Küstennebel, Hexengrusel, Schwarzlicht

Mal fährt man mit Blick auf das Meer am Strand entlang, andermal vorbei an bewaldeten Steilufern, verläßt die Küste auf einen Abstecher ins Hinterland … Romantische Fischerorte wechseln sich ab mit mondänen Seebädern, stolzen Hansestädten und alten Bauerndörfern. Für meine diesjährige Mecklenburg-Küstentour nehme ich wieder mal das Fahrrad. Der internationale Ostseeküsten-Radfernweg „EuroVelo 10“ führt auf knapp 8000 Kilometern rund um die Ostsee. Im Mecklenburgischen führt er von Boltenhagen über Wismar, Kühlungsborn, Rostock bis nach Graal-Müritz.

In der Altstadt von Wismar faszinieren immer wieder die Bau- und Kulturdenkmale, mit einem einfach unverwechselbaren Flair lädt die Stadt den Gast ein zum Bewundern und Begehen von Hafen, liebevoll und fachkundig restaurierten Bürgerhäusern und Denkmalen der Backsteingotik, auf den einzigartigen quadratischen Marktplatz. Dicht umlagert wie immer ist dort vor allem die „Wasserkunst“, ein Brunnenhaus im Renaissancestil.

 

Aber nun auf den Weg nach Rerik. Im Ort am Salzhaff soll meine Tour beginnen. Erstes Ziel wird Kühlungsborn sein. Kaum in Rerik angekommen, zeigt sich dieser Sommertag als einer der eher seltenen: Überm Meer wabert grauer Nebel, schwappt ähnlich dem Salzwasser auf den Strand. Im Gegensatz zu dem im Glas, ist das mal echter Küstennebel! Wo ihn nicht das Steilufer hindert, zieht er sich so 20 … 30 Meter hinein aufs Land. Und trotzdem ist der Strand gut belegt – kein Wunder bei 23 Grad im Wasser und 26 in der Luft trotz des Nebels.

Die schönen Ausflugsziele wie die Hünengräber rund um Rerik lasse ich heute aus, am Leuchtturm von Bastorf vorbei soll‘s durch die Wiesen und Auen über Kägsdorf durchs wellige Land nach Kühlungsborn hineingehen. Der Leuchtturm Buk bei Bastorf wurde 1878 erbaut und ist noch voll funktionstüchtig und begehbar. Von der Aussichtsplattform hat man einen wunderschönen Blick über das Land. Der Turm steht auf dem 79 Meter hohen Signalberg und ist das höchstgelegene Leuchtfeuer an der deutschen Ostseeküste.

Unweit des Leuchtturms schaue ich kurz ins Traumland Erlebnisgolf. Auf 500 Quadratmetern breitet sich hier in einer Halle eine ganz besondere Welt aus, die aus 15 Minigolf-Bahnen besteht und mit Schwarzlicht erzeugt wird. Jede Bahn steht unter einem anderen Motto und erzeugt durch technische Effekte und Illustrationsmalereien Traumwelten. Geschäftsführer Christian Wolfinger: „Die Nachfrage nach Schlechtwetterangeboten an der See ist deutlich gestiegen, da kam uns die Idee, etwas im Innenbereich zu machen, was es noch nicht so häufig gibt. Etwas, was junge wie ältere Menschen anzieht, begeistert und auch gemeinsam in Mannschaften ausgeübt werden kann“, erklärt der 35jährige. Das beliebte Minigolf eben mal anders, mit einmaligen Lichteffekten auf phantasievollen Bahnen.

Von Kägsdorf her nach Kühlungsborn-West einfahrend, suche ich schnell den Weg zur Ostseeallee. Doch meine Hoffnung bei der Tour übers nebelfreie Land auf gute Sicht auch am Strand wird enttäuscht. Auch hier wogt der Nebel überm Wasser. Und trotzdem bevölkern Hunderte die Promenade und den Strand, warten an der Seebrücke darauf, daß sich der Dunst lichtet. Warten auf Godot … – denn es scheint eher, daß die vom Land her durchdringende Sonne den Nebel verdichtet, nicht nur optisch.

Apropos optisch: Die Stadt ist ein Bilderbuch-Ostseebad mit ihren vielen schönen Häusern im Stil der Bäderarchitektur. Sie bieten heute nicht nur stilvolle Unterkünfte für Urlauber, sondern erinnern auch an die Vergangenheit des Ostseebades zur Wilhelminischen Zeit. Damals, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, entstanden die meisten der prächtigen Bauten.

