schuchardt und anderen in seiner Partei ein gutes Verhältnis. Auch von daher: Ich hätte die Sozialdemokraten nicht weglaufen lassen, sondern mit allen Mitteln versucht, sie für eine Neuauflage der Koalition zu gewinnen.

NTI: Wird die rot-rot-grüne Koalition in Erfurt mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit volle fünf Jahre durchregieren?

DUCHAC: Die knappe Mehrheit ist nicht das Problem. Konrad Adenauer hat vorgemacht, wie man damit umgeht. Knappe Mehrheiten zwingen zur Disziplin, die Fraktionen als Ganzes ebenso wie jedes einzelne Mitglied. Bislang habe ich den Eindruck, daß sich die drei Partner in Erfurt dieser Situation bewußt sind.

NTI: In den Monaten der politischen Wende wurde die Allmacht der SED gebrochen. Im Ergebnis eines demokratischen Prozesses wurden Sie Regierungschef des neu gebildeten Landes Thüringen. Hätten Sie es je für möglich gehalten, daß Sie 25 Jahre später in einer Reihe mit einem Ministerpräsidenten der Linkspartei stehen?

DUCHAC: Damals nicht. Damals war die Partei, die sich heute Die Linke nennt, eine andere Partei, mit anderen politischen Zielen. Heute sind die Linken integrierter Teil des Parteienspektrums der Bundesrepublik. Von daher muß man sie ertragen. Auch einen linken Ministerpräsidenten. Das größere Problem besteht für mich darin, daß am 14. September 2014 nur wenig mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch machte. Das hat zu dieser Situation geführt, die wir heute in Thüringen vorfinden.

NTI: Sie sind 1957 sicher nicht in der Hoffnung CDU-Mitglied geworden, daß diese Partei eines Tages in echte Regierungsverantwortung gelangt. Welche Beweggründe hatten Sie?

DUCHAC: Ich stamme aus einem katholischen Elternhaus. Freunde in meinem Umfeld waren zu diesem Zeitpunkt CDU-Mitglieder oder gehörten schon vor dem Zweiten Weltkrieg der Centrums-Partei an. Ihre Ideen waren mir vertraut. Auch ich wollte als Christ aktiv werden. Die CDU schien mir dafür die richtige Partei zu sein.

NTI: Ihre berufliche Entwicklung bis hin zur politischen Wende war anfangs eher DDR-typisch: vom Arbeiterkind und einfachen Arbeiter übers Studium bis zum Produktionsleiter eines volkseigenen Betriebes, der Gummiwerke Waltershausen. Für ein Mitglied der DDR-CDU doch wohl eher eine ungewöhnliche Laufbahn. Wie kam es dazu?

DUCHAC: Rückblickend denkt man das vielleicht so. Aber auch damals mußte man gut arbeiten. Das war immer mein Ziel. Ich wollte mir nicht nachsagen lassen, gebummelt oder geschlumpert zu haben. Als Abteilungsleiter in den Gummiwerken war ich erfolgreich. Dazu kam dann die Berufung in die Auftragsleitung für den Neubau eines zentralen Rohbetriebes in Waltershausen. Auch hier war ich erfolgreich. So ganz konnte man mich also nicht in die Ecke stellen.

NTI: Sie wurden 1986 – und waren es dann bis in die politische Wende hinein – Mitglied des Rates des Kreises Gotha und dort verantwortlich für Wohnungswirtschaft. Vom Betriebs- zum staatlichen Leiter – warum dieser Wechsel?

DUCHAC: Ich war Produktionsleiter und auch ehrgeizig genug, mehr machen zu wollen. Aber dann sagte mir der Kaderleiter, du wirst nie eine Nomenklatur-Kaderstelle bekommen. Das hat mich so verärgert, daß ich ein Angebot der CDU angenommen habe, das erkrankte CDU-Mitglied beim Rat des Kreises Gotha für Wohnungswirtschaft vertretungsweise zu übernehmen. Aus der Vertretung ist später ein kommissarisches Ratsmitglied geworden. In dieser Funktion war ich unter anderem für die Anleitung von vier kommunalen Wohnungswirtschaftsbetrieben und zehn Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaften verantwortlich. Das war wirtschaftsleitende Tätigkeit, die mir sehr entgegen kam.

NTI: Der „Brief aus Weimar“, der vorsichtige Reformen in der CDU anmahnte, habe die „Wende“ in der Ost-CDU eingeleitet, hieß es lange Zeit. 25 Jahre später wird er differenzierter gesehen. Welche Bedeutung messen Sie dem Papier zu?

DUCHAC: Die Einschätzung von damals teile ich: Der Brief hat wesentlich dazu beigetragen, daß die CDU zu einer demokratischen Partei mutierte. Innere Wandlung und ein anderer Sozialismus – das waren neue Vokabeln, die Mut machten. Ich hatte großen Respekt vor den vier Unterzeichnern, weil ja auch zu befürchten war, daß Leute wie sie kaltgestellt werden. Als sich später herausstellte, daß einer der Mitunterzeichner ein Stasi-Offizier war, hat das meinen Respekt relativiert.

