Schwungrad für die Zukunft

Die Erwartung ist überall in Schmalkalden zu spüren. Mit dem Beginn des Frühlingsblühens beginnt auch die Landesgartenschau, möchte sich Schmalkalden allen Einwohnern und Gästen aufgewertet präsentieren. „Unter dem Motto ‚GartenZeitReise‘ erwartet uns alle dann eine spannende Schau“, ist sich der Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft, Dr. Klaus Sühl, sicher.

Ab 25. April wird die Landesgartenschau (Laga) 163 Tage lang auf rund 13 Hektar Areale als Stationen einer „GartenZeitReise“ präsentieren. Wie eine Perlenkette reihen sich die Kernpunkte – der eintrittspflichtige Westendpark, der Viba-Park und der Stadtpark – aneinander. Zentrale Wiesenräume, Spiel- und Ruheplätze, Parkschalen aus Gräser- und Blumenfeldern, „Zeitfenster“ mit Themenstationen und Gartenexperimenten, erlebbare Wasserlandschaften von Schmalkalde und Siechenteichen mit terrassenförmigen Uferzonen.

Mit der Laga sei insbesondere die sogenannte westliche Vorstadt gänzlich neu geordnet worden, erläutert Bürgermeister Thomas Kaminski (parteilos). Infrastrukturell ist die Neugestaltung des ÖPNV-Knotens neben der teilweisen Renaturierung der Schmalkalde (Gelände des früheren Kranbaus) die bedeutendste Maßnahme. „Der gesamte Stadteingang aus Richtung der B19 kommend, ist nunmehr komplett neu geordnet und für Gäste, die längere Zeit Schmalkalden nicht besucht haben, nicht wiederzuerkennen. Die Ansiedlung der Viba-Nougat-Erlebniswelt wurde mit der Errichtung eines umgebenden Parks begleitet und das Schulumfeld durch die Herstellung des Stadtparkes deutlich aufgewertet. Auch in der Innenstadt wurde mit der Stadtbodensanierung in der Auer Gasse und am Lutherplatz/Schloßberg eine deutliche Aufwertung vorgenommen“, betrachtet Kaminski stolz seine „neue“ Stadt. Die Krone der gesamten Maßnahmen bilde die Erschließung und Gestaltung der einst nach französisch-italienischem Vorbild konzipierten Terrassengärten von Schloß Wilhelmsburg. Die Gestaltung lehnt sich an den in Renaissance- und Frühbarock-Stil gestalteten Lust-, Küchen- und Baumgarten des Landgrafen Moritz und später der Landgräfin Hedwig Sophie aus dem 17. Jahrhundert an – eine Kooperation zwischen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und der Landesgartenschau Schmalkalden GmbH. Parallel zur Sanierung der Stützmauern wurde auch die Teichanlage saniert, deren ursprünglich geometrische, auf den Terrassengarten ausgerichtete Form wiederhergestellt ist.

Der erste Bürger der Stadt erhofft sich viele zusätzliche Gäste, die die 3. Thüringer Landesgartenschau und das dafür hergerichtete Gelände besuchen und auch Interesse an dem wunderschönen Fachwerk in der Innenstadt haben. „Es ist kein Problem, die Hunderttausende von Gästen zu empfangen und gastfreundlich zu versorgen.“ Gastronomen, Einzelhändler und Hotels seien bestens vorbereitet. Die Tourist-Information wird Gästen auch Angebote der Hoteliers der umliegenden Ortschaften unterbreiten. „Viele Fremdenverkehrsbetriebe der Region haben speziell für die Landesgartenschau Angebote sowohl im Übernachtungsbereich als auch im Bereich der Kulinarik aufgelegt“, ergänzt der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Schmalkalden, Marcel Schienemann. „So gibt es spezielle Gerichte und ganze Menüs die sich mit dem Thema Blumen und Kräuter beschäftigen und viele Betriebe werden speziell für die Landesgartenschau ihre Grünflächen besonders schön gestalten.“ Wie er erwartet auch der Bürgermeister mit der Laga eine nachhaltige Erhöhung des Bekanntheitsgrades von Schmalkalden und Südthüringen. Schienemann: „Auch im Hinblick auf das Lutherjahr 2017 stärkt die Landesgartenschau den Fokus auf unsere Region. Wir hoffen, daß die Wirtschaftsunternehmen in unserer Region noch deutlicher als jetzt schon erkennen, daß ein starker Tourismus gleichzeitig ein hochwertiges Lebensumfeld für die Mitarbeiter der Unternehmen garantiert, was wiederum für die Industrie ein wichtiger Faktor im Bezug auf die Gewinnung von Fachkräften ist. Das beste Gehalt lockt niemanden, wenn das Umfeld öde und langweilig ist. Schließlich sollen sich ja nicht nur die Fachkräfte wohl fühlen, sondern auch deren Familien, sonst bleibt niemand lange hier.“

