Zusammenspiel von Natur, Landschaft und Kultur

Die Ferienregion Ostsee mit ihrem in Mecklenburg-Vorpommern gelegenen größten Abschnitt ist das beliebteste innerdeutsche Reiseziel. Das bestätigte auch das vergangene Jahr, dessen touristische Bilanz für Mecklenburg-Vorpommern ein neues Rekordergebnis brachte: Die bisherige Höchstmarke von 28,4 Millionen Übernachtungen aus dem Jahr 2009 wurde deutlich übertroffen. Auch im internationalen Tourismus erreicht Mecklenburg-Vorpommern eine neue Bestmarke und nähert sich einer Million Übernachtungen.

 

„Eine Zahl, die 2015 endgültig erreicht werden sollte“, hofft Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt stieg der Anteil internationaler Touristen um fünf Prozent. Rund 162.000 Nächte verbrachten Gäste aus den Niederlanden (2,9 Prozent mehr als 2013) hierzulande, sie stellen damit die größte Ausländergruppe. Etwa 149.000 Übernachtungen wurden bei Gästen aus der Schweiz registriert und rund 128.000 von Dänen.

„Es freut mich sehr, daß sich die Ostsee und mit ihr Mecklenburg-Vorpommern als beliebteste nationale und wachsende internationale Destination durchgesetzt hat“, sagt Sylvia Bretschneider. Am liebsten ans Meer, ans mecklenburg-vorpommersche Meer: Zu diesem Ergebnis kam der Internet-Reiseanbieter Travelzoo, der mit einer Umfrage im September 2014 unter 1050 Reiseinteressierten die Top-Reiseziele 2014 kürte. Mit 41 Prozent war die Ostsee innerhalb Deutschlands auf Platz eins gewählt worden, gefolgt von Bayern (32 Prozent) und Hamburg (20 Prozent). Auch laut aktueller Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) erhöhte sich der Anteil an den Urlaubsreisen der Deutschen ab fünf Tagen Dauer in Mecklenburg-Vorpommern auf 5,9 Prozent und liegt nun nur noch 0,1 Prozent hinter Spitzenreiter Bayern. Und das Online-Reiseportal Trivago ermittelte ganz konkret die Ostseebäder Binz auf Rügen und Heringsdorf auf Usedom als die europaweit beliebtesten Sommerreiseziele der Deutschen im Jahr 2014.

Bis auf Vorpommern liegen die Reiseregionen im Land alle im Zuwachsbereich. Die Region Westmecklenburg (plus fünf Prozent) hat bei den Übernachtungen den höchsten Zuwachs zu verzeichnen; konkret die Mecklenburgische Ostseeküste und die Insel Rügen registrierten je drei Prozent mehr Übernachtungen.

„Die Tourismusbranche im Land wird alles daran setzen, die Qualität der Angebote im Nordosten Deutschlands auf einem hohen Niveau zu halten, um dieses positive Image zu verteidigen“, meint Sylvia Bretschneider, die zugleich Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern ist. Dabei kann die Branche wohl auch weiterhin auf viel Sonne hoffen, denn wettertechnisch zeigt der Trend der letzten Jahre eindeutig eine wachsende Zahl von Sonnenstunden an der deutschen Ost-Ostsee. Nirgendwo in Deutschland hat es in den Sommermonaten zwischen Juni und August 2014 so viel Sonnenschein gegeben wie an der Ostseeküste. Laut Deutschem Wetterdienst strahlte die Sonne im Nordosten durchschnittlich 720 Stunden, womit Mecklenburg-Vorpommern 2014 erneut das sonnenreichste Bundesland war. Denn im Bundesdurchschnitt ließ sich die Sonne in diesem Zeitraum nur 628 Stunden blicken. Besonders verwöhnt wurde die Insel Rügen mit mehr als 900 Sonnenstunden.