NTI: Irgendwo war sogar zu lesen, daß der Brief möglicherweise in Absprache mit der Staatssicherheit abgefaßt worden sei …

DUCHAC: Das wäre eine Forschungsaufgabe für eine Universität. Darüber will ich nicht spekulieren.

NTI: Wie haben Sie die politische Wende erlebt?

DUCHAC: Zunächst: Ich halte wenig von dem Begriff „Wende“. Für mich war das eine friedliche Revolution. Und sie ist auch nicht am 9. November 1989 allein festzumachen. Die friedliche Revolution war vielmehr ein langer Prozeß, der mit Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion begann. Dazu gehören die friedlichen Demonstrationen in Leipzig, an denen ich zweimal teilnahm: mit großer Angst übrigens, weil ich auf den Dächern die Kameras sah und befürchtete, daß man mich nach meiner Rückkehr aus dem Rat des Kreises rausschmeißen würde. Dazu gehören die Demonstrationen in anderen Städten der DDR, die Runden Tische, der Fall der Mauer …

NTI: Erinnern Sie sich noch, was Sie am Tag des Mauerfalls gemacht haben?

DUCHAC: Sehr genau sogar. Am Abend dieses Tages saßen wir in einer Gothaer Wohngebietsgaststätte zusammen und tranken ein Bier, als der Kellner kam und mir ins Ohr flüsterte: „Herr Duchac, in Berlin haben sie die Mauer aufgemacht.“ Darauf habe ich erwidert: „Veräppeln kann ich mich allein.“ Dann hat es mich aber doch gereizt. Ich ging an die Theke und hörte dort im Radio, daß das wirklich wahr ist. Ich ging nach Hause. Dort saß unsere Tochter, hochschwanger, vor dem Fernseher, und Tränen kullerten über ihre Wangen. Da habe ich mich dazugesetzt, gesehen, was in Berlin los war und mitgeheult. Drei Tage später wurde ich zum ersten Mal Großvater.

NTI: Sie gehörten zu den Demonstranten in Leipzig. Haben Sie auch in Gotha Einfluß auf den Gang der Dinge genommen?

DUCHAC: Noch vor dem Fall der Berliner Mauer habe ich die erste große Donnerstags-Demo in Gotha moderiert. Tausende waren damals auf dem Hauptmarkt zusammengekommen und hatten freie Wahlen, Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit gefordert. Die Stimmung war sehr emotional, aggressiv, beinahe explosiv. Aber es gelang, den Protest in friedliche Bahnen zu lenken. Dieses Geschehen ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Es war in meinem politischen Leben ein entscheidender Punkt.

NTI: Wie ging es weiter?

DUCHAC: Der CDU-Kreisvorsitzende war plötzlich abgetaucht, und ich wurde gebeten, kommissarisch die Leitung des Verbandes zu übernehmen. In dieser Eigenschaft war ich zeitweise auch in die Beratungen der SED-Kreisleitung eingebunden. Auch hier spielte der Brief aus Weimar eine Rolle. Ich bin zum Teil heftig attackiert worden. Das zog sich hin bis zu dem Augenblick, als ich im Namen des CDU-Kreisvorstandes offiziell den Austritt der CDU des Kreises Gotha aus dem demokratischen Block erklärte. Damit brachten wir zugleich zum Ausdruck, daß wir den Führungsanspruch der SED nicht länger hinnehmen würden.

NTI: Wie war Ihnen in diesem Augenblick zumute?

DUCHAC: So genau kann ich das heute gar nicht mehr definieren. Aber besorgt war man immer. Die Zeit war allerdings fortgeschritten. Unter Lothar de Maiziere hatte sich die CDU weitgehend gewandelt. Ich brauchte mich im Grunde nur dem anzuschließen, was im Vorstand der CDU in Berlin ausgesprochen worden war.

NTI: Sie waren in diesen bewegten Wochen Betriebsteilleiter in Waltershausen, CDU-Kreisvorsitzender in Gotha und avancierten dann auch noch zum Regierungsbevollmächtigten mit dem Auftrag, die Bezirksverwaltung Erfurt neu zu strukturieren. Wie kam es dazu?

DUCHAC: Der CDU-Landesverband Thüringen der CDU wurde schon im Januar 1990 gegründet. Er war also ein Vorgriff auf das spätere Land Thüringen. Vorsitzender wurde Uwe Ehrich. Im Lande selbst bildeten sich vielerorts Runde Tische, die weitgehend unabhängig voneinander agierten. Uwe Ehrich meinte damals, man müsse dies nun auch politisch unterlegen. In Erfurt hat er den Runden Tisch dann „Politisch Beratender Ausschuß“ genannt, und dieser Ausschuß wählte mich dann zum Regierungsbevollmächtigten für den Bezirk Erfurt. Bei dieser Abstimmung bekam ich hundert Prozent der Stimmen. Mein Name wurde nach Berlin gemeldet, und de Maiziere hat mich offiziell berufen.

