Highlights 2008

NTI-Titel 5 2008
NTI 5/2008: Faule Ausrede
Wenn ein NTI-Interview gelingen und die Leser tatsächlich in seinen Bann ziehen soll, sind sowohl Interviewer als auch Interviewter gefordert. Die intensive Vorbereitung und die professionelle, ja originelle Fragestellung des Redakteurs, die Art und Weise, eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre aufzubauen, sind wichtig. Aber gerade die grundsätzliche Bereitschaft des Befragten, sich auf ein solches Unterfangen einzulassen, seine Lust, sich zu öffnen, streitbar seine Ansichten zu vertreten, ja vielleicht auch mal zu visionieren, machen den Leseanreiz aus.
Als Problemfall für das Genre Interview hat sich für die NTI mittlerweile die Stadt Saalfeld erwiesen. Das liegt vor allem daran, weil die Stadtverwaltung eine eigenwillige Art von Öffentlichkeitsarbeit betreibt.
1997 ließ der Saalfelder Bürgermeister Richard Beetz (CDU) das von NTI-Mitarbeiter Klaus Ranglack geführte Interview anläßlich der Berichterstattung über den von Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg gegründeten Städteverbund beinahe platzen. Eine Autorisierung wurde nur für den Fall in Aussicht gestellt, wenn als Gegenleistung zwei offensichtlich als unangenehm eingestufte Fragen nicht veröffentlicht würden. Das war um so erstaunlicher, weil der Bürgermeister im geführten Interview selbst daran keinen Anstoß genommen und darauf sogar geantwortet hatte. Die Redaktion lenkte ein, weil sie der Ansicht war, daß ein Abdruck nur dann sinnvoll sein kann, wenn ein Stadtoberhaupt zu seinen Äußerungen in der Öffentlichkeit aus voller Überzeugung stehe.
2003 hielt es Beetz dann gleich ganz unnötig, gegenüber der NTI etwas zum Städtedreieck zu sagen. Das solle ruhig sein Amtskollege in Rudolstadt, Dr. Hartmut Franz, für alle Beteiligten tun. Franz war damals Sprecher des Städtedreiecks und damit hatte die Sache einen gewissen Charme, den der damalige NTI-Autor Dr. Michael Schäf in die Worte kleidete, daß Beetz das Gemeinsamkeitsprinzip mittlerweile sehr stark verinnerlicht habe.
Inzwischen wechselte das Amt des Sprechers im Städtedreieck an den jetzigen Saalfelder Bürgermeister. „Matthias Graul ist am 7. Mai 2006 als einziger Kandidat einer Stadt mit immerhin 28.000 Einwohnern zum Bürgermeister gewählt worden. Doch auch der studierte Schiffsmaschinenbauer und Verwaltungsbetriebswirt hat zum Städtedreieck nichts zu sagen“, berichtete Gerd Pospischil, Autor des Titelthemas für die NTI 5/2008, in seinem Beitrag „Verschiedene Gewichtsklassen“. Das Saalfelder Stadtoberhaupt ließ vielmehr ausrichten, daß zu diesem Thema im vergangenen Jahr ausreichend berichtet wurde. Damit entfalle für ihn die Notwendigkeit einer Information.
Das war natürlich eine faule Ausrede, weil doch die Stadt ausgerechnet im Jahr 2008 auf eine 800jährige Geschichte zurückblickte und somit die ganze Region im Blickpunkt des allgemeinen Interesses in und über Thüringen hinaus stand.
„Das Schweigen des Bürgermeisters ist natürlich schade für den NTI-Redakteur, der sich bereits auf ein spannendes Gespräch gefreut hatte. Bedauern dürften es vor allem Unternehmer, Gewerbetreibende, am regionalen Geschehen Interessierte, daß sie nicht aus erster Hand erfahren dürfen, vor welchen Problemen und Herausforderungen Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg beim Zusammenwachsen zum Städtedreieck stehen und wie sich der verantwortliche Sprecher dazu positioniert“, kommentierte dazu die Neue Thüringer Illustrierte.
Wenigstens einen Eindruck davon, was die Städtedreieck-Macher zu diesem Zeitpunkt beschäftigte, vermittelte Wolfgang Dütthorn, Erster Beigeordneter der Stadt Saalfeld und Dezernent für Stadtentwicklung, im NTI-Gespräch. Man sei im Begriff, die Arbeit an einem gemeinsamen Handelskonzept zu beginnen, erklärte er gegenüber NTI-Mann Pospischil. „Da könnte es um solche wichtigen Fragen gehen, wieviel Handelseinrichtungen die Region noch verträgt, welche gegenseitigen Interessen es abzuwägen gibt.“ Konkreten Anlaß dafür lieferte die geplante Ansiedlung eines Mediamarktes in Saalfeld, gegen den sich in Rudolstadt und Bad Blankenburg seinerzeit erheblicher Widerstand regte. Dütthorn konnte das nur bestätigen: „Das ist ein Punkt, der die Zusammenarbeit im Städtedreieck derzeit belastet.“ Was beweise, merkte die NTI im Leitartikel an, auf welch schwachen Beinen der mittlerweile im elften Jahr bestehende Städteverbund eigentlich stehe.

