Highlights 2004

NTI-Titel 6 2004
NTI 6/2004: Ostsee-Muffel
Als im Thüringer Städtedreieck Rudolstadt, Saalfeld, Bad Blankenburg die langfristigen Vorbereitungen auf dem 105. Deutschen Wandertag auf Hochtouren liefen, schauten sich Mitarbeiter der Neuen Thüringer Illustrierten an der "wanderbaren Ostseeküste" um, weil dort, in Kühlungsborn, gerade die 104. Auflage dieses Highlights stattfinden sollte. Was bei den Recherchen für einen NTI-Sonderteil "Die Deutschen Wandertage zwischen Meeresrauschen und grünen Höhen" in Ausgabe 6/2004 sofort auffiel: "An den zwischen Nordhausen und Sonneberg, Eisenach und Altenburg vorherrschenden Dialekten mangelt es unter den Ostseeurlaubern. Thüringen hält in der dortigen Besucherstatistik zusammen mit anderen Südländern die rote Laterne." Und weil durch die Berichterstattung außerdem deutlich wurde, "wie weit die boomende Ostseeregion dem flügellahmen Tourismusland Thüringen voraus ist", reifte der Entschluß, fortan, also ab 2005, jedes Jahr eine ganze Ausgabe der Neuen Thüringer Illustrierten, ein Sonderheft, der Ostsee zu widmen.
"Ganzjahrestourismus ist etwas, wovon fast alle Touristiker an der Ostseeküste reden und für den wir auch mit der Sonderausgabe unserer Zeitschrift in