NTI: Kurz darauf wurden Sie – auch mit den Stimmen aus Gera und Suhl – Regierungsbevollmächtigter für das neu zu bildende Land Thüringen. An Arbeit dürfte es damals nicht gemangelt haben?

DUCHAC: Das war schon eine gewaltige Aufgabe. Hier die Bezirksverwaltungsbehörde Erfurt und parallel dazu die Vorbereitungen für die Bildung des Landes Thüringen. Also: Wie viele Minister werden benötigt? Wo sollen ihre Ministerien untergebracht werden? Die Verfassung vorbereiten. Vorschläge für die Landeshauptstadt erarbeiten. Und vieles mehr. Das waren zwar alles Dinge, die letztlich der Landtag zu beschließen hatte. Aber vorbereiten mußten wir sie.

NTI: Sie sind 1990 nicht Landesvorsitzender der Thüringer CDU geworden, wurden dann aber doch als Spitzenkandidat für die Landtagswahl nominiert. Gemeinhin hat der Vorsitzende das erste Zugriffsrecht auf die Spitzenkandidatur. Weshalb lief es damals anders?

DUCHAC: Auf dem CDU-Landesparteitag in Erfurt mußte ein neuer Landesvorsitzender gewählt werden. Ich fühlte mich prädestiniert für dieses Amt, bewarb mich vor den Delegierten und war mir sicher, daß sie mich wählen würden. Doch da war ich falsch gewickelt. Willibald Böck hatte seine Kandidatur bestens vorbereitet. Er hinterließ den besseren Eindruck und wurde gewählt. Für mich blieb nur Platz zwei. Und mir war klar, daß der Landesvorsitzende nun auch Spitzenkandidat wird. Allerdings habe ich es versäumt, offiziell von meiner Kandidatur zurückzutreten, und bin enttäuscht nach Hause gefahren. Angeblich hatte ich dann bei der Wahl des Spitzenkandidaten mehr Stimmen gehabt als Böck. Die exakten Zahlen kenne ich allerdings bis heute nicht.

NTI: Eben noch ein strahlende Sieger, und dann doch nur die Nummer zwei – das dürfte für Sie wie für Willibald Böck keine leichte Situation gewesen sein.

DUCHAC: War es auch nicht. Wir saßen hinter verschlossenen Türen lange beieinander und stimmten schließlich darin überein, daß wir es unter den schwierigen Thüringer Verhältnissen mit einer Doppelspitze hinkriegen könnten. Unmittelbar danach habe ich in einem Interview noch einmal ganz deutlich hervorgehoben, daß mir das Amt nicht zustehe. Das müsse der Landesvorsitzende machen. Unser Verhältnis blieb trotzdem getrübt. Erfahrene Politiker wie Walther Wallmann in Hessen rieten mir, Böck ins Kabinett zu übernehmen. Wenn er sich dort nicht loyal verhält, könne ich ihn immer noch entlassen. Das eine habe ich getan, das andere traute ich mir nicht.

„Das eine habe ich getan, das andere traute ich mir nicht.“

NTI: Seine Entlassung hätte – wie sich zeigen sollte – einigen Schaden vom Land abgehalten. Willibald Böck sägte sich mit der Raststätten-Affäre später selbst den Ast ab, auf dem er saß.

DUCHAC: Über die Raststätten-Affäre wurden zu meiner Zeit hin und wieder zwar Vermutungen geäußert. Doch wenn es damals einen Anfangsverdacht gegeben hätte, die Staatsanwaltschaft wäre ihm sicher mit Freuden nachgegangen. Davon abgesehen: Ich war mit seiner Arbeit als Innenminister nicht zufrieden. Wichtige Aufgaben wie die Polizei- und eine Gebietsreform kamen nur schleppend voran. Ich hätte ihn auch deshalb gern aus der Schußlinie genommen. Aber es wäre wohl nicht gut gewesen, den Landesvorsitzenden der CDU zu entlassen. Deshalb habe ich ihm in einem langen Gespräch empfohlen, von sich aus aufzuhören und sich um den Fraktionsvorsitz zu bewerben, wenn dessen Neuwahl ansteht. Das hat er auch zugesagt. Davon ist er dann aber abgewichen, möglicherweise auch deshalb, weil das als Schuldeingeständnis hätte ausgelegt werden können.

NTI: Die Entlassung des Innenministers hätte eine Kabinettsumbildung erforderlich gemacht …

DUCHAC: Darüber habe ich auch nachgedacht. Aber dazu fehlten mir Mut und Erfahrung. Ein Kabinett kann man nicht umbilden, indem man vorher mit anderen darüber redet. Eine Kabinettsumbildung muß man machen. Und damit Schluß. Das war mein Fehler. Und das hat mich viel Vertrauen gekostet: von denen, mit denen ich nicht gesprochen habe, wie von jenen, die um ihren Posten fürchteten.