Um so schmerzhafter ist der Anblick so mancher Ruine in nächster Nähe der Seepromenade und fachgerecht sanierter Baudenkmale. Die Villa Baltic ist solch ein Objekt. Das neobarocke Anwesen dominierte mit seiner säulengestützten Veranda, den Erkern, Türmchen und dem reichverzierten Giebel die Promenade. Seit Jahren steht es leer und verfällt immer mehr. Die hohen Fenster sind vernagelt, die Wände mit Graffiti besprüht, aus der Balkonbalustrade ist ein Stück herausgebrochen.

„Das selten schöne Gebäude, der außergewöhnlich große, herrliche Park, in dem es steht, die Lage unmittelbar am Meer bieten die prachtvollsten Möglichkeiten der Erholung für die müden Nerven der geistigen Arbeiter.“ So beschreibt die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Anfang der 30er Jahre die Villa Baltic im heutigen Kühlungsborner Ortsteil Arendsee. Das im Inneren mit Marmor ausgestattete Haus diente jüdischen Akademikern damals als Erholungsheim. Noch heute, in diesem desolaten Zustand, ist die Villa Baltic ein beeindruckendes Haus – weiterhin das eigentlich schönste in ganz Kühlungsborn. Wenn nicht statt prachtvoller Erhabenheit der Bau eher eine morbide Melancholie verbreiten würde: Einen Blick sollten die Urlauber für das Haus schon übrig haben. Und Stadt und Eigentümer möglichst schnell zum Kompromiß finden – auch der Kur- und Feriengäste wegen. Denn auch diese würden wie die Einheimischen gern wieder ein Schwimmbad als Alternative zur Ostsee haben – vor allem im Winterhalbjahr. Die Stadt will ein solches am Baltic-Platz. Investor Matthias Wagner bot an, die in seinem Besitz befindliche Villa Baltic zu sanieren und im Anschluß ein Hotel mit Schwimmbad zu bauen. Während Bürgermeister Rainer Karl (CDU) an dem Platz etwas Besonderes haben möchte, wollen viele Kühlungsborner dort die Schwimmhalle, und der Investor will ein Luxus-Hotel bauen. Ob der im vergangenen Jahr ausgehandelte Kompromiß Realität wird, scheint noch offen: Das Luxus-Hotel soll einen separaten Bereich für eine öffentliche Schwimmhalle bekommen.

Doch weiter am Strand lang. Die Kühlungsborner Strandpromenade ist mit 3150 Metern die längste Deutschlands. Ebenfalls groß – sechs Kilometer lang und bis zu 50 Meter breit – ist der schöne Sandstrand. Hier ist viel Platz zum Sonnenbaden, Spielen und Sporttreiben. Drei Hundestrände und zwei spezielle Strände für FKK-Fans sollten für jeden Gast ein entsprechendes Angebot sein. Von der 240 Meter langen Seebrücke legen im Sommer regelmäßig Ausflugsschiffe nach Rerik, Warnemünde oder Grömitz ab.

Wie ein Stachel mitten im sorgenfreien Urlaubstrubel oder Kurgenuß ragt direkt an der Strandpromenade aus dem idyllischen Grüngürtel zur Stadt hin ein Wachturm der Grenzruppen der DDR in die Höhe. Der Ostsee-Grenzturm ist ein einmaliger Ort, an dem sich die Geschichte der Teilung Deutschlands authentisch erleben läßt.

Sabine und Horst Trettmann aus Bielefeld treffe ich am Fuße des Turmes. Beide blicken fassungslos nach oben zum verglasten Ausguck. „Wir sind Kinder des getrennten Deutschlands und wußten im Westen natürlich, daß die Grenzen nicht nur an der Mauer in Berlin dicht waren“, sagt Sabine, „doch daß hier direkt am Strand des Kurbades sozusagen jede Regung in der Badehose beobachtet wurde, beeindruckt und bedrückt uns mehr als alles, wovon wir hörten.“ Den Turm können Interessierte nämlich besteigen, mit dem Blick über den weiten Horizont der Ostsee, der früher einmal die Grenze war, läßt sich ermessen, wie die DDR „die Grenze des Arbeiter- und Bauernstaates und des Sozialismus“ schützen wollte. Millionen von Touristen, die jährlich an die Ostsee kamen, mußten ihren Urlaub unter Bewachung verbringen. Strenge Gesetze regelten den Badebetrieb, die Übernachtungen, die Meldepflicht und das Benutzen aller Arten von Wasserfahrzeugen. Und trotzdem nahmen sie für Ferientage an der Ostsee all dies notgedrungen in Kauf.