Die Anstrengungen sind vielfältig, die Bilanzen dieses für Mecklenburg-Vorpommern bedeutenden Wirtschaftszweiges weiter „sonnig“ zu halten. Dazu gehören immer wieder neue Investitionen oder Angebote, die nicht ausschließlich primär maritim oder sommersaisonal noch mehr Gäste für einen Urlaub im nordöstlichsten Bundesland interessieren können. Und die von preiswert bis luxuriös, von mondän über hoch- oder regional-kulturell bis naturnah oder Natur pur reichen. Diese Anstrengungen sind zu einem großen Teil schon sehr erfolgreich – und die Ostsee-Sonderausgaben der Neuen Thüringer Illustrierten belegen dies über die Jahre hinweg. Doch all dies hängt sehr maßgeblich auch von politischen Entscheidungen ab. Ganz am Anfang stehen da im deutschen Ostsee-Land Nummer eins die Schulferien. Mit acht Prozent aller Familienurlaubsreisen, insgesamt 1,1 Millionen, mit Kindern unter 14 Jahren rangiert der Nordosten nämlich deutlich vor Schleswig-Holstein und Niedersachsen als Familienurlaubsziel.

„Der von den Kultusministern der Bundesländer vereinbarte mögliche Zeitkorridor für die bundesweite Regelung der Sommerferien beträgt 90 bis 92 Tage, wird aber seit 2001 nur unzureichend ausgeschöpft. Eine Entwicklung mit gravierenden Folgen für den Inland-Tourismus“, betont Michelle Schwefel vom Deutschen Tourismusverband DTV. Tatsächlich seien seit 2001 nur durchschnittlich 81,1 Tage realisiert worden. Mit nur 71 Tagen Sommerferienkorridor wurde 2014 der Negativrekord aufgestellt. Das schädige Sommer-Urlaubsländer wie Mecklenburg-Vorpommern besonders – und sei auch gegenüber den Urlauber-Familien mit Schulkindern einfach infam.

Ungeachtet der Ferien- oder Sonnentagezahl hat die Küstenregion immer ihre touristischen Höhepunkte und Vorteile. Gesundheit liegt hier quasi schon in der Luft, die so sauber ist wie nirgendwo sonst in Deutschland. Gesundheitstouristen und Urlauber können Ferien in Mecklenburg-Vorpommern zur Prävention nutzen. Das milde Reizklima und natürliche Ressourcen leisten dazu einen Beitrag, ebenso wie die in den letzten Jahren getätigten enormen Investitionen im Gesundheitssektor. Durch sie gehört das Land inzwischen zu den gesundheitstouristisch leistungsfähigsten und modernsten Regionen in Europa. Über 40 gesundheitstouristische Angebote reichen von Streß-Abbau über Heilfasten oder Kneipp-Therapien bis hin zu Ernährungsplänen und Präventionskursen. Doch auch völlig ohne „Programme“ oder Angebote geht Gesundheitsurlaub: Allein schon der vorherrschende Seewind sorgt dafür, daß kaum Schadstoffe und Allergene vorkommen. Die befeuchtete Luft wird mit Jod und Spurenelementen angereichert. Bei einem einfachen Strandspaziergang nimmt man mit jedem Atemzug wertvolle Mineralien auf. Sanft werden mit den salzigen Aerosolen Haut und Atemwege angeregt und vitalisiert. Und die überdurchschnittlich lange Sonneneinstrahlung fördert die Durchblutung der Haut und die Bildung des Gute-Laune-Hormons Serotonin.

„Die meisten Unterkunftsarten haben Zuwächse zu verzeichnen, insbesondere bei den Hotels garni schlagen 7,5 Prozent und bei den Campingplätzen 5,9 Prozent mehr zu Buche. Im Bereich Camping waren schon bis Oktober mehr Übernachtungen zu verzeichnen als bislang in Gesamtjahren. Rund 4,2 Millionen Camping-Übernachtungen sind knapp sechs Prozent mehr als bisher“, resümiert Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes. Einzig Ferienhäuser und -wohnungen sowie Jugendherbergen mußten Übernachtungsrückgänge verkraften. Bei letzteren wirkte sich wohl insbesondere die Ferienterminproblematik aus.