NTI: Sie selbst machten zuweilen weniger als Ministerpräsident denn als „Stasi-Clown“ Schlagzeilen. Haben Sie es je bereut, daß Sie Ihrem Hobby, der Schauspielerei, in einem Arbeitertheater nachgegangen sind?

DUCHAC: Nein. Das hat ja Spaß gemacht. Doch das Theaterspiel hat nichts mit dem Clown Ferdinand zu tun. Clown Ferdinand war eine Figur der Gothaer Karnevalsgemeinschaft. Der hat in den Büttenreden natürlich auch politische Witze gerissen. Und das hat wiederum nichts damit zu tun, daß ich die Auftritte einer Volksmusikgruppe moderierte. Dabei habe ich auch Pointen aus meinen Büttenreden eingestreut, ohne immer gleich zu wissen, vor welchen Leuten wir gerade gastierten, nämlich gelegentlich auch in Stasi-Heimen. Das wurde mir erst klar, als man mir Hausverbot erteilte. Diese Fakten haben jene, die später darüber berichteten, jedoch geflissentlich übergangen. Das hat mir sehr geschadet. Denn wer damals mit der Stasi in Verbindung gebracht wurde, der hatte von vornherein immer schlechte Karten.

NTI: Es kursierte damals sogar ein Foto, das Sie im Kostüm des Stasi-Clowns zeigt …

DUCHAC: Das war das Unredlichste an der ganzen Sache. Ich bin nie als Clown Ferdinand in einem Ferienheim aufgetreten, schon gar nicht in einem Stasi-Heim. Und das Foto hat man sich bei meiner Frau unter dem Vorwand erschlichen, man wolle einen schönen Artikel über den Gothaer Karneval schreiben, in dem ich – und das trifft zu – damals sehr aktiv war. Dieser Vorfall hat mein Vertrauen in den freien Journalismus doch einigermaßen erschüttert. Sehr enttäuscht war ich aber auch, wie sich meine Fraktion dazu verhalten hat. Die Mitglieder waren sicher alle entsetzt. Aber keiner hat mit mir darüber gesprochen. Und ich war zu stolz, das selber ins Gespräch zu bringen. Das Vertrauensverhältnis war zu diesem Zeitpunkt schon gestört.

NTI: Heute regiert mindestens ein Stasi-IM in Erfurt mit. Hätten sie unter den politischen Umständen, die jetzt herrschen, auch zurücktreten müssen?

DUCHAC: Das kann und will ich nicht beurteilen. Die beiden im Thüringer Landtag, denen Stasi-Kontakte nachgesagt werden, kenne ich nicht. Aber: Schuld ist immer persönliche Schuld. Eine allgemeine Schuld, eine Verurteilung aller, gibt es nicht. Wenn die Schuld auf sich geladen haben, die da jetzt im Parlament sitzen, dann sollte man sich überlegen, ob das noch zulässig ist. In meiner Amtszeit hatten wir in der Staatskanzlei zwei oder drei Vorfälle. Die hat der Chef der Staatskanzlei entlassen: eine Sekretärin und einen Kraftfahrer, soweit ich mich erinnere.

NTI: Ihr Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten liegt fast 25 Jahre zurück. Wie tief sitzt der Stachel noch?

DUCHAC: Ich habe eine für mich ganz tolle, beeindruckende Arbeit gemacht. Und ich bin schon ein Stück weit glücklich, daß ich das machen durfte. Da wir alle Seiteneinsteiger waren, habe ich bestimmt auch Fehler gemacht. Bernhard Vogel konnte es besser. Deshalb ist das heute kein Thema mehr für mich. Damals hat es mich allerdings getroffen. Aber die Wunden sind inzwischen geleckt.

NTI: In jüngsten Veröffentlichungen war zu lesen, daß Christine Lieberknecht den Ausschlag für Ihren Rücktritt gegeben hätte. Sie soll gedroht haben, anderenfalls selbst zurückzutreten. Wie haben Sie es empfunden?

DUCHAC: Sie hat nicht nur gedroht. Sie ist zurückgetreten. Um chronologisch vorzugehen: Die Stimmung in der Regierung hatte sich verschlechtert und schien zu kulminieren, als ich zum Dienstgespräch bei Bundeskanzler Kohl in Bonn war. Dort erreichte mich ein Anruf des Finanzministers, der mich aufforderte, sofort zurückzukommen. Es gebe Ärger, Frau Lieberknecht würde randalieren. Daraufhin hat Helmut Kohl in meinem Beisein Frau Lieberknecht angerufen und ihr gesagt: „Halten Sie Ruhe bis der Chef zurückkommt.“

NTI: Aber der Chef kam nicht; er fuhr zur Grünen Woche nach Berlin.