„Daß hier direkt am Strand des Kurbades sozusagen jede Regung in der Badehose beobachtet wurde, beeindruckt und bedrückt uns mehr als alles, wovon wir hörten.“


1973 wurde dieser See-Grenzbeobachtungsturm errichtet. Von der Kanzel in 15 Metern Höhe konnten die Grenzer bis zu zwölf Seemeilen weit das Seegebiet absuchen. 27 Türme dieses Typs standen entlang der DDR-Seegrenze. Heute sind noch zwei erhalten. Geschichtliche Führungen mit Inspektion des Turmes informieren Besucher über die ausgefeilten und tückischen Techniken der Grenzüberwachung. Viele Flüchtende begannen ihre Flucht in Kühlungsborn, „direkt gegenüber“, 40 Kilometer weit weg, lag Fehmarn. Dokumentiert sind 38 Fluchtversuche von Kühlungsborn aus, 15 Flüchtlinge erreichten das andere Ufer. Diese Schicksale, aber auch die alltäglichen Konsequenzen der Ostseegrenze für die Anwohner in Kühlungsborn werden mit diesem „Stachel“ direkt am Strand ins Bewußtsein gerufen.

Einem Einheimischen-Tip folgend suche ich nach einer stadtbekannten Thüringerin hier in Kühlungsborn. Die geborene Erfurterin Hanka Bolz ist zumeist auf „vergnüglichen Stadtführungen“ unterwegs. Leider an diesem Tag nicht. Mit zahllosen Anekdoten und Geschichten läßt sie ihre Begleiter in das Besondere der Stadt schauen – erzählt über die Einheimischen und die Zugezogenen, die Bäderarchitektur, Villen … Sie verrät zum Beispiel, warum ein Vier-Sterne-Superior-Hotel für viele Kühlungsborner ein besonderer Ort ist – weil es früher das Kreiskrankenhaus war und sie dort geboren wurden. Hanka Bolz weiß alles, erzählt vieles und würzt diese Geschichten mit Humor und eigener Meinung. Sie soll jedes Sandkorn am sechs Kilometer langen Strand kennen, erfahre ich in der Touristen-Information. Die Ex-Frau eines Kapitäns liebe Seemannsgarn und die örtlichen Sagen und Legenden. Wer sich traue, könne mit ihr nachts durch den dunklen Stadtwald wandern, ihren zauberhaften und gruseligen Geschichten lauschen und mit etwas Glück der Hexe Küboschka begegnen.

Die grüne Stadt am Meer – so wirbt Kühlungsborn für sich: Umgeben von Natur, im Zentrum ein Wald. Ein schmaler Waldstreifen schirmt die Seepromenade mit unverbautem Meerblick wohltuend vom Trubel des Boulevards ab, denn Kühlungsborn bietet auch ganz städtisch Hotels, Restaurants und Boutiquen in sanierten Bäderarchitekturvillen dicht an dicht und einen Bootshafen mit Flaniermeile. Von „verschlafenem Kurort“ kann man also nicht sprechen. Auch wegen der jährlich fast 300 Veranstaltungen. Das beginnt am Neujahrstag, wenn Tausende Schaulustige auf der Seebrücke zusehen, wie sich rund 300 Mutige in die eiskalte Ostsee stürzen. Pfingsten beginnt die Segelsaison mit einem Hafenfest, Mitte Juni folgt am Strand das Ambient-Festival „Sea&Sand“. Die Kunsthalle lädt zu Pianotagen, Jazz-Meeting, Kabarett-Abenden und Gitarrenfestival ein, im November ziehen die Gourmettage Gäste an und im Dezember sind Winter-Cocktailnacht, Weihnachtsmarkt und Silvesterparty die Attraktionen.

