Ungeheurer Schub

Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, hält sich bei der Veranstaltung von Landesgartenausstellungen zurück. In 25 Jahren findet nach Pößneck 2000 und Nordhausen 2004 in diesem Jahr in Schmalkalden erst die 3. Thüringer Landesgartenschau statt.

Bei allen mit einem solchen Ereignis zu erwartenden Effekten ist die Ausrichtung einer derartigen Veranstaltung natürlich gerade für kleinere Städte ein Wagnis, eine gewaltige Herausforderung, die außerdem, wie im Fall Schmalkalden erlebt, unvorhersehbare Probleme bereiten kann.

Im Frühjahr 2008 hatte der Stadtrat der Stadt Schmalkalden die Verwaltung beauftragt, eine Bewerbung für die Ausrichtung der 3. Thüringer Landesgartenschau zu erarbeiten. „Zum Zeitpunkt der Bewerbung war auch die komplette finanzielle Absicherung der baulichen Vorbereitung und Durchführung der Landesgartenschau gewährleistet“, erinnert sich Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski im NTI-Interview (ab Seite 23). Ausgerechnet im Oktober 2008 sei dann die Finanz- und daraus folgend die Wirtschaftskrise über Deutschland und damit auch Schmalkalden hereingebrochen. „Den Zuschlag für die Durchführung der Landesgartenschau erhielten wir im November 2009, zu einem Zeitpunkt, zu welchem wir die schwerwiegenden Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Form von wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen in Schmalkalden gespürt haben.“

Daß sich der Stadtrat dennoch einhellig für die Ausrichtung der Landesgartenschau ausgesprochen habe, bezeichnet der Bürgermeister heute, wenige Wochen vor Eröffnung des Riesenereignisses, als „eine wirklich mutige aber auch richtige Entscheidung“.

Die Stadt habe ihre Chancen in einzigartiger Weise genutzt, zeigt sich Detlef Wierzbitzki, Geschäftsführer des Landesgartenschau Schmalkalden 2015 GmbH, im NTI-Interview (auf Seite 12) vom Erreichten angetan: „Das städtebauliche Erlebnis ist hier ganz besonders – jeder kann die Unterschiede Vorher/Nachher sehen und erleben.“ Eine Besonderheit in Schmalkalden sei, daß die neugeschaffenen Parks einen ganz besonderen Bezug zu dem jeweiligen Ort haben, an dem sie entstanden sind. „Sie haben also ganz viel mit der Stadtgeschichte zu tun und bieten dadurch auch den Bürgern die Möglichkeit, sich schnell mit ihnen zu identifizieren.“

Die Landesgartenschau hat der Stadt Schmalkalden zu einem ungeheuren Schub in Sachen Stadtentwicklung verholfen. Das konstatiert der Schmalkalden-Meininger Landrat Peter Heimrich (SPD) im NTI-Interview (ab Seite 31) und würdigt, daß das umfangreiche Investitionsprogramm mit einem Gesamtumfang von rund 30 Millionen Euro planmäßig umgesetzt werden konnte. Der Landrat zeigt sich erfreut, daß die Landesgartenschau eine Entwicklung hin zu mehr touristischer Zusammenarbeit in der Region in Gang gesetzt habe.

Diesen Beweis hat die Region schon einmal im Jahr 2000 erbracht. Damals fand in Schmalkalden der 100. Deutsche Wandertag statt. „Noch heute ist dieses Ereignis bei vielen Schmalkalderinnen und Schmalkaldern sehr positiv in Erinnerung und wird insbesondere von Wanderfreunden aus ganz Deutschland in Gesprächen erwähnt“, erinnert sich Bürgermeister Thomas Kaminski und gibt sich optimistisch: „Nun unternehmen wir mit der Landesgartenschau den Versuch, diese positiven Erfahrungen und Emotionen über einen Zeitraum von 163 Tagen zu erweitern.“

JÖRG SCHUSTER

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