DUCHAC: Auf dem Rundgang mit allerlei politischer Prominenz bekam ich den zweiten Anruf aus Erfurt: Drei Minister seien zurückgetreten. Was macht man in so einer Situation? Die Politprofis, mit denen ich den Rundgang unternommen hatte, rieten mir, zurückzukehren, mit den Dreien zu sprechen, sie für den Fall, daß sie auf ihrem Standpunkt beharren, gehen zu lassen, das Kabinett umzubilden und anschließend die Zustimmung der Fraktion einzuholen. Verweigert die Fraktion ihre Zustimmung, dann nimmst du deinen Hut und gehst. Genauso bin ich vorgegangen. Die drei Minister – Frau Lieberknecht, Herr Zeh und Herr Lengemann, seinerzeit Minister für besondere Angelegenheiten – wollten von ihrem Rücktritt nicht zurücktreten …

NTI: Mit welcher Begründung?

DUCHAC: Das Vertrauensverhältnis zu mir sei zerstört. Da war nichts mehr zu machen. Ich habe also den Rücktritt angenommen, mir überlegt, wie ich das Kabinett umbilde und bin in die Fraktion gegangen. Aber da gab es keine Unterstützung mehr für mich, auch von Willibald Böck nicht, der schon mal die Schlagzeilen der Zeitungen des nächsten Tages voraussagte: „Alt-Blocki entläßt Lieberknecht“. Das hat unter anderem sicher dazu geführt, daß sich auch jene Abgeordneten reserviert verhielten, die mit der Materie nicht so vertraut waren. Ich habe dann die Vertrauensfrage gestellt und mußte feststellen, daß ich das Vertrauen einer ganzen Reihe Leute nicht mehr besaß. Unter diesen Bedingungen konnte und wollte ich nicht weiterarbeiten und habe meinen Rücktritt erklärt.

NTI: Demnach stimmten nicht alle der 43 Fraktionsmitglieder zu?

DUCHAC: Nein, aber eine große Mehrheit. Interessant für mich ist, daß danach eine Reihe Briefe geschrieben wurde, zum Teil von Leuten, die heute noch bekannt sind. Darin bedauerten sie meinen Rücktritt, beteuerten, daß sie die Zusammenhänge nicht gekannt hätten, schlecht beraten gewesen seien und meinten reumütig, sie hätten damals nicht über mich, sondern mit mir reden müssen. Einige aus frühen Tagen schreiben mir heute noch, gratulieren zum Geburtstag oder übermitteln Weihnachtsgrüße. Das hat mich mehr berührt als alles andere.

NTI: Christine Lieberknecht, die gemeinhin als „Rebellenführerin“ gilt, lobte Sie anläßlich Ihres 75. Geburtstages in den höchsten Tönen: „… mit Leidenschaft und Augenmaß, aus tiefer innerer demokratischer Überzeugung und mit dem Einsatz Ihrer ganzen Persönlichkeit“ hätten Sie sich „dem Aufbau Thüringens gewidmet“. Späte Reue? Oder doch eher politische Routine?

DUCHAC: Nach dem Rücktritt habe ich die Erfahrungen anderer in der alten Bundesrepublik gesucht und bekam immer wieder den Rat, keine Interviews und keinen Krawall. Ruhig bleiben und erst mal Gras drüber wachsen lassen. Als uns die Arbeit wieder zusammenführte, sie als Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und ich als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest, haben wir uns beide persönlich zurückgenommen. Ich habe mit ihr kein einziges Mal über die Vorgänge von damals gesprochen. Aber wir haben einiges für die Zusammenarbeit zwischen Thüringen und Ungarn auf den Weg gebracht.

NTI: Offensichtlich aber trifft es zu, daß Frau Lieberknecht die „Rebellenführerin“ war und maßgeblich Ihren Sturz betrieb?

DUCHAC: Da bin ich vorsichtig. Es waren drei Minister, die die Krise mit ihrem Rücktritt auslösten. Wer davon der Rädelsführer war, weiß ich nicht. Es war, ich gebe es zu, eine schwierige Situation. Und ursächlich trage ich Mitschuld. Ich wollte Frau Lieberknecht umsetzen, hatte darüber auch schon mit Ministerkollegen gesprochen, aber eben nicht mit ihr. Da kann ich schon verstehen, daß es dann heißt, das Vertrauensverhältnis sei gestört. Im nachhinein muß ich eingestehen: Ich wußte damals nicht, wie man in solchen Fällen politisch agiert. Doch den anderen in der Regierung und in der Fraktion erging es kaum besser. Auch sie waren Seiteneinsteiger. Und so, wie ich Fehler gemacht habe, ist das eben auch auf der Strecke der Minister passiert. Ein Freund in Hessen sagte mir später einmal: Wäre dir das bei uns passiert, wir hätten dich nicht fallen lassen.

NTI: Ihr Regierungssprecher Michael Meinung vertritt sogar die Auffassung, daß Sie nicht zurücktreten mußten. Sie selbst hätten die „Reißleine“ gezogen, um Schaden vom Land abzuwenden. Hat er recht?