Viele Jugendherbergen bieten Komplettangebote an, bei denen neben Übernachtung und Verpflegung verschiedene Freizeitbausteine bereits im Preis enthalten sind. Die Jugendherberge Waren (Müritz) zum Beispiel hält Ostern das Programm „Osterspektakel“ bereit, bei dem ein gemütlicher Bummel über den Warener Ostermarkt und ein Besuch des Naturerlebniszentrums „Müritzeum“ dazugehören. Auch eine Radtour zum Wisentgehege Damerow sowie eine Schiffstour auf der Müritz stehen auf dem Plan. Osterfeuer und Stockbrotbakken runden das Programm ab. Auch die Jugendherberge Beckerwitz mit „Design-Baumhausdorf“ und Zeltplatz ist ein attraktives Familienziel: Das Baumhausdorf „Grüne Wiek“ mit sechs Baumhäusern und einem großen Zeltplatz, der Ostseeküstenradweg führt direkt an der Jugendherberge vorbei, der Naturstrand ist nur 800 Meter entfernt, das Meer ist schon vom Gelände zu sehen …

Nach wie vor von besonderer Bedeutung für einen großen Teil der Urlauber in allen Jahreszeiten ist das Zusammenspiel von Natur, Landschaft und Kultur. Zu einem neuen Anziehungspunkt entwickelt sich neben vielen Festivals, Ausstellungs- und Kunstreihen die Romantik-Festwoche in der Hansestadt Greifswald – 2014 der Höhepunkt des „Jahres der Romantik“. Die anläßlich des 240. Geburtstages von Caspar David Friedrich am 5. September schon 2013 initiierte Woche soll zur dauerhaften Veranstaltung werden. Unter dem Motto „Natürlich romantisch“ wollen die Partner von Landestourismusverband und Landesmarketing, zahlreiche Museen und Kunstsammlungen sowie das Nationalparkzentrum Königsstuhl jährlich Veranstaltungen für jung und alt bieten.

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern hatten 2014 sogar einen Rekordbesuch: Zwischen dem 20. Juni und 21. September kamen rund 73.000 Gäste zu den fast allen 127 ausverkauften Veranstaltungen. 4400 Freunde der Kammermusik besuchten den Festspielfrühling und etwa 2500 die Adventskonzerte. Mit solch einer Erfolgssaison gehen die Veranstalter mit großen Erwartungen ins Jubiläumsjahr: 2015 werden die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 25 Jahre alt.

Eine fulminante Jubiläumssaison soll mit großen Namen wie Anne-Sophie Mutter, Julia Fischer, András Schiff, Kent Nagano, Michael Sanderling, Ulrich Tukur, Götz Alsmann und Klaus Maria Brandauer hervorragende Kulturereignisse bringen. In Scheunen, Kirchen, Schloßparks, Industriehallen und anderen Spielstätten werden über 125 Veranstaltungen das Festival sein, kündigt Festspiel-Intendant Dr. Markus Fein an. „Mit unserer Jubiläumssaison wollen wir zeigen, wie neugierig die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern bis heute geblieben sind. Das Programm ist voller spannender Premieren und Reihen, die unseren Besuchern neue Zugänge zur Musik ermöglichen. Erstmalig gestaltet ein Ensemble als Preisträger in Residence die Saison: Wir freuen uns sehr auf das französische Streichquartett Quatuor Ebène, das Brahms ebenso leidenschaftlich spielt wie Weltmusik und Jazz.“

Neu im Programm sind die „Bothmer-Musik“, ein dreitägiges „Kammermusikfest der Jungen Elite“ auf Schloß Bothmer, die Reihe „Meisterpianisten“ sowie die Reihe „Unerhörte Orte“, die in ungewöhnliche Spielstätten wie eine Zeitungs-Druckerei und eine Schiffsschrauben-Fabrik führt. Beim Bratschenfestival „360 Viola“ im Schloß Ulrichshusen stellt Festspielpreisträger Nils Mönkemeyer sein Instrument in den unterschiedlichsten Formaten vom inszenierten Nachtkonzert bis zur offenen Meisterklasse vor.

