Highlights 2006

NTI 5/2006: Leidenschaft für Thüringen
180 Titelbilder der Neuen Thüringer Illustrierten wurden anläßlich des 15jährigen Bestehens der NTI vom 30. März bis 24. April 2006 im Hermsdorfer Stadthaus ausgestellt. Mit einem Grußwort eröffnete der scheidende Landrat des Saale-Holzland-Kreises, Jürgen Mascher (CDU), die gemeinsam vom SHK-Landratsamt, der Stadt Hermsdorf und der Neuen Thüringer Illustrierten organisierte Veranstaltungsreihe „Wirtschaft trifft Satire“: Schon viele Jahre verbinde den Saale-Holzland-Kreis eine produktive Zusammenarbeit mit der NTI, die auf vielfältige Weise den Landkreis vorstelle, „vor allem unsere innovativen Unternehmen, die Kurlandschaft, die Agrarbetriebe, die touristische Entwicklung, die aber auch kommunalpolitische Themen nicht ausgespart hat“. Als Höhepunkt der Zusammenarbeit mit der NTI bezeichnete der Landrat den 2004 erschienenen Jubiläumsband „Rückblicke-Einblicke-Ausblicke“, der zehn Jahre Saale-Holzland-Kreis ausschließlich anhand von Artikeln aus der NTI widerspiegelte.
„Lieber Herr Raabe, lieber Herr Schuster, die NTI wird 15 Jahre – Respekt vor dieser Leistung!“, wandte sich der Landrat an die Blatt-Macher. „Ich wünsche Ihnen und der gesamten Mannschaft der NTI, daß Sie sich weiterhin in dieser nicht ganz einfachen Zeitungslandschaft Thüringens behaupten werden. Die NTI ist ein ‚Ostprodukt’, das von Thüringern für Thüringer herausgegeben wird, welche sich leidenschaftlich für ihr Thüringer Land interessieren“, würdigte Politprofi Mascher. „Bewahren Sie sich alle, die gesamte Mannschaft der NTI und ihre Außenmitarbeiter, die nötige Zähigkeit, vor allem aber die Begeisterung und die Kreativität in Ihrer Arbeit. Ohne diese ‚Tugenden’ wäre solch ein Journal, das in seiner thematischen Vielfalt und seinem journalistischen Anspruch wohl konkurrenzlos in Thüringen ist, kaum 15 Jahre lang kontinuierlich erschienen.“
Zum NTI-Jubiläum sendete auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) herzliche Glückwünsche, die im Heft 5/2006 veröffentlicht wurden: „Die Zeitschrift hat den Aufbau Thüringens nach der Wende nahezu von Beginn an kritisch begleitet. Das Magazin berichtet aus dem Freistaat über den Freistaat. Schon allein deshalb ist die Lektüre lesenswert.“ Dabei scheue, so Althaus weiter, das Blatt nicht vor deutlicher Bildsprache zurück. Er erinnere sich zum Beispiel an die erste Ausgabe im Mai 1991: „Das Titelbild zeigte einen am Tropf hängenden Löwen. Ein Sinnbild für den Zustand des Freistaates, als die erste demokratische gewählte Regierung nach 40 Jahren SED-Herrschaft Verantwortung übernahm.“
Zwar sei nach Ansicht des Ministerpräsidenten der „Patient“ längst auf dem Wege der Besserung. Dennoch gäbe es noch viel zu tun. „Ich bin sicher“, zeigte sich der MP zuversichtlich: „Die Neue Thüringer Illustrierte wird die weitere Entwicklung des Freistaates mit wachem Auge verfolgen – das Ohr zugleich stets am Puls der Zeit.“
Obwohl in der NTI über Dieter Althaus in seiner Zeit als Kultusminister wegen seines Vorpreschens in Sachen Rechtschreibreform gewitzelt, Jürgen Mascher für seine Zögerlichkeit als Sparkassen-Verwaltungsratsmitglied im Skandal des Jenaer Geldinstituts gerügt oder beispielsweise gegen den Erfurter Oberbürgermeister Manfred Ruge wegen seines vereinnahmenden Wesens bei der Eingemeindung von Kommunen im Randgebiet der Landeshauptstadt im Zuge der Gebietsreform heftig polemisiert wurde, wird die Illustrierte offenkundig gerade von diesen und anderen freistaatlichen Frontleuten als Standardlektüre genutzt und wohl auch geschätzt.