DUCHAC: Als Pressemensch hat er wohl recht. Es gab über mich eine Reihe hanebüchene Artikel. Und manches hat mich schon sehr geärgert. Beispielsweise hat man mich nach einer außerordentlich erfolgreichen USA-Reise, bei der unter anderem General Motors für den Standort Eisenach gewonnen wurde, als „depperter Ossi“ dargestellt. Das empfand ich als ausgesprochen respektlos. Sicher, in gewisser Weise war ich schon ein „depperter Ossi“. Ich hatte, um die Kosten zu minimieren, weder Mitarbeiter noch Bodygards mitgenommen. Das war in diesen Kreisen unmöglich. Ich hatte in Erfurt lange Zeit auch nur einen Regierungssprecher und einen Redenschreiber. Mein Regierungssprecher argumentierte immer, daß in der Presseabteilung in Mainz zwanzig Leute beschäftigt seien und Bernhard Vogel dann vier Redenschreiber beschäftigt habe.

NTI: Die Urteile von Zeitgenossen über Sie und Ihre Amtszeit sind differenziert. Frank Michael Pietzsch, später Gesundheitsminister und Landtagspräsident, nennt Sie eine „ehrliche Haut“. Frieder Lippmann, damals stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, warf Ihnen Versagen vor und forderte unumwunden Ihren Rücktritt. Bernhard Vogel wiederum, Ihr Nachfolger, empfindet „Hochachtung“ vor dem, „was Sie unter extrem schwierigen Bedingungen zu bewältigen“ hatten. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle?

DUCHAC: Wenn Dich Deine politischen Gegner loben, heißt es, dann mußt Du überlegen, was Du falsch gemacht hast. Das gilt wohl auch umgekehrt. Bernhard Vogel wird das am besten gemerkt haben, weil er ausbaden mußte, was ich hinterlassen habe. Mein Verhältnis zu Vogel ist übrigens sehr kameradschaftlich. Ich habe dankbar empfunden, daß er mich nie in die Pfanne gehauen hat. Er hätte als mein Nachfolger notfalls immer sagen können: „Das war Duchac“. Doch das hat er nie getan. Eher das Gegenteil war der Fall.

NTI: Zum Beispiel.

DUC HAC: Ich habe mich damals unter anderem sehr intensiv um die Ansiedlung des Otto-Versandes in meinem Wahlkreis Gotha bemüht. Als das Logistik-Zentrum dann eingeweiht wurde, mußte Vogel die Festrede halten – ich war damals schon in Lissabon, aber zu dem Festakt eingeladen –, und da hat er klargestellt: „Ich bin hier und ernte, wo ich nicht gesät habe. Wer das alles initiiert hat, der sitzt da unten in der ersten Reihe: Guten Tag, Herr Duchac“. Das habe ich ihm nicht vergessen. Aber auch ich bin ihm offen entgegengekommen. So ist ein ganz ungewöhnliches Verhältnis entstanden, wie man es unter Politikern höchst selten antrifft.

NTI: Jörg Schwäblein, damals CDU-Fraktionsvorsitzender, hat Sie als „Arbeitstier“ bezeichnet, das sich schlecht verkaufte und seine Richtlinienkompetenz innerhalb seiner Partei nicht genutzt hätte. Trifft das zu?

DUCHAC: Richtlinienkompetenz innerhalb einer Partei ist mir fremd. Wenn, dann hatte sie nur der Landesvorsitzende. Ich hätte Willibald Böck entlassen müssen. Punkt. Davor bin ich zurückgeschreckt. Insofern hat Herr Schwäblein wohl recht.

NTI: Würden Sie Bernhard Vogel zustimmen, der als entscheidenden Grund für Ihren Rücktritt angab, daß Sie „nicht die notwendigen Voraussetzungen“ für dieses Amt mitbrachten?

DUCHAC: Ursprünglich wollte ich gar nicht Ministerpräsident werden. Ich wäre viel lieber Wirtschaftsminister geworden. Man merkt ja auch an meiner Regierungszeit, daß ich sehr viel für die Wirtschaft unternommen habe. Da war ich gar nicht so schlecht. Aber auf anderen Strecken hätte ich wahrscheinlich mehr Kenntnisse haben müssen.

NTI: Ende Januar sind Sie als Ministerpräsident zurückgetreten. Sie gehörten aber zu den vier Thüringer Politikern, die in Bonn mit Bundeskanzler Kohl über Ihren Nachfolger beraten haben. Laut Bernhard Vogel habe man sich zunächst nicht einigen können. Welche Vorstellungen hatten Sie?