Die „Pavillons der Jahrhunderte“ setzen die Musik in den Zusammenhang mit Literatur, Wissenschaft und Bildender Kunst: Der „Pavillon 1808“ beleuchtet dieses fruchtbare Jahr anhand des Schaffens von Beethoven, Caspar David Friedrich, Goethe und Humboldt. Zu den Höhepunkten des Programms gehören die Konzerte auf dem Landgestüt Redefin mit Anne-Sophie Mutter, Daniel Hope und Joshua Bell, das Open air „Sommernachtstraum“ im Park von Schloß Bothmer mit Klaus Maria Brandauer und das größte Open air der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das „Kleine Fest im großen Park“ in Ludwigslust.

Nicht Bestandteile der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind viele kleine Theater- und Musik-Festivals entlang der Küste mit vielen Tausenden Gästen. Zu ihnen gehört auch das nun schon 16. Ahrenshooper Jazzfest. Am vierten Wochenende im Juni liegt das Ostseebad im Jazzfieber. Die Kurverwaltung Ahrenshoop und über 20 Hotels, Restaurants und Cafés erwarten die Freunde von Jazz, Swing, Dixieland und Fusion Jazz. Ein besonderer Höhepunkt wird am 27. Juni der Auftritt von Manfred Krug und Uschi Brüning sein. Manfred Krug hat sich in den letzten Jahren rar gemacht, deshalb ist es den Ahrenshoopern eine besondere Ehre, daß er mit Uschi Brüning und Band an der Hauptbühne am Hafen Althagen die Ahrenshooper Reihe Stargastkonzerte – mit Günther Fischer 2011, Klaus Doldinger 2012, Bill Ramsey 2013 und Till Brönner 2014 – fortsetzt. Krug und Brüning präsentieren ihr neues Album „Auserwählt“, außerdem liest Krug amüsante Zeilen aus seinem Buch „Schweinegezadder“.

Mehr als 2000 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser in den verschiedensten Baustilen hinterließen Fürsten und Herzöge, Landjunker und reiche Hansestädter zwischen Ostsee und Seenplatte – so viele wie nirgends sonst in Europa. Und immer mehr davon öffnen ihre Türen für Gäste. Im frühen Mittelalter zählte für die Herrschenden vor allem eins: mögliche Angreifer abzuwehren. Die dicken Mauern, hohen Bergfriede und finsteren Verliese der Festung Dömitz sowie der Burgen von Neustadt-Glewe, Stargard und Penzlin zeugen eindrucksvoll davon. Heute werden immer öfter Besucher herzlich empfangen. Mehr zu repräsentativen denn zu Verteidigungszwecken bauten Mecklenburgs und Vorpommerns Herrscher seit der Reformation: das prachtvolle Renaissance-Schloß Güstrow, die monumentale Barockanlage der Residenzstadt Ludwigslust, das Schweriner Schloß als Paradebeispiel für den Romantischen Historismus, das klassizistische Schloß von Hohenzieritz.

Die zahlreichen Nachkommen der Herrschergeschlechter, für die sich das Erbrecht des Erstgeborenen erst 1701 etablierte, bauten sich neben ganzen Stadtensembles wie Putbus und Neustrelitz noble Sommerresidenzen wie in Heiligendamm und verspielte Jagdschlösser wie in Granitz und Gelbensande. Kleinere Familien „von blauem Blute“ taten es ihnen nach, später Gutsbesitzer und reiche Kaufleute aus den Hansestädten. Viele dieser herrschaftlichen Bleiben sind heute – nicht selten von Nachfahren der adeligen Erbauer – zu neuem Leben erweckt.