Ob auf Postkarten, Flaggen oder Prospekten stößt der Besucher auf das Motiv der drei fliegenden Möwen. Das Wahrzeichen symbolisiert die drei Orte, aus denen das Ostseebad 1937 entstanden ist: Brunshaupten, Arendsee und Gut Fulgen. Damals hieß Kühlungsborn übrigens Ostseebad Brunshaupten-Arendsee, bis es dann den heutigen Namen erhielt. Der stammt von dem kleinen Höhenzug Kühlung im Süden des Ortes, dessen höchster Punkt, der Diedrichshagener Berg, 130 Meter über Normalnull liegt. Dicht bewaldete Hügel, Schluchten, Bäche und Tümpel prägen die Landschaft und sind ein ideales stadtnahes Wandergebiet.

Bis Bad Doberan nutze ich den Molli, die Schmalpurbahn zwischen den Ostseebädern Kühlungsborn, Heiligendamm und Bad Doberan. Am Bahnhof Kühlungsborn-Ost steige ich ein in das Bähnle – und nach einer knappen dreiviertel Stunde in der Doberaner Mollistraße wieder aus.

Nicht nur wegen sechs gültiger Kfz-Kennzeichen – LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS und TET – für rund 12.000 Einwohner ist Bad Doberan eine besondere Stadt. Im Jahr 1793 wurde das erste deutsche Seebad Doberan-Heiligendamm durch Herzog Friedrich Franz I. gegründet. So bekam das Heilbad Doberan mit dem „Heiligen Damm“ einen Ostseestrand. Der Herzog badete damals nämlich auf Anraten seines Leibarztes Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel hier in der Ostsee. Vogel hatte die heilsame Wirkung des Seewassers gegen eine Reihe von Erkrankungen erkannt. Die klimatischen Vorzüge – staubarme und feuchte Luft, geringe Temperaturschwankungen, die üppigen Buchenwälder ringsherum sowie das Fehlen von Ebbe und Flut – sprachen für diesen Ort. Ein Bauboom setzte unmittelbar nach Seebad-Gründung am „Heiligen Damm“ ein, um der stetig steigenden Popularität des Seebades gerecht werden zu können. Zwischen 1793 und 1870 entstand aus den Ideen der Baumeister Johann Christoph Heinrich von Seydwitz, Carl Theodor Severin und Gustav Adolph Demmler ein einzigartiges klassizistisches Gesamtkunstwerk aus Bade- und Logierhäusern, das schnell zum elegantesten Seebad Deutschlands wurde. Europäischer Hochadel, auch die Zarenfamilie, verbrachten hier ihre Sommerfrische. Bis in die 30er Jahre blieb Heiligendamm ein exklusiver Badeort mit vielen prominenten Gästen.

Heute zeigt sich ein Großteil des Bades wieder in alter Herrlichkeit, doch wie auch in Kühlungsborn wird der gute Eindruck durch dem Verfall preisgegebene Villen geschmälert. Wie meist sind auch hier die Unterschiede zwischen Investoren-Vorstellungen und deren Finanzkraft sowie der Kommunen die Bremsklötze.

Lichtblicke gab es mit der Eröffnung des Grand-Hotels Heiligendamm nach dreijähriger sorgfältiger und liebevoller Rekonstruktion 2003, die zugleich eine Wiedergeburt von Deutschlands ältestem Seebad einläutete, und das besondere Aufmerksamkeit im Jahr 2007 erhielt als Ort des G8-Gipfels. Ein weiterer Lichtblick wurde im vergangenen Jahr erhofft, als der neue Eigentümer des Hauses den bisher geschlossenen, nur Hotelgästen zugänglichen Weg zur Seebrücke wieder für die Allgemeinheit öffnen, alle Tagesbesucher auf direktem Weg durch das Hotel zur Seebrücke laufen lassen wollte. Von Ostern bis Pfingsten wollte das Grand-Hotel testweise seine Pforten für die Tagesgäste-Ströme öffnen. Man wollte sehen, ob noch immer so viele Gäste wie bis 2004 nur über das Hotelgelände zum Strand laufen wollen oder ob sie auch in die Gastronomie des Hotels einkehren würden. Pfingsten war noch nicht heran, als das Experiment vorzeitig beendet wurde. „Der Ansturm von Neugierigen war so groß, daß sich die Gäste des Hotels teils massiv gestört fühlten“, begründete Hotel-Geschäftsführer Patrick Weber. „Wir hatten eine extreme Zunahme an Gastbeschwerden. Uns drohte, Umsatz verlorenzugehen.“ – Auch unter neuer Leitung scheint das Haus ein gastliches nur für besondere Gäste zu bleiben, während sich der normale Urlauber auf Um- und Nebenwegen den Strand erschließen muß. Schade …