DUCHAC: Da gab es die unterschiedlichsten Favoriten. Aber Böck, Lieberknecht und ich waren uns von vornherein einig, Vogel wäre der richtige Mann. Willi Böck hatte ihn schon mal angesprochen und war auf Ablehnung gestoßen. Dennoch haben wir dem Bundeskanzler unsere Vorstellungen unterbreitet. Mit dabei war außerdem unser Fraktionsvorsitzender, Jörg Schwäblein. Er hatte seine Favoriten eigenmächtig zu diesem Gespräch bestellt. Das ging erwartungsgemäß schief. Sie warteten in Kohls Vorzimmer und wurden nach Hause geschickt. Noch in unserem Beisein rief Helmut Kohl in München an, wo er Bernhard Vogel beim Mittagessen antraf. Ich habe Vogels Worte noch im Ohr: „Ich bin ein Parteisoldat. Wenn ich es machen muß, dann mache ich es eben.“

NTI: Wenn Sie auf Ihre Zeit als Ministerpräsident zurückschauen: Was erfüllt Sie trotz mancher Enttäuschungen mit Genugtuung?

DUCHAC: Die wirtschaftlichen Weichenstellungen sind bekannt: Opel in Eisenach, Carl Zeiss in Jena, Otto-Versand in Ohrdruf. Ich habe Lothar Späth nach Jena geholt. Vorübergehend hatte ich sogar überlegt, ob ich das Amt des Ministerpräsidenten aufgeben und den Vorstandsvorsitz in Jena übernehmen sollte. Aber Lothar Späth machte seine Sache dann so gut, daß ich davon gleich wieder Abstand nahm. Richtig aber ist, daß die Umgestaltung der Wirtschaft während meiner Amtszeit Priorität genoß. Andere Problemfelder wurden darüber aber nicht außer acht gelassen. Allen voran der Ausbau der Infrastruktur und hier vor allem der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr und die ersten Vorbereitungen für den Autobahnbau. Wichtig auch die Neuordnung der kommunalen Strukturen, die später in die Gebietsreform mündete. In dieser Zeit wurden Fundamente gelegt, die sich bis heute als tragfähig erweisen.

NTI: Und welche Niederlagen schmerzen noch heute?

DUCHAC: Daß mir meine Fraktion nicht vertraut hat. Dabei räume ich durchaus eigene Fehler ein. Ich hätte die Fraktion besser pflegen, besser mit ihr arbeiten müssen. Noch auf dem Parteitag in Gera war die Zustimmung enorm. 176 von 184 Delegierten schenkten mir damals ihr Vertrauen. Damit lag ich weit vor Lieberknecht und Böck. Auch einen Mißtrauensantrag im Landtag, von der Opposition eingebracht, hat die Fraktion geschlossen zurückgewiesen. Das stärkte mir zwar den Rücken, hat mich andererseits aber wohl auch etwas zu sicher gemacht. Heute weiß ich: Mit den eigenen Leuten habe ich die meisten Fehler gemacht.

NTI: Sie sind als Folge eines Schlaganfalls nahezu erblindet. Was ist unter diesen Umständen noch möglich? Wie meistern Sie Ihr Leben?

DUCHAC: Die Situation ist eigentlich nur zu ertragen, weil ich mich von der Familie getragen fühle. Ich bin in alles eingebunden, was im Haus passiert. Wir fahren gelegentlich zu Konzerten nach Berlin. Ich besitze ein Lesegerät, und ich höre Hörbücher. Zu den Freunden in Thüringen besteht zum Teil noch sehr enger Kontakt. Und ein bißchen lebe ich auch in der Vergangenheit. Es ist schwer, wenn man bei den meisten Dingen des Lebens auf Hilfe angewiesen ist, wenn man weder schreiben noch fernsehen oder am Computer arbeiten kann. Ich habe diese Situation noch lange nicht angenommen. Ich hoffe immer noch auf eine medizinische Lösung.

Mit Thüringens erstem Nachwende-Ministerpräsident Josef Duchac (CDU) sprach KLAUS RANGLACK.

 

 

 

Zur Person

Josef Duchac, Jahrgang 1938, wurde im böhmischen Bad Schlag geboren, das heute den Namen Jablonecke Paseky trägt und ein Ortsteil von Jablonec nad Nisou (früher Gablonz an der Neiße) ist. Nach der Vertreibung Ende des Zweiten Weltkrieges fand die Familie in Gotha eine neue Heimat. Hier legte Josef Duchac 1957 das Abitur ab und nahm anschließend am Pädagogischen Institut Mühlhausen (heute Teil der Universität Erfurt) ein Lehrerstudium auf (Chemie und Mathematik), das er ein Jahr später jedoch abbrach.

Danach arbeitete Josef Duchac zunächst im Postzeitungsvertrieb. 1959 wechselte er in die Gummiwerke Waltershausen (VEB Kowalit, heute Betriebsteil der ContiTech AG Hannover), wo er als Arbeiter begann und in den folgenden Jahren bis zum Produktionsleiter aufstieg: 1964 schloß er ein Direktstudium an der Ingenieurschule für Gummi- und Plasttechnologie in Fürstenwalde als Chemie-Ingenieur ab; 1973 beendete er ein kombiniertes Fernstudium an der TU Dresden und an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg als Diplom-Ingenieurökonom.