 

„Das beste Gehalt lockt niemanden, wenn das Umfeld öde und langweilig ist.“

 

Die Tourismusbranche erwartet jedoch von der Politik noch mehr: „Die Politik darf sich nicht nur auf den Hotspot Landesgartenschau konzentrieren, sondern muß gleichzeitig die touristische Infrastruktur im allgemeinen – wie Wanderwege, Aussichtspunkte … – fördern. Denn die Gäste werden nicht jeden Tag auf der Gartenschau sein, sondern auch das Umfeld besuchen, und da sollte sich der gute Eindruck verstärken. Nur so kommen die Gäste auch in den folgenden Jahren wieder“, spricht der Inhaber des „Akzent Aktiv und Vital Hotels Thüringen“ aus nicht geringer Erfahrung.

Mit der Laga sei auch für die Schmalkalder Bürgerinnen und Bürger eine neue Aufenthalts- und Lebensqualität in die Stadt eingezogen. „Schmalkalden als Wirtschafts-, Bildungs- und Wohnstandort hat hier nachhaltig gewonnen“, betont Kaminski, „und ist eine interessante Stadt für jung und alt. Das bestätigen auch die stabilen Zahlen der Studienanfänger an unserer Fachhochschule Schmalkalden, die insgesamt 3000 Studenten zählt. Nicht zuletzt sind in den letzten Jahren deutlich steigende Geburtenzahlen zu beobachten.“

Da kommt der Bürgermeister auf einen für ihn sehr wichtigen positiven Aspekt zu sprechen: Das gestärkte Miteinander der Schmalkalder. Die Bürgerschaft sei zusammengerückt, um die Aufgaben zu meistern. Viele Bürger eifern dem guten Laga-Vorbild inzwischen nach und modernisieren ihre Häuser, richten ihre Vorgärten und schmücken ihre Fassaden mit frischen Farben, bestätigt auch Ralf Liebaug. Der CDU-Stadtratsfraktionschef sieht in der Landesgartenschau schon jetzt in jedem Fall einen Gewinn für Schmalkalden und wertet unisono mit seinem Bürgermeister: „Trotz anfänglicher Skepsis sind die Schmalkalder und die Bürgerinnen und Bürger des Umlandes mittlerweile ganz überwiegend stolz auf das Erreichte. Mit den öffentlichen Investitionen wurden auch anliegende Grundeigentümer angeregt, aktiv zu werden.“ Ralf Liebaug dankt schon vor Laga-Beginn der Bürgerschaft: „Von Anfang an haben viele Bürger privat oder über Vereine ihre Ideen und Vorschläge für die Landesgartenschau mit eingebracht, direkt oder über den Bürgerbeirat. Dafür möchten wir uns auch einmal an dieser Stelle ganz herzlich bei den Schmalkalder Bürgern bedanken. Aber auch das Land Thüringen hat unter der alten und neuen Landesregierung tatkräftig finanziell und auch durch persönliches Engagement dazu beigetragen, daß wir alle uns nun auf eine großartige Veranstaltung freuen dürfen, mit der wir Schmalkalden und Thüringen einem großen Publikum präsentieren können.“

„Die Entwicklung gerade in der Innenstadt hat ganz neuen Schwung bekommen“, gerade darauf ist Thomas Kaminski ganz besonders stolz. Das alles zeige, daß die Laga nicht nur eine Maßnahme der Stadt und des Freistaates ist, sondern auch ein bürgerschaftliches Anliegen. „Für mich besonders bemerkenswert ist, daß es nicht nur Schmalkalder sind, die sich interessiert zeigen und mit persönlichem Engagement zu einem Gelingen der Landesgartenschau beitragen wollen, sondern eben auch Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Ortschaften genauso engagiert sind.“