Mit Schloßfestspielen, der „MittsommerRemise“ und einem Schlösserherbst locken diese Anwesen heute Besucher in ihre Mauern und Parks. Auch unter dem Motto „Zu Tisch bei Freunden – Tafeln in Gutsküchen, Parks und Scheunen“ ist man gern gesehen.

In einer lauen Sommernacht von Gut zu Gut chauffiert werden? Die MittsommerRemise, „Die Nacht der nordischen Guts- und Herrenhäuser“ findet zur Sommersonnenwende immer mehr Anklang. In vier Regionen Mecklenburg-Vorpommerns laden rund 40 herrschaftliche Bauten des Mecklenburger Parklands, der Mecklenburgischen Schweiz, der Recknitz Aue und weiterer Standorte ein zu einem reichhaltigen Programm aus Kultur und Geschichte. Als Nordstern bietet zum Beispiel die Region Recknitz Aue neues Sehenswertes aus alten Tagen. Gelegen zwischen Rostock und Stralsund, direkt südlich des Darßer Boddens entzückt diese Region neben pittoresken Szenerien am Recknitzlauf auch mit den geschichtlichen Spuren von „Heinrich dem Löwen“. Dieser neu erschlossene Landstrich lockt nicht nur, aber auf jeden Fall am 20. Juni auf Schloß K in Klein Kussewitz, ins Gutshaus Pütnitz oder ins Gutshaus Vilz.

„Zu Tisch bei Freunden“, unter diesem Motto lädt Nora Fischer, Gutsherrin in Ehmkendorf, ein. „Giersch ist nicht mein Feind, Giersch ist mein Freund!“ räumt sie gründlich mit der Mär vom vermeintlich störenden „Unkraut“ auf. Mitten im satten Grün ihres üppig wuchernden Gartens drückt sie ihren Gästen große Körbe in die Hand, auf daß sie würzige Blätter und Blüten einsammeln mögen. Denn die sollen nachher gemeinsam zubereitet und auf dem alten Herd gekocht werden. Südöstlich von Rostock findet sich ihr barocker dreiflügeliger Landsitz mit einem giebelgekrönten Mitteltrakt und zwei eingeschossigen Kavaliershäusern rechts und links über das klassizistische Herrenhaus bis hin zum neogotischen Putzbau, neben dem noch Reste einer alten Slawenburg erhalten sind.

Die Ostsee-Küste in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Verlockungen zwischen Darß-Urwald, lieblichen Boddenlandschaften, Bäder-, sakraler und Herrscher-Architektur, Kreuzfahrtschiffen, Grand-Hotels und Zeltplanen: Sie ist, bleibt und wird immer mehr Urlaubsland für jeden mit Weite, Wind und Wellen.

FRANK FRIEDRICH

Vulkan in Bliesenrade? Das auf den Wiesen am Bodstedter Bodden aufgestellte Reet erhält seine „Explosionskrone“ vom Dampf des 40 Kilometer entfernten Kraftwerks in Rostock.                 Fotos (7): FRANK FRIEDRICH

Meer und Natur: Für die meisten Touristen die Haupt-Auswahlmerkmale für den Urlaubsort Ost-Ostsee.

Sonne, Wind und Wellen: Die Ostsee ist das beliebteste Reiseziel der Deutschen.

Schlösser und mehr: Schloß Bothmer, ein herausragendes Barockschloß in Norddeutschland, als attraktiver und vielgenutzter Ort für Musikveranstaltungen und Feste.                                 Foto: TVMV-ARCHIV

Wenn Rasmus neben der Silvia …: Begehrte Liegeplätze für Segelboote aus ganz Deutschland sind die Boddenhäfen an der Ostsee-Küste.