NTI-Titel 10 2006
NTI 10/2006: Stich ins Herz

Ausgerechnet der erste dem Wartburgkreis gewidmete NTI-Titel traf so gar nicht den Geschmack der Verantwortlichen in den Amtsstuben der dortigen Verwaltung. Stein des Anstoßes im Heft 1-2/1998, einer Doppelnummer, war wohl weniger die künstlerische Um- und Auseinandersetzung des Berliner Collagenkünstlers Andreas Prüstel mit dem Wahrzeichen der Region. Vielmehr erregte die Schlagzeile „Wartburg ade – Wie ein Kreis seinen Namen nicht verdient.“ die Gemüter. Als Anti-Werbung fürs Fremdenverkehrsgeschäft soll der damalige Landrat Dr. Martin Kaspari (CDU) die NTI-Ausgabe abgestempelt haben.
Zwar hätte man im Hause Kaspari wissen müssen, daß die Neue Thüringer Illustrierte nicht als offizielles Standort- und Tourismusprospekt des Wartburgkreises gedruckt und vertrieben wird. Und es nicht journalistischer Anspruch sein kann, der Leserschaft diesen Landstrich, allen Problemen zum Trotz, ausnahmslos als eine heile Welt zu vermitteln. Trotzdem erschien der Frust von Kaspari & Co. zu diesem Zeitpunkt durchaus verständlich: „Mit dem kreisfreien Eisenach verlor der 1994 ins Leben getretene Wartburgkreis, den viele als eine ‚Zangengeburt’ ansahen, nicht nur ein knappes Viertel seiner Einwohner, sondern auch seine unumstrittene Perle und mit ihr das Wahrzeichen, das ihm den Namen gab. Für den Kreis also ein Stich mitten ins Herz“, kommentierte die NTI in der heftig kritisierten Ausgabe die Entlassung der Wartburgstadt aus dem Wartburgkreis in die Kreisfreiheit und die damit verbundene Gemüts- und Gemengelage in der Region.
Die Berichterstattung ließ auf jeden Fall Zweifel, daß diese eingeleitete Entwicklung gutgehen könne. „Aus einem der wirtschaftlich stärksten und größten Kreise bleiben ein durchschnittlicher Landkreis und die kleinste kreisfreie Stadt im Freistaat Thüringen“, lautete das Fazit.
Für zwei Partner, die getrennte Wege gehen, sich aber weiterhin angeblich gut verstehen, wurde fortan der Begriff Wartburgregion geprägt. Tatsächlich zogen Stadt und Kreis aber viel zu selten an einem Strang. Vor allem Eisenach versuchte, sein eigenes Leben zu leben und neue Partnerschaften zu knüpfen. Die Vision von einem Städteverbund Westthüringen mit Gotha, Mühlhausen, Bad Langensalza erschien als Druckmittel gegenüber der Thüringer Landesregierung in Erfurt gegen ein vielbefürchtetes Oberzentrum Südthüringen vielleicht geeignet, als echt praxistauglich erwies sich ein solches Gebilde nicht.
„Manchmal ist es besser, die vergangenen Dinge auf sich beruhen zu lassen, um den Blick nach vorn richten zu können“, gab der neue Landrat des Wartburgkreises, der von der CDU nominierte parteilose Reinhard Krebs, im NTI-Interview für die Ausgabe 10/2006 eine neue Devise aus.
 NTI-Autor Gerd Pospischil erlebte bei seinen Recherchen in der Wartburgregion nicht nur einen anscheinend weitsichtigen Kaspari-Nachfolger, sondern ein allgemeines Umdenken bei den dortigen Akteuren. Eine Art Aufbruchstimmung? „Wenn man so den Blick umherschweifen läßt, kann man den Eindruck bekommen, daß es zumindest personell seit den Wahlen vom Mai 2006 eine Art Aufbruch gibt, die Karten in einer gewissen Weise neu gemischt wurden.“
Das traf ganz besonders auf das kreisfreie Eisenach zu. So verkündete Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD), ebenfalls seit 1. Juli neu im Amt, „die Gemeinsamkeiten der Stadt Eisenach und des Wartburgkreises besser bündeln“ zu wollen als bisher. Warum auch nicht! Die Wartburgregion insgesamt kann doch eigentlich mit allem dienen, was heutzutage als besonders wertvoll empfunden wird: mit einer arbeitsplatzintensiven Industrie, einer niveauvollen Kultur und altehrwürdigen Geschichte - und das Ganze in einer reizvollen und vielfältigen Landschaft.
Worte und Ankündigungen, denen bereits Taten folgten: „Im Verhältnis der regionalen Hauptakteure – Eisenach und Wartburgkreis – manifestiert sich der ‚Ruck’ anschaulich in der Eisenach Wartburgregion Touristik GmbH“, berichtet die NTI im Hauptbeitrag. Vom Inhalt her gehe es insbesondere um eine intensivere Vernetzung von Natur und Kultur, also darum, den Rennsteig und den Naturpark Hainich mit den Sehenswürdigkeiten Eisenachs wie der Wartburg, dem Luther- und dem Bachhaus oder dem Landestheater in konkreten Angeboten zu verbinden.
Zwar reichte dieses Kooperationsprojekt auf eine Beschlußvorlage aus dem Jahre 2005 zurück. Allein die Verhandlungen um Geld, Personal und Verantwortlichkeiten sollen fast drei Jahre gedauert haben. „Daß jetzt die Nägel mit Köpfen gemacht wurden, ist sicher auch der Vorarbeit zu verdanken, aber allem Anschein nicht nur“, so der NTI-Beitrag. „Immerhin haben sich Landrat Reinhard Krebs und Oberbürgermeister Matthias Doht seit ihrem Amtsantritt oft getroffen, und zwar nicht am Rande irgendeiner Tagung, sondern einzig, um sich über die beiderseitigen Fragen und Probleme auszutauschen.“
In einem Kommentar versuchte die NTI, künftiger Euphorie vorzubeugen: „Das Wieder-Zusammenwachsen wird, das zeigt sich schon ganz konkret an diesem ersten Kooperationsprojekt, kein einfacher Prozeß. Denn offensichtlich konnte man sich bei diesem gemeinsamen Unterfangen nicht auf einen Geschäftsführer einigen. Die Eisenach Wartburgregion Touristik GmbH wird nämlich vorerst von einer Doppelspitze geführt.“
Vielleicht hätte die Neue Thüringer Illustrierte mit dem Titelbild der 2006er „Wartburgregion“-Ausgabe sogar beim einstigen Landrat Kaspari punkten können. Das versuchte gestalterisch an die damals heftig kritisierte Collage anzuknüpfen. Die erneut vom Berliner Andreas Prüstel im Auftrag der NTI-Redaktion vorgenommene Um- und Auseinandersetzung mit dem Wahrzeichen der Region wird dabei für die einstigen Kritikusse vielleicht weniger interessant gewesen sein. Allein die Schlagzeile „Wartburg verbindet – eine aussichtsreiche Region rückt wieder zusammen“, dürfte so manchen regionalen Akteur positiv gestimmt haben.

 

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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