Was Bernd Gellert, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und Ortsteilbürgermeister im östlichsten Stadtteil Schmalkaldens, in Mittelstille/Breitenbach, unterstreicht: „Diese Herausforderung kann nur im Zusammenschluß der gesamten Region gemeistert werden, dies war recht bald klar. Nicht zuletzt daher gab es auch das klare Bekenntnis des Landkreises zur Unterstützung bei der Absicherung der finanziellen Eigenmittel der Stadt Schmalkalden und der Umsetzung konkreter Baumaßnahmen. Schon jetzt ist dieser Spannungsbogen in vielen Teilen der Bevölkerung dieser Region zu spüren, Vereine und Organisationen haben sich von der Laga 2015 inspirieren lassen.“ Gellerts Kreistagskollege und Bürgermeister von Benshausen, Ronald Hande (Die Linke), hofft, „daß die Stadt Schmalkalden auch in der Zukunft den Dialog mit den auch weiter entfernt liegenden Orten sucht, um Möglichkeiten zu entwickeln, die Gesamtregion mit der Laga als Zentrum und Magnet touristisch zu erschließen.“

 

„Diese Herausforderung kann nur im Zusammenschluß der gesamten Region gemeistert werden, dies war recht bald klar.“

Die Unterstützung vieler regionaler Unternehmen als Sponsoren oder mit eigenen Beiträgen lobt der Landrat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Peter Heimrich (SPD). „Die Thüringer Waldquell hat beispielsweise mit einer riesigen Glas-Installation einen Kreisverkehr gestaltet. Die Viba-Nougat-Welt arbeitet ebenfalls sehr eng mit der Laga zusammen. Und unsere Rhön-Rennsteig-Sparkasse ist Premiumsponsor. Aber auch viele private Bauherren haben sich durch die öffentlichen Investitionen inspirieren lassen und haben mit neuen Fassadenanstrichen oder Generalsanierungen nachgezogen.“ Auch deshalb fühlt sich der Kreis in seiner Entscheidung, die Laga kräftig zu unterstützen, bestätigt.

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat auch ein eigenes Teilprojekt. Er gestaltete für insgesamt 1,5 Millionen Euro das Schulumfeld am Siechenrasen zu einer grünen Oase mit Gräser- und Staudenflächen, mit einem Energiegarten sowie mit Park-, Sport- und Spielflächen. Das Areal im Umfeld dreier Schulen grenzt an den Stadtpark an, der ebenfalls Teil der „GartenZeitReise“ ist. „Die Landesgartenschau ist das Großereignis 2015 im Landkreis“, sagt Landrat Peter Heimrich. Für die Stadt Schmalkalden sei die Laga nicht nur eine logistische und organisatorische Herausforderung, sondern natürlich auch eine finanzielle. „Mit dem Schulumfeld leistet der Landkreis Schmalkalden-Meiningen seinen Beitrag zu diesem Highlight“, unterstreicht Landrat Heimrich. Und dieses werde weit über die Stadtgrenzen Schmalkaldens hinaus strahlen, ist der Kreischef überzeugt.

„Dank der Landesgartenschau konnte die Stadtentwicklung eine ungeheure Fahrt aufnehmen“, sagt der Landrat. „Dabei konnten Meilensteine passiert werden, die sonst wohl in den nächsten 30 Jahren unerreichbar geblieben wären.“ Und er zählt auf die Beseitigung zahlreicher Industriebrachen, die Sanierung von Stadtboden, „auch die Konzipierung eines ÖPNV-Knotens gab der Schmalkalder Infrastruktur ein neues Gesicht. Die Sanierung der Schloß-Terrassen auf Schloß Wilhelmsburg wäre ohne die Laga ebenfalls nur schwer vorstellbar.“ Und daß Schmalkalden im Fokus der Öffentlichkeit steht, Zeitungen, Radio und Fernsehen regelmäßig über die Investitionen berichten, gebe der Fachwerkstadt eine unglaubliche Präsenz, was sich bereits jetzt in einem starken Anstieg der Übernachtungszahlen bemerkbar machen würde. Und Heimrich betont: „Wir sind eine Tourismusregion, die in einem harten Wettbewerb mit anderen Mittelgebirgen steht. Die Landesgartenschau ist in diesem Jahr unser absolutes Zugpferd, und wir müssen dafür sorgen, daß wir daraus zusätzliche PS für unseren Tourismusmotor gewinnen.“

Andreas Trautvetter, der Präsident des Regionalverbundes Thüringer Wald e. V., hebt zwei Punkte als für den Regionalverbund Thüringer Wald außerordentlich wichtig hervor. „Die Laga ist eine Ausstellung, die nicht nur Gäste aus Thüringen, sondern aus ganz Deutschland und darüber hinaus in die Region holen wird. Damit wird sie einer der zentralen Anziehungspunkte für den Tourismus in der Region im Jahr 2015. Schmalkalden und die gesamte Region zwischen Thüringer Wald und Rhön ist gut gerüstet, den vielen Gästen nicht nur die Ausstellung, sondern die gesamte Region zu präsentieren. Der zweite Punkt ist die nachhaltige Wirkung für die Zukunft, die eine solche Ausstellung mit sich bringt. Die Infrastrukturmaßnahmen, insbesondere die Umgestaltung der Industriebrachen, werten die Fachwerkstadt Schmalkalden mit ihren vielen Kulturdenkmälern weiter auf und machen diese Stadt noch attraktiver für Besucher.“ Dies werde sich nachhaltig positiv auf den Tourismus in der ganzen Region auswirken, zumal der nächste touristische Höhepunkt für Schmalkalden nicht mehr in weiter Ferne ist, nämlich das Lutherjahr 2017. Die Laga quasi als ein Schwungrad für die Zukunft.

Die Unterstützung durch das Land ist für Trautvetter „das faszinierendste an der Laga“. „Natürlich wäre ohne Unterstützung des Freistaates Thüringen die Durchführung einer solchen Gartenschau undenkbar, weil sie jegliche finanziellen Möglichkeiten einer Kommune übersteigen würde. Deshalb Dank an die Landesregierungen von Hessen und Thüringen für dieses Konzept der Landesgartenschauen, die ja in Abstimmung zwischen den beiden Ländern organisiert werden. Ich hoffe, daß dies die neue Landesregierung auch so sieht und weiter in den verschiedenen Regionen in Thüringen Landesgartenschauen gestalten wird.“

Vom Landrat schon hervorgehoben wurde auch das Engagement des Unternehmens Viba. Geschäftsführer Dr. Andreas Steffen bestätigt, daß es für den Nougathersteller als ortsansässiges Traditionsunternehmen von Beginn an Verpflichtung war, am Gelingen der Laga mitzuwirken. „Selbstverständlich! Wir haben schon bei der Bewerbung für die Laga in Schmalkalden aktiv mitgewirkt und waren daher auch Bestandteil der Präsentation. Die Viba-Nougat-Welt und der Viba-Park sind ein Gemeinschaftsprojekt, wo sich sowohl die Stadt Schmalkalden als auch wir zusammengefunden haben; eine intensive Zusammenarbeit war hier seit Beginn an Voraussetzung. Unser Unternehmen stellt Freiflächen für die temporären Laga-Schaubereiche zur Verfügung und ist stolz auf den dann grünen und blühenden Park, der ein Hauptbestandteil der Landesgartenschau ist.“

Da klinkt sich Andreas Trautvetter ein: Die Laga sei für ihn auch ein Beleg für die Chancen, die Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) ermöglichen. „Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftverkehrsbetriebes entstand nicht nur eines der attraktivsten Unternehmen der Stadt Schmalkalden, die Viba-Nougat-Welt, die mittlerweile viele tausend Gäste jährlich anlockt und die auch ein fester Partner des Regionalverbundes ist. Alle Besucher sind begeistert, was im Umfeld dieses Unternehmen für eine attraktive Parklandschaft durch die Laga entstanden ist, also ein echtes ÖPP-Projekt, was sowohl der Stadt als auch dem Unternehmen nutzt. Ein zweites Beispiel ist die Nachnutzung des ehemaligen Busbahnhofes. Im Zuge der Neugestaltung eines attraktiven ÖPNV-Verknüpfungspunktes am Bahnhof wurde mit der Familie Körner ein Investor gefunden, der mitten im entstehenden Stadtpark das alte Busbahnhofsgebäude zu einem der besten Restaurants in Thüringen umfunktioniert hat. Das Restaurant Barolo wird schon heute von Gästen aus ganz Thüringen und darüber hinaus sehr geschätzt.“

Auch Thüringer Waldquell, das wohl zweitbekannteste Schmalkalder Unternehmen, engagiert sich als Premiumpartner der Landesgartenschau. „Im Mai werden wir in einer landesweiten Werbekampagne auf die Blumenschau aufmerksam machen und dabei 500 Familieneintrittskarten verlosen“, kündigt Geschäftsführer Thomas Heß an. „Von der Eröffnung bis Pfingsten können sich die Besucher in der Blumenschauhalle über Entstehung und Vielfalt von Mineralwasser informieren. Schülergruppen bieten wir im Rahmen des Grünen Klassenzimmers Experimente rund um das Thema Wasser und Mineralwasser sowie ein Quiz an. Die Cleversten gewinnen einen Monatsvorrat Mineralwasser für die ganze Schule. Im Stadtpark wird unser Grünes Sofa hautnah zu erleben sein. Besonders freuen wir uns auf das Vita-Cola-Konzerthighlight am 12. September mit der Band Juli.“

Außerdem spendet der Hersteller für jeden 100. Besucher einen Baum. „Die Bäume sollen im Herbst in und um Schmalkalden gepflanzt werden und damit auch nach Ende der Schau nachhaltige Spuren in der Südthüringer Natur hinterlassen.“ Ein sichtbares Ergebnis guter Zusammenarbeit ist auch der durch das Unternehmen gestaltete Innenraum des Kreisverkehrs an der Kasseler Straße. „Ein Ensemble aus acht Stelen mit insgesamt 32 Kugeln, die im Wasser aufsteigende Kohlensäureblasen symbolisieren, begrüßt die Besucher, die Schmalkalden über die B 19 erreichen.“

Neben den privatwirtschaftlichen Investitionen der Premiumpartner und vieler kleinerer Unternehmen zum Beispiel der Fremdenverkehrswirtschaft sowie individueller von Hauseigentümern werden insgesamt 35 Millionen Euro öffentliche Mittel in die Gartenschau investiert, hinzu kommen noch sieben Millionen der öffentlich-rechtlichen Laga-GmbH. Etwa drei von vier Aufträgen verblieben oder bleiben in der Region.

Ziel all dieser Anstrengungen muß es sein, auch nach dem Laga-Jahr eine attraktive Destination für Touristen aus allen Regionen zu bleiben, formuliert Dr. Andreas Steffen kurz und knapp die Hauptanforderungen an diese Laga und ähnliche Projekte. Dauerhafte Verbesserungen, Weiter- und Nachnutzung, das Neu-Entstandene mit Leben zu erfüllen.

 

„Für mich steht Schmalkalden als positives Beispiel dafür, wie ein solches Großereignis als Motor für Stadtentwicklung genutzt werden kann.“

 

„Für mich steht Schmalkalden als positives Beispiel dafür, wie ein solches Großereignis als Motor für Stadtentwicklung genutzt werden kann“, sagt die Geschäftsführerin der Internationalen Bau-Ausstellung (Iba) Thüringen, Dr. Marta Doehler-Behzadi, dazu. „Die Aufbruchsstimmung in der Stadt im Hinblick auf das Gartenfest war auch bei Iba on tour in Gesprächen vor Ort mit sehr engagierten Akteuren deutlich spürbar.“ Die Laga 2017 in Apolda wird zeigen, ob und wie sich die Iba einbringen wird – in ein Feld, das ihr ureigenstes ist. Apolda hat sich schon als Iba-Kandidat beworben, möchte mit der LEG eine mehrdimensionale Stadtentwicklung mit zukunftsweisenden Strategien für den Bahnhof und das Bahnhofsumfeld in Verbindung zur Innenstadt stemmen. – Eine Iba-Laga-Nagelprobe …

FRANK FRIEDRICH

Titelbild: KLAUS-GÜNTER KNABE

 

Schmalkalder Bürgermeister Thomas Kaminski: „Neue Stadt“.

Foto: SVS-ARCHIV

Schmalkalden-Meininger Landrat Peter Heimrich (SPD) bei der Übergabe des Meininger Henfling-Gymnasiums: Kräftige Unterstützung für die Laga.                     Foto: LRASM-ARCHIV

 

 

Standpunkt

 

Modern und nachhaltig?

 

Nun also Schmalkalden! Elf Jahre nach der in Nordhausen findet in Thüringen wieder eine Landesgartenschau (Laga) statt. Die Vorfreude ist groß, die Mitarbeit in der Vorbereitung war es auch. Doch: Wer hat eigentlich in all diesen Jahren eine solche Veranstaltung vermißt? Ja, da fällt die Antwort gar nicht so leicht. So wird auch das lange Zögern der Landesregierung verständlicher. Als das Kabinett im Oktober 2009 die Vergabe nach Schmalkalden beschloß, hieß es, das sei für 2013. Bald machte man wieder einen Rückzieher: 2015 erst sollte es in Schmalkalden blühen. Nicht nur, denn eine Laga ist viel mehr als Blumen. So sieht es das allgemein bundesweit verfolgte Laga-Konzept vor: Sie ist „ein Instrument für die Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung über sehr komplexe städtebauliche Projekte – konzentriert und innerhalb eines relativ kurzen, wenige Jahre umfassenden Zeitraumes.“ „Mit einem Gartenfestival“ – wie die Laga-Schmalkalden-Macher formulieren – wird das Ergebnis publikums- und medienwirksam präsentiert. Seht her, das haben wir aus den Millionen Steuergeldern gemacht. Und man sehe, es ist immer gut. Besser als zuvor präsentiert sich jede der gestalteten Flächen oder Ortsteile in jedem Falle. Und zumeist hat solch ein Mega-Projekt erstmals zu Kommunikation oder Kooperation von ansonsten nebeneinanderher existierenden Behörden, Firmen, Vereinen oder Bürgern geführt, im Idealfall ein Wir-Gefühl entstehen lassen.

Weniger positiv jedoch ist, daß und warum solch ein Miteinander angeblich nur mit solch großen Projekten und Euro-Summen angestoßen und gelebt werden kann. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wuchsen Landes- und Bundesgartenschauen (Buga) hierzulande zu großen Events, weil sie einerseits zeigten, welche Potentiale im Erbe aus DDR-Jahrzehnten stecken und was draus gemacht werden kann, andererseits weil von O(stern) bis O(ktober) langfristig ein so enger und attraktiver Veranstaltungsplan rund um die Projektflächen gestrickt wird, daß zu Zigtausenden Touristen gelockt werden können. Daß selbst das meist nicht ausreicht, die veranstaltenden Kommunen ohne Schulden aus diesem Schaufenster kommen zu lassen, ist ein weiteres Fragezeichen.

Diese Fragen sind alles Fragen nach der als Ziel postulierten Nachhaltigkeit. Doch ist das Laga-Konzept selbst überhaupt nachhaltig – in diesen Zeiten, wo jeder Steuer-Euro doch mit einer viel größeren Verantwortung ausgegeben werden muß? Ist es nachhaltig und zeitgemäß, wenn weitere Grünflächen und Parks in einer kleinen und sowieso schon grünen Stadt mitten im grünen Herzen Deutschlands entstehen? Auch in Schmalkalden oder nach 2017 in Apolda werden die neuen Flächen und Parks niemals so belebt werden wie die in großen Städten, wo die Mieter kaum Hof-Grünflächen finden und deshalb aus öffentlichen Parkanlagen schnell Sommersonnen-Liegewiesen und Spiel- und Grillplätze werden.

Originäres Ziel von Stadtplanung und -entwicklung ist es, Lebensraum, also belebten Raum, in der Stadt zu schaffen. Denn wo kein Leben ist, ist Verfall. Unübersehbar ist dies in ehemaligen Laga- oder Buga-Orten. Ronneburg-Gera zum Beispiel trumpfte vor allem mit der Überplanung des ehemaligen Uran-Bergbaugeländes. Wo tobt das Leben? Mit Müh und Not wird er verzögert, der Ideen-Tod. Selbst im mit vielen „Attraktionen“ ausgestatteten Elbauenpark als Ergebnis der Buga Magdeburg im benachbarten Sachsen-Anhalt müssen die Verwalter riesige Anstrengungen investieren, um mit „Events“ Leute anzulocken, die nicht nur den Jahrtausendturm besteigen wollen.

Ein – heute zumindest folgenschwerer – Denkfehler der Gartenschau-Methode liegt darin, daß Folgekosten zu gering angesetzt oder ganz „vergessen“ werden. Alle Projekte einer großen Regionalentwicklungs-Förderveranstaltung kosten weit mehr als ihre Realisation. Sie müssen unterhalten und erhalten sowie weiter ausgestaltet werden. Schöne neue Parks mit blühenden Blumenbeeten, Sträuchern und Bäumen sind schön anzusehen. Wenn die Kommune – wie aktuell Gera – kein Geld für solch freiwillige Aufgaben mehr hat, blüht nichts mehr, werden Gras, Bäume und Sträucher nur selten oder gar nicht gepflegt und geschnitten. – Keinem kann daran gelegen sein, die investierten Euro so verfliegen zu sehen.

Vielleicht waren es auch solche Gedanken, die die Landesregierung zu einer solche langen Laga-Pause bewogen. Vielleicht sollte man sich von solch Riesen- und Prestige-Projekten wie Gartenschauen verabschieden. Warum muß eigentlich am Ort X soviel Geld in mehrere stadtplanerische und gärtnerische Projekte gesteckt werden, wenn beispielsweise in unserem Freistaat zig Kurorte nicht wissen, wie sie zum Teil historisch angelegte, zumeist auch gärtnerisch hochwertig gestaltete und damit erhaltenswerte Kurparkanlagen pflegen und erhalten sollen? Warum sollen in einem Ort mit großer und teurer Planung Industriebrachen durch (weitere) Parks ersetzt und ein Flußlauf renaturiert werden, wenn gleiche Aufgaben im ganzen Land die Kommunen vor finanziell unlösbare Aufgaben stellen?

In Zeiten der im vorigen Jahr geführten Koalitionsverhandlungen wurde immer wieder getönt, daß das rot-rot-grüne Regierungsbündnis mit jedem Euro höchst verantwortungsvoll umgehen werde. Künftig könnte die Regierung beweisen, daß sie statt Prestigeveranstaltungen mit großen Fördersummen Einzelprojekte nach Dringlichkeit und damit verantwortungsbewußter unterstützt – und so auch die in Oppositionszeiten häufig postulierten gleichen Lebensbedingungen in allen Teilen Thüringens zumindest in den Blick nimmt. Die Innovationskraft politischen Handelns liegt nicht im wechselnden Farbenspiel, sondern allein in den realen Ergebnissen für das Leben der Thüringer in ihrem Land.

FRANK FRIEDRICH

 

 

„Hohes Potential an Identifikation“

Das städtebauliche Erlebnis ist hier ganz besonders. Das erklärt Detlef Wierzbitzki, Geschäftsführer der Landesgartenschau Schmalkalden 2015 GmbH, zu dem bevorstehenden Ereignis. Jeder könne die Unterschiede Vorher/Nachher sehen und erleben. „Dabei wird deutlich, daß die Stadt Schmalkalden ihre Chancen in einzigartiger Weise genutzt hat“, resümiert der Landesgartenschauchef im NTI-Interview.

NTI: Die Bürger „wachsen“ und „verwachsen“ mit dem Grün ihrer Parkareale. Herr Wierzbitzki, wie bewußt leben die Schmalkalder das bevorstehende Ereignis, wie engagieren sie sich für die Gartenschau und wie wird sie dieser Höhepunkt prägen?

WIERZBITZKI: Landesgartenschauen sind Projekte, die die Bürger einer Stadt über einen langen Zeitraum begleiten. Angefangen von den Diskussionen, ob sich eine Stadt überhaupt zur Ausrichtung einer Landesgartenschau bewerben soll, über die Bauphase, wenn eine Stadt den Zuschlag erhalten hat, bis hin zu einem halbjährig andauerndem Gartenfest, an dem sich viele Bürger ganz aktiv beteiligen, da kommen schon mehrere Jahre zusammen. Aber gerade solche Projekte bieten ein hohes Potential an Identifikation. Wir schaffen nicht nur die baulichen Voraussetzungen, die eine Stadt, auch nach der Durchführung einer Landesgartenschau, nachhaltig prägen, viele Bürger engagieren sich auch ganz direkt vor Ort während der 163 Tage. Sie sind Gastgeber ihrer Stadt und viele sind auch ein wenig stolz darauf, Teil dieses Ereignisses zu sein. Und genau das ist es auch, was eine jede Gartenschau so einzigartig macht. Die Mentalität der Menschen. Das Engagement ist sehr unterschiedlich. Einige lassen sich zu Gästeführern ausbilden, beteiligen sich ehrenamtlich, halten Vorträge, präsentieren im Veranstaltungsprogramm ihren Verein oder sind in Institutionen tätig, die sich den Besuchern präsentieren. Landesgartenschau ist immer auch Plattform für die Vielfalt einer Stadtgesellschaft. Und so beteiligen sich auf Landesgartenschauen auch immer mehrere Generationen und werden zu Botschaftern nicht nur einer Stadt, sondern einer ganzen Region. Und all diejenigen, die sich beteiligt haben oder die einfach nur regelmäßig die Gartenschau als Besucher genossen haben, werden sich noch gerne und lange an dieses ganz besondere Gartenschaujahr 2015 erinnern.

NTI: Herr Wierzbitzki, Sie haben LGS-Erfahrung, waren zum Beispiel Geschäftsführer der Landesgartenschau Bad Nauheim 2010. Was unterscheidet Schmalkalden von anderen derartigen Veranstaltungen?

WIERZBITZKI: Grundsätzlich sollte und kann man die Städte nicht miteinander vergleichen, da jede Stadt ganz unterschiedliche Grundvoraussetzungen bietet. Aber: Das städtebauliche Erlebnis ist hier ganz besonders – jeder kann die Unterschiede Vorher/Nachher sehen und erleben. Dabei wird deutlich, daß die Stadt Schmalkalden ihre Chancen in einzigartiger Weise genutzt hat.

NTI: Was macht die Landesgartenschau Schmalkalden unverwechselbar?

WIERZBITZKI: Eine Besonderheit in Schmalkalden ist, daß die neugeschaffenen Parks einen ganz besonderen Bezug zu dem jeweiligen Ort haben, an dem sie entstanden sind. Sie haben also ganz viel mit der Stadtgeschichte zu tun und bieten dadurch auch den Bürgern die Möglichkeit, sich schnell mit ihnen zu identifizieren. Eine weitere Besonderheit ist darüber hinaus, daß die „GartenZeitReise“, das Motto unserer Landesgartenschau, von jedem wortwörtlich erlebt werden kann. Die ganze Palette der Gartenkunst, angefangen von dem sanierten Terrassengarten von Schloß Wilhelmsburg bis hin zu Industriebrachen, die in moderne Parks umgestaltet wurden, kann bestaunt und genossen werden.

NTI: Herr Wierzbitzki, ist eine solche Veranstaltung heutzutage für eine Kleinstadt nicht auch eine Bürde und ein finanzielles Risiko? Was kostet die Landesgartenschau und wer kann das bezahlen? Und rentieren sich solche Kosten wirklich langfristig?

WIERZBITZKI: In Zeiten knapper Kassen wird die Wirtschaftlichkeit gerne in den Vordergrund gerückt. Leider hat Grün nur eine geringe Lobby, doch ist es mittlerweile auch nachgewiesen, daß intaktes Grün die Möglichkeit der Naherholung und die Gesundheit der Menschen stärkt beziehungsweise den Krankenstand reduziert. Weiterhin ist wissenschaftlich belegt, daß die grünen, sogenannten weichen Standortfaktoren ganz wesentlich zur Attraktivität einer Stadt beitragen und die Grundstückspreise steigen lassen. Auch wählen bestimmte Zielgruppen wie Führungskräfte, Studenten oder die Wirtschaftsunternehmen vermehrt solche Städte, die auch im Sinne von Freizeit und Erholung mehr zu bieten haben als andere. Unter diesen Aspekten ist eine Landesgartenschau immer „wirtschaftlich“. Das läßt sich auch sehr gut am Beispiel der letzten LGS in Nordhausen belegen!

 

„Leider hat Grün nur eine geringe Lobby.“

 

NTI: Wie wurde und wird die Gartenschau von der heimischen Wirtschaft unterstützt?

WIERZBITZKI: Von Anfang an hat die Rhön-Rennsteig-Sparkasse signalisiert, die LGS als Premiumpartner zu unterstützen. Bereits am 16. September 2013 wurde hier die Sponsoringvereinbarung unterzeichnet. Weitere Premiumpartner folgten mit der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH und der Thüringer Energie AG. Als Klassiksponsoren unterstützen uns die Werraenergie GmbH, das Autohaus Ehrhardt oder die Henkelbau GmbH. Als Koopeartionspartner sind die Thüringer Tourismus GmbH, der Regionalverbund Thüringer Wald e. V., als Medienpartner der mdr Thüringen dabei und es gibt eine gute Zusammenarbeit mit der Süd-Thüringen-Bahn und den Meininger Busbetrieben.

NTI: Die LGS bietet in der Zeit vom 25. April bis 4. Oktober eine Fülle von Veranstaltungen. Welche Höhepunkte können Sie ganz besonders empfehlen?

WIERZBITZKI: Für Unterhaltung beim Gartenfest sorgen unter anderem das Doppelkonzert von Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz, die Shows der Hochseiltruppe Geschwister Weisheit aus Gotha, das Internationale Zaubererfestival sowie Gastspiele der Meininger Hofkapelle. Gästeführer vermitteln Wissenswertes rund um die Gartenschau und geben Einblick in die Stadtgeschichte. Es gibt tägliche Angebote der Kirchen im „Himmelszelt“ und für die jungen Besucher das Grüne Klassenzimmer.

Interview: JÖRG SCHUSTER

 

Schmalkalder Landesgartenschaugeschäftsführer Detlef Wierzbitzki: Landesgartenschau ist immer auch Plattform für die Vielfalt einer Stadtgesellschaft.               Foto: LGS-ARCHIV

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