Meistgebuchtes Urlaubs-Ziel für Familien: Die Ostsee-Küste in Mecklenburg-Vorpommern bietet alles für Erwachsene und Kinder.

 

 

Und was ist mit Thüringen?

Fast an jedem Strand sieht man mindestens eine Sachsen-Flagge im Winde wehen. Obwohl kaum weniger Thüringer an der Ostsee Ferien machen, sind die Thüringer Farben kaum zu sehen. Landsmannschaftlicher Stolz wäre aber ebenso berechtigt wie bei den Sachsen – oder?!

Foto: FRANK FRIEDRICH

 

 

Natürliche Salzwasser-Kur für die Ostsee

Von 13. bis 26. Dezember 2014 kam es in der Ostsee zu einem für ihr Ökosystem wichtigen, aber sehr seltenen Phänomen: Sauerstoffhaltiges Salzwasser strömte über mehrere Tage aus der Nordsee in die Ostsee ein.

Es war laut Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) der größte Salzwasser-Einbruch der letzten 60 Jahre. „In der Liste aller seit Beginn der ozeanographischen Beobachtungen im Jahr 1880 erfaßten Salzwassereinbrüche nimmt er mit einem Volumen von rund 198 Kubikkilometern Rang drei ein. Insgesamt gelangten auf diesem Wege etwa vier Gigatonnen Salz in die Ostsee“, sagt Dr. Barbara Hentzsch vom IOW. Wie sich diese Wassermassen in der Ostsee weiterverbreiten und welchen Effekt sie haben werden, wird das IOW in den kommenden Monaten regelmäßig untersuchen. „Da das einströmende Wasser eine sehr gute Sauerstoffsättigung zeigte, gehen wir von einem positiven Effekt auf die Sauerstoffmangel-Gebiete im Bornholm- und Gotlandbecken aus.“

Vorausgegangen war eine Phase langanhaltender Ostwinde, die einen starken Ausstrom verursachten, so daß der Meeresspiegel deutlich fiel und der Ausstrom schwach wurde. Als am 5. Dezember 2014 der Wind nach Südwest, später nach West drehte, konnte das Nordseewasser einströmen. Da die Windsituation über drei Wochen hinweg unverändert blieb, konnten große Mengen an Salzwasser zuerst über den Öresund, mit leichtem zeitlichen Versatz auch durch die Belte in die Ostsee gelangen, erklärt die Fachfrau, wie es zu dieser natürlichen Salzwasser-Kur für die Ostsee kam.

Daß die Warnemünder Ozeanographen rechtzeitig vor Ort waren, um das Ausmaß des Einstroms zu vermessen, verdanken sie einem „Frühwarnsystem“, den autonomen Stationen des Marinen Umweltmeßnetzes Marnet des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH). Drei der fünf in der Ostsee postierten Geräteträger werden vom IOW betreut, darunter auch die Station „Darßer Schwelle“. Sie sitzt auf einer untermeerischen Erhebung gleichen Namens, die die Beltsee von den Ostseebecken abtrennt. Eine weitere Station ist im östlich davon gelegenen Arkona-Becken verankert. Beide Stationen sind mit Temperatur- und Salzgehaltssensoren in unterschiedlichen Wassertiefen ausgestattet. Sie messen rund um die Uhr und schicken ihre Daten per Satellit an IOW und BSH. Auf diese Art und Weise kann der Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee sehr effektiv überwacht werden.

Erste Signale für einen Einstrom kamen am 12. Dezember von der Station „Arkona-Becken“. Umgehend wurde eine planmäßig für den 15. Dezember anberaumte Fahrt mit dem Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ genutzt, um zusätzliche Informationen über die räumliche Ausdehnung der einströmenden Wassermassen zu erhalten.

F. FRIEDRICH

 

 

Standpunkt

Bermuda-Dreieck …?

