Highlights 2012

NTI-Titelbild NTI 3/2012: Keine Antworten
Der aus den Städten Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg bestehende Verbund „Städtedreieck am Saalebogen“ und die damit verbundene Idee, über alle Rivalitäten hinweg konstruktiv zusammenzuarbeiten, hat sich bewährt. Im März 1997 vereinbarten die damaligen Stadtoberhäupter sogar einen Kooperations-Vertrag, der seitdem mit Leben erfüllt wurde.
15 Jahre später blickten die damaligen Akteure beim Besuch von NTI-Reporter Frank Friedrich in der Region auf die Anfänge dieser Drei-Städte-Initiative zurück. Man habe sich ziemlich konfliktfrei zur Zusammenarbeit gefunden. Wichtig dafür sei wohl die von Beginn an festgeschriebene „Beachtung gemeindlicher Selbständigkeit“ gewesen. NTI-Mann Friedrich erfuhr bei seinen Recherchen für die Ausgabe 3/2012, daß es noch eine andere, mindestens wohl ebenso wichtige Basis für die auch spätere gute Zusammenarbeit gab. Die drei Bürgermeister Dr. Hartmut Franz (Freie Wähler) aus Rudolstadt, Richard Beetz (CDU) aus Saalfeld und Michael Pabst (CDU) aus Bad Blankenburg waren gute Freunde, kannten sich aus ihrem vorherigen Leben und aus dem 89er Herbst. „Wir sind alle drei Ingenieure und waren in der DDR zur pragmatischen Lösung von Problemen gezwungen. So handelten wir es auch in unseren politischen Ämtern. Für das Gemeinwesen wie für den einzelnen ist nur die Politik gute Politik, die schnell und einfach Probleme lösen hilft“, erzählte Michael Pabst dem Reporter.
Diese Form der Zusammenarbeit hat sich längst auch unter den amtierenden Bürgermeister-Nachfolgern bewährt. Die im Jahr 2011 neu kreierte Bezeichnung „Dreiklang ... Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg“ ersetzt das „Städtedreieck am Saalebogen“. Damit soll vor allem die Außenwirkung bei gleichzeitiger Konkretisierung mit den Städtenamen gestärkt werden. „Ohne das gemeinsame und abgestimmte Auftreten wären die drei Städte schon längst im Niemandsland Thüringens verschwunden“, betonte dazu Rudolstadts Bürgermeister Jörg Reichl (Bürger für Rudolstadt) im Interview.
An der Innendarstellung der Arbeitsgemeinschaft muß indes noch gehörig gearbeitet werden. Eine freilich nicht repräsentative NTI-Befragung in den Straßen der drei Städte machte, wie die NTI in einem Beitrag berichtete, einen erschreckenden Bekanntheitsgrad der Kooperation deutlich.
Das Defizit in Sachen Öffentlichkeitsarbeit treffe insbesondere auf Saalfeld zu. „Dort wird eine eigenartige Informationspolitik betrieben“, kritisierte die NTI im gleichen Heft. Einen Interviewtermin bei einem aktiven Bürgermeister der Kreisstadt zu erhalten, hatte sich für die Neue Thüringer Illustrierte seit über einem Jahrzehnt als unrealistisches Unterfangern erwiesen. Zumindest eine schriftliche Beantwortung von zuvor eingereichten Fragen durch den Bürgermeister wurde diesmal aus dem Saalfelder Rathaus der NTI-Redaktion in Aussicht gestellt.
Aber als das Stadtoberhaupt aus seinem wohlverdienten Urlaub zurückgekommen war, wollte es so kurz vor der Bürgermeisterwahl nun doch keine Antworten mehr liefern. Zumindest zwei Fragen, nämlich zum Einbruch bei den Saalfelder Übernachtungszahlen von knapp 130.000 im Jahr 2001 auf unter 95.000 im Jahr 2008 sowie zur Resonanz und Akzeptanz des im Jahr 2010 festgeschriebenen Saalfelder Stadtentwicklungskonzeptes, mußten Bürgermeister Matthias Graul (parteilos) mißfallen haben. Zum Glück gibt es den Städteverbund, hinter dem man sich als Bürgermeister schön vor unliebsamen Journalistenfragen verstecken kann.
Am 29. März 2012 nämlich wurde der Neuen Thüringer Illustrierten per E-Mail mitgeteilt:„Der Rat der Bürgermeister, d.h. die Bürgermeister der Städte Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg, haben in ihrer heutigen Sitzung (der ersten Sitzung nach Ihrer Anfrage) beschlossen, die Interviewfragen nicht zu beantworten.“
Das warf in der NTI-Redaktion natürlich eine Frage auf: „Hat der ehrenwerte Rat der Bürgermeister nicht eigentlich jede Menge wichtigere Probleme?“