NTI-Titel 11 2008
NTI 11/2008: „Gefährdete Demokratie“
Nachdem das Vorhaben der SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti, sich gemeinsam mit den Grünen unter Tolerierung der Linkspartei zur neuen hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen, durch das Verhalten von vier SPD-Mandatsträgern gescheitert war und deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, bezeichnete Thüringens Die Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow im Vorfeld des Thüringer Landtagswahlkampfes im NTI-Interview für Ausgabe 11/2008 „unsere parlamentarische Demokratie“ als gefährdet: Wenn die Parteien anfangen würden, unzuverlässig zu werden, nur weil ein einzelner Abgeordneter für sich beschließe, sein Mandat jetzt zu privatisieren und dieses nicht mehr in den Kontext der Partei zu stellen, die ihn aufgestellt habe, steckten wir in einer tiefgreifenden Krise.
Thüringens CDU-Landtagsfraktionsvorsitzender Mike Mohring sah sich daraufhin zu einer Presseerklärung veranlaßt. Nach den Worten des Christdemokraten wolle Ramelow aus freien Abgeordneten Erfüllungsgehilfen einer Partei machen und lege die Axt an eine tragende Säule des freiheitlichen Verfassungsstaats. Es sei dem linken Vormann offenbar entgangen, daß durch das freie Mandat ein fundamentaler Betrug am Wähler verhindert worden sei. „Die Allmacht von Parteien findet in freien Abgeordneten ein notweniges Korrektiv“, argumentierte Mohring.