Ferienzeit ist Erholungszeit. Für die Urlauberfamilien. – Ferienzeit ist Kassenzeit. Für die Tourismuswirtschaft. Die extrem hohe Nachfrage in Beherbergung und Gastronomie in einem immer kürzeren bundesweiten Ferienzeitraum führt zu spürbaren Preissteigerungen und höheren Urlaubskosten. Außerdem belasten Verkehrsbeeinträchtigungen durch Staus auf den überlasteten Hauptreiserouten und überfüllte Urlaubsregionen den Erholungswert – und die Umwelt! Die geringe Auslastung zu Saisonbeginn und zum Saisonende ist eine zusätzliche wirtschaftliche Last für die Beherbergungs- wie auch die Freizeitbetriebe und -einrichtungen. Daß an der Ostsee im vergangenen Jahr die Übernachtungszahlen trotz der Mini-Ferienzeit so hoch waren, ist vor allem dem in der Vor- wie auch in der Nachsaison sehr gutem, warmem Wetter zu verdanken. Doch dies wird – bei aller herbeigerufener Klimaerwärmung – nicht immer so mitspielen. Es ist also höchste Zeit, daß die Kultusministerkonferenz den Blick weitet über ihre Kernaufgabe Bildung hinaus. Mit gutem Beispiel den Schülern vorangehen in der komplexen Betrachtung eigener Entscheidungen!

Derselben Aufgabe, nämlich einer komplexen Betrachtung, müssen sich auch die Gemeinde- und Kurverwaltungen immer wieder stellen. Nach 25 Jahren guter, zum Teil auch sehr extensiver Entwicklung der Fremdenverkehrsbranche scheint eine Phase erreicht, in der die Anbieter an der Ostsee ihre Planungen auf den Prüfstand stellen müssen. Im Zentrum steht die Frage, warum die Urlauber so gern die Küstenregion als Urlaubsziel wählen, was erwarten sie hier? Und da steht trotz aller dem allgemeinen Trend der Event-Hascherei folgenden Haltung „unterhaltet mich mal“ nach wie vor der Wunsch nach naturnaher Erholung und Aktivität an erster Stelle. Besonders natürlich im Sommerhalbjahr. Genau dort aber beginnt an immer mehr Orten der Konflikt zwischen Erweiterung der Beherbergungsmöglichkeiten und dem Schutz des Tourismus-Lockmerkmals Natur. Katrin Bärwald vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft meint, die Frage „Wieviel Tourismus verträgt die Region?“ stehe nicht nur im Nationalpark, sondern an vielen Orten im Land.

Dabei weiß sie in ihrer Arbeit auf dem Darß das gut gewachsene Miteinander von Naturschutz, vor allem landwirtschaftlicher Nutzung und Entwicklung der Ferienorte zu schätzen. Auf der Halbinsel waren sich bisher alle einig, daß Naturtourismus das Premium-Merkmal hier sein soll. Doch leider entscheiden nicht die Handelnden vor Ort über die touristische Zukunft, sondern auch ganz pekuniäre Landesinteressen, die eine Förderung von fossilen Stoffen noch dazu mit unsicherer Technologie mitten in einer beliebten Urlaubsregion und direkt an der Grenze des Nationalparks – immerhin auch eine Landeseinrichtung! – genehmigen lassen … – Diese Fragen stehen im Mittelpunkt, wenn es um die Sicherung der Qualität und Breite des touristischen Angebotes im Urlaubs Mecklenburg-Vorpommern geht – und die Tourismusverbandschefin sollte da als Landtagspräsidentin durchaus nahe genug an der Landespolitik sein, die eine über Tourismus-Fördergelder hinausgehende Verantwortung für die Branche und die Gäste im Land trägt. Und Wege um das Bermuda-Dreieck Urlaub, Natur und Umsatz finden muß!

FRANK FRIEDRICH

NTI-Sonderausgabe OSTSEE 2015

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