 

NTI-Titelbild NTI 4/2012: „Falsches Spiel“
Dr. Volkhardt Germer (parteilos) war erster Nachwende-Oberbürgermeister in Weimar, mußte das Amt nach den Kommunalwahlen 1990 abgeben und erstritt es 1994 erneut. Zwölf Jahre später trat er nicht mehr an. Was er über seine Zeit als erster Weimarer Bürger denkt und wie es ihm im Jahr 2012 geht, berichtete er in einem Interview für die Rubrik „Damals in der NTI“ für die Ausgabe 4/2012.
Germer rechnete darin mit seinem Vorgänger Dr. Klaus Büttner (CDU) ab: „Ich bin 1994 angetreten mit dem Versprechen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen und die Schuldenlast abzubauen. Das ist trotz vieler Probleme, die sich immer wieder auftaten, gelungen. Weimar steht heute – wie unlängst in der Zeitung zu lesen war –  ,nur’ noch mit 74,4 Millionen Euro in der Kreide. Mein Vorgänger hat der Stadt ein katastrophales Erbe hinterlassen. Im September 1994 waren wir nicht einmal mehr in der Lage, die Gehälter für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu zahlen. Ich bin nach Erfurt gefahren und mit zehn Millionen D-Mark zurückgekommen. Daß wir diese dramatische Situation schließlich überwunden haben, verdanken wir einem externen Controller.“ Der Kontrolleur hieß Horst Krautter und kam aus Schwaben, wo die Menschen besonders sparsam sind. „Amtsvorgänger Büttner hat Herrn Krautter noch nach Weimar geholt, verbot ihm und den Kritikern dann jedoch, die wahre Situation vor der Wahl offenzulegen. Die Liste mit den Vorhaben, die er nach der Wahl umsetzen wollte, hatte er aber schon in der Schublade. Ein  falsches Spiel.“
Germer räumte außerdem mit der Ansicht auf, sein Vorgänger im Amt, Klaus Büttner, habe das Ereignis der Kulturstadt Europas 1999 eingerührt und er als Nachfolge-Oberbürgermeister sei einer der Nutznießer gewesen: „Die Vorgeschichte ist älter und der Werdegang ein anderer. 1990, noch zu DDR-Zeiten, haben wir unter großer Beteiligung den Verein ,Kulturstadt Weimar’ gegründet. Ich wurde als Initiator sein Vorsitzender. Im Vorfeld einer Bewerbung um den Titel haben wir die Kulturminister in Europa angeschrieben. Der Rücklauf stimmte optimistisch. Unsere Vorgehensweise war zwar der falsche Weg. Aber so landete der Vorgang auf dem Schreibtisch von Herrn Büttner. Er veranlaßte eine erste Bewerbung, die in jeder Hinsicht katastrophal war, weshalb der Kulturausschuß sie stehenden Fußes zurückzog und durch eine zweite ersetzte, die dann in Brüssel auf breite Akzeptanz stieß und auch im nachhinein als richtungsweisend für die Zukunft gewürdigt wurde.“

 

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER.

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