Ich mache mich wieder auf den internationalen Radwanderweg Richtung Warnemünde. In Nienhagen gibt’s übrigens ein Riff! Vor der Küste des Ostseebades wurde in den letzten Jahren ein künstliches Riff errichtet, das zu Forschungszwecken dient. Die Arbeitsplattform ist von der Promenade aus gut zu erkennen.

Warnemünde. Nicht mit dem Kreuzfahrtschiff, sondern mit meinem Tourenrad komme ich in die Hafenstadt, die zugleich Seebad und der nördliche Stadtteil der Hansestadt Rostock ist. „Namensgeber“ ist der Fluß Warnow, der hier in die Ostsee mündet. Schon 1195 wurde Warenmünde erstmals in dänischen Urkunden erwähnt.

Ein 150 Meter breiter Sandstrand ist der breiteste Sandstrand an der deutschen Ostseeküste. Warnemünde ist übrigens zur Überraschung der meisten Deutschlands bedeutendster Kreuzfahrthafen – nicht Hamburg oder Kiel etwa. Mit der jedes Jahr stattfindenden Warnemünder Woche und der Hanse Sail zieht der Ort jeweils mehr als eine Million Touristen an. Und pflegt seinen Ruf als Hafen- und Seefahrer-Stadt.

Mindestens ebenso bekannt wie diese Veranstaltungen sind der grüne Leuchtturm und der „Teepott“ direkt neben dem Leuchtturm. Der Turm wurde 1897 erbaut und ist mit 37 Metern Höhe auch heute noch Seezeichen. Das Feuer wurde zunächst mit Petroleum betrieben, das aus dem Petroleumkeller heraufgepumpt wurde. Im Jahre 1917 erfolgte die Umstellung auf Gas, 1927 dann auf elektrisches Licht. Zwischen April und Oktober können Touristen den Turm besichtigen und von beiden Aussichtsplattformen auf Warnemünde blicken. Überlieferungen zufolge geht die Geschichte dieses Leuchtturms bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Das Turmleuchten, eine Licht- und Feuershow am Neujahrstag, zieht inzwischen bei jedem Wetter bis zu zigtausende Schaulustige an. Er gehört inzwischen zu den wichtigsten Wahrzeichen Warnemündes und wird oft in Verbindung mit dem danebenliegenden Teepott abgebildet. Dieser fällt durch sein muschelförmiges Betondach auf, das beim Bau 1965 eine weltweit be- und geachtete ingenieurtechnische Meisterleistung darstellte. Das Gebäude, entworfen von Architekt Ulrich Müther, stand ab 1992 zehn Jahre leer, bevor es wiedereröffnet wurde und seine Restaurants heute wieder genausogut besucht sind wie vorher.

Übrigens bietet sich vom Leuchtturm nun am Abend ein klarer Blick über den Breitling hinaus aufs Meer. Am späten Nachmittag hat sich hier der intensive Küstennebel endlich aufgelöst. Meine Rückfahrt mit der Bahn wird mich der untergehenden Sonne entgegenschuckeln, quer durch das Hinterland der Mecklenburger Ostseeküste.

FRANK FRIEDRICH



100 Meter breit, 100 Meter lang mitten in der Welterbe- und Hansestadt Wismar: Der größte Marktplatz Europas wird dominiert vom Rathaus (hinten), der Wasserkunst (vorn) und dem ältesten Gebäude der Stadt, dem „Alten Schweden“ (rechts) – ein um 1380 erbautes gotisches Backsteingiebelhaus.

Fotos (5): FRANK FRIEDRICH


Mecklenburger Wegweiser zum Ostsee-Radwanderweg: Die 8000 Kilometer lange Trasse verbindet alle Ostsee-Anliegerstaaten.


„Dampf“-Straßenbahn: Die Bäder-Kleinbahn Molli schnauft sich durch die belebte Mollistraße mitten durchs Doberaner Stadtzentrum.


Sommertag mit Küstennebel: In Kühlungsborn warten Urlauber aufs Aufklaren für ihre Schiffsfahrten.


Unselige Erinnerung an „überwachte Ferien“: Der ehemals als Wachturm der DDR-Grenztruppen genutzte Ausguck am Kühlungsborner Strand informiert anschaulich über Wachregime und die Fluchtversuche von hier aus.

 

Zur Sache

Stadt Ostseebad Kühlungsborn

Mit dem Zusammenschluß der Gemeinden Brunshaupten, Arendsee und Fulgen entstand 1938 die Stadt Kühlungsborn. Die beiden Kühlungsborner Stadtzentren – Kühlungsborn-West (früher Arendsee) und Kühlungsborn-Ost (früher Brunshaupten) werden durch einen etwa 130 Hektar großen Stadtwald verbunden. Die Stadt liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht zwischen den beiden Hansestädten Rostock und Wismar, die jeweils etwa 35 Kilometer nach Osten und Westen hin entfernt sind.

Heute leben hier rund 7500 Einwohner mit Erstwohnsitz und 860 mit Zweitwohnsitz.

Seit 1996 darf die Stadt Kühlungsborn zusätzlich den Titel „Seebad“ tragen. Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ist Kühlungsborn mit dem Umweltsymbol „Blaue Flagge“ für ausgezeichnete Badewasserqualität und erfolgreiche, kontinuierliche Umweltschutzmaßnahmen ausgezeichnet.

Die Stadt ist eine Urlauberstadt: Ihre wirtschaftliche Basis sind der Fremdenverkehr und der Kurbetrieb. 120 Beherbergungsbetriebe, ein Campingplatz, vier Kureinrichtungen und 109 Gastronomiebetriebe stehen für die Gäste bereit. In den letzten Jahren blieben jeweils über 415.000 Gäste – vor allem aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg sowie der Schweiz, Dänemark und Schweden – rund 2,5 Millionen Nächte in Kühlungsborn. Mit 6,1 Tagen erreicht Kühlungsborn eine Spitzen-Verweildauer der Urlauber.


 

 

Maritime Atmosphäre

Rostock: Größter norddeutscher Weihnachtmarkt

Lebkuchenduft, Lichter, Lieder: Der größte Weihnachtsmarkt Norddeutschlands in Rostock lockt seit Jahren auch immer mehr auswärtige Besucher und Advents-Urlauber an: Rund 1,5 Millionen Gäste besuchen den Markt jährlich in der Vorweihnachtszeit. Vor der Kulisse der historischen Innenstadt mit den mächtigen gotischen Kirchen, den romantischen Gassen und prächtigen Backsteinhäusern läßt der Weihnachtsmarkt mit seinen rund 300 Verkaufsständen in eine besondere maritim-vorweihnachtliche Atmosphäre eintauchen. Vom Neuen Markt entlang der Kröpeliner Straße bis zum Stadthafen bieten auf über drei Kilometern Händler aus fast allen Bundesländern, aus Schweden, Finnland und dem Baltikum ihre Waren an, darunter vor allem kostbare Handwerkskunst, locken süße und herzhafte Köstlichkeiten sowie Karussells, Riesenrad und Live-Musik. Traditionell kommt der Weihnachtsmann mit einem Schiff im Stadthafen an. Auf der Märchenschloß-Bühne am Neuen Markt wird ebenso traditionell jeden Sonnabend und Sonntag ein eigens für den Rostocker Weihnachtsmarkt inszeniertes Märchenspiel aufgeführt.

Darüber hinaus lädt zwischen historischem Kloster und der alten Stadtmauer ein historischer Weihnachtsmarkt mit ganz besonderem Flair ein: Im besinnlichen Licht von Fakkeln und Feuerschalen ziehen historische Personen wie Königin Margarete von Dänemark, Waldemar von Rostock oder der gefürchtete Seeräuberkapitän Arne Feuerschlund umher. Wo Schmied, Holzschnitzer, Gewandschneider, Weber, Töpfer oder Lederer ihren Geschäften nachgehen, treibt zudem Till Eulenspiegel seine Späße mit den Besuchern.

Für die Besucher, die auch im Advent eher „Action“ suchen, ist die Winterkirmes an der Fischerbastion mit Karussells und Fahrgeschäften das richtige Ziel.


Foto: TVMV-ARCHIV

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