NTI-Titel Ostsee 2008
NTI-Sonderausgabe „OSTSEE“ 2008: Deutlicher Trendwechsel

„Rund 38 Prozent der Menschen in Thüringen haben in den letzten sieben Jahren mindestens einen Jahresurlaub an der Ostsee verbracht. Das sind fast dreimal so viele wie in den 90er Jahren (13,6 Prozent). Beinahe 29 Prozent waren allerdings vor 1990 das letzte Mal während eines Jahresurlaubs an der Ostsee. Damit scheint sich die Ostsee als Urlaubsziel nach einer Flaute in den 90ern wieder erholt zu haben.“ Diese zumindest für das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern positive Nachricht konnte die NTI in ihrer Ostsee-Sonderausgabe 2008 vermelden. Die Zeitschrift bezog sich dabei auf eine exklusive Befragung des Unternehmens aproxima Agentur für Markt- und Sozialforschung Weimar, die im Juni 2007 in Thüringen unter 1000 repräsentativ ausgewählten Einwohnern ab dem 18. Lebensjahr durchgeführt wurde. Gefragt wurde danach, wann man das letzte Mal seinen Jahresurlaub an der Ostsee verbrachte.
Der Umfrage zufolge habe der Sommerurlaub bei den Ostsee-Besuchern aus Thüringen an Bedeutung verloren. Seit der Jahrtausendwende lasse sich ein deutlicher Trendwechsel beobachten: „Die Vor- und die Nachsaison haben an Attraktivität gewonnen. Seit 1990 nimmt die Zahl der letzten Ostseebesuche in der Frühjahrs- und Herbstzeit zu. Mehr als jeder Fünfte (21,5 Prozent) genoß seit 2006 im Frühling den letzten Urlaub an der Ostsee. Und fast 14 Prozent geben den letzten Urlaub im Norden Ostdeutschlands für die Herbstzeit an. Das ist seit 1990 betrachtet mehr als eine Verdreifachung der Besuche im Frühjahr und eine Verdopplung im Herbst.“
Doch die NTI-Exklusivumfrage zeigte auch eine Schattenseite auf, die für die Tourismusakteure in Mecklenburg-Vorpommern aufschlußreich gewesen sein dürfte: Etwa jeder siebte Bürger im Freistaat (14,1 Prozent) hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie den Weg an die Ostsee gefunden.

 
NTI-Sonderausgabe „Muntermacher aus dem Osten“ 2008: Innovativer Kern

„Der Osten ist anders, der Osten tickt anders“, kommentierte die Neue Thüringer Illustrierte schon in der Sonderausgabe „Muntermacher aus dem Osten“ 2007. Auch die Recherchen für die folgende Ausgabe zum Jahresende 2008 konnten das sehr wohl belegen: Die Erfahrung aus den Anfangsjahren der Umorientierung der Wirtschaft haben die Ostdeutschen den Westdeutschen voraus. Das stellte NTI-Autor Frank Friedrich im Hauptbeitrag fest: „Diese erfahren nun dasselbe, denn die global durch den Amok laufenden Finanzkapitalismus verursachte Krise zeigt plötzlich den wahren Wert der Produkte, die wahren Leistungen des Führungspersonals großer, (zu)lange Zeit von der deutschen Politik verhätschelter Unternehmen.“
In den neuen Bundesländern habe man aus der Nachwende-Krise gelernt, weiter zu denken als bis morgen, erklärte der Redakteur. In Ostdeutschland erwuchs keine Kopie der westdeutschen Gesellschaft, sondern etwas Neues. Zu den Produktinnovationen füge sich immer häufiger unternehmerisches, geistiges und politisches Anderssein.
Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, IWH, zeigt sich im NTI-Interview für die Sonderausgabe sogar davon überzeugt, daß die ostdeutsche Wirtschaft, die hier geführten Unternehmen, in ihrer Gesamtheit besser in der Lage sind, die Krise zu überstehen, ja ihre Stellung im deutschen Wirtschaftsleben vielleicht sogar gestärkt wird. Mehr noch: „Der Osten könnte sich mit seinen Erfahrungen als der innovative Kern einer erneuerten deutschen sozialen Marktwirtschaft erweisen.“
Als das Gespräch auf die Entwicklung der mitteldeutschen Wirtschaft in den letzten Jahren kam, geriet Wirtschaftswissenschaftler Blum regelrecht ins Schwärmen: „Sie ist erfolgreich! Mit unseren Hochtechnologiebereichen stehen wir sehr gut da, können zuversichtlich in die Zukunft schauen. Unheimlich gut gelungen ist der Aufbau einer modernen, eigenen Technologie. Die modernste Umwelttechnologie kommt aus Mitteldeutschland – ein Alleinstellungsmerkmal, das keiner in Westdeutschland oder in Europa sonst hat: von Biomasse über Biofood bis Solartechnik – das ist eine rein mitteldeutsche Veranstaltung.“

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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