Schon 1957 war der Katholik Josef Duchac in die CDU eingetreten. 1986 wurde er stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender und übernahm als Mitglied des Rates des Kreises Gotha den Bereich Wohnungswirtschaft, dem er bis 1989 vorstand. Im Januar 1990 kehrte er in die Gummiwerke Thüringen zurück und war hier das nächste halbe Jahr als Betriebsteilleiter tätig.

Gleichzeitig engagierte sich Josef Duchac zunehmend auch in der Politik. Im Oktober 1989 wurde er zum Kreisvorsitzenden der CDU gewählt und zwei Monate später in den CDU-Vorstand der DDR berufen. Am 11. Juni 1990 übernahm er als Bevollmächtigter der Regierung de Maiziere die Bezirksverwaltung Erfurt; Anfang August 1990 ernannte ihn der letzte DDR-Ministerpräsident zum Sprecher für das neu zu bildende Land Thüringen und kurz darauf zum Bevollmächtigten des Landes Thüringen, das sich am 3. Oktober 1990 neu konstituierte.

Zur Landtagswahl am 14. Oktober 1990 trat Josef Duchac als Spitzenkandidat an und verfehlte mit seiner Partei nur knapp die absolute Mehrheit (45,5Prozent). Am 8. November wurde er zum Ministerpräsidenten einer CDU-FDP-Koalition gewählt. Nachdem er sich des Vertrauens seiner Fraktion nicht mehr sicher war, trat er am 23. Januar 1992 von seinem Amt zurück. In den folgenden Jahren war er als Leiter der Auslands-Niederlassungen der Konrad-Adenauer-Stiftung in Lissabon, Petersburg und Budapest tätig. 2003 zog er sich in den Ruhestand zurück.

Josef Duchac ist verheiratet, hat eine Tochter und drei Enkel. Er ist nahezu erblindet und lebt mit seiner Frau in Birkenwerder bei Berlin.

 

 

 

Meinungen über Josef Duchac

„Ich empfinde Hochachtung vor dem, was er anfangs als Landesbeauftragter und dann als Ministerpräsident unter extrem schwierigen Bedingungen zu bewältigen hatte ... Ich habe Verständnis, daß er nicht alle Probleme sofort lösen konnte.“

BERNHARD VOGEL (CDU), Thüringer Ministerpräsident von 1992 bis 2003

„Josef Duchac hat als erster Ministerpräsident des neugebildeten Landes Thüringen einen großen Beitrag für den Aufbau des Landes geleistet.“

DIETER ALTHAUS (CDU), Thüringer Ministerpräsident von 2003 bis 2009

„Mit Leidenschaft und Augenmaß, aus tiefer demokratischer Überzeugung und mit dem Einsatz Ihrer ganzen Persönlichkeit haben Sie sich dem Aufbau Thüringens gewidmet.“

CHRISTINE LIEBERKNECHT (CDU), Thüringer Ministerpräsidentin von 2009 bis 2014

 

 

„Gedanklich immer, körperlich nicht mehr“: Ruheständler Josef Duchac mit Tochter Claudia ist seinem einstigen Wirkungsfeld Thüringen aus der Ferne verbunden.                                                   Foto: MARKUS DUDA

Thüringer Nachwende-Ministerpräsident Josef Duchac (CDU): „Ich habe eine für mich ganz tolle, beeindruckende Arbeit gemacht.“

Foto: CLAUS BACH

Thüringer Regierungschef Duchac während eines Unternehmensbesuchs in Pößneck: „Ich wäre viel lieber Wirtschaftsminister geworden.“

Foto: CLAUS BACH

Josef Duchac an der Seite von Bundeskanzler Helmut Kohl während einer Pressekonferenz in Erfurt: „Gewaltige Aufgabe.“ 

Foto: DIETER SCHMIDT

Duchac-Widersacher Willibald Böck (CDU): „Ich war mit seiner Arbeit als Innenminister nicht zufrieden.“                                                

Foto: JANE DULFAQAR

Gespräch unter Abgeordneten: Josef Duchac und Wilfried Neumann im Thüringer Landtag.

Foto: DIETER SCHMIDT

Duchac-Nachfolger Bernhard Vogel (CDU) bei der Beglückwünschung zum neuen Ministerpräsidenten im Dezember 1994 im Thüringer Landtag: „Er konnte es besser.“                                 

Foto: DIETER SCHMIDT

Laien-Schauspieler Josef Duchac 1989 bei der Aufführung des Stücks „Havarie“ von Katrin Lange durch das Arbeitertheater Gotha: „Das Theaterspiel hat nichts mit dem Clown Ferdinand zu tun.“     

Foto: WST-ARCHIV

Josef Duchac in der Rolle des Clown Ferdinand: „Das hat Spaß gemacht.“          

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NTI Ausgabe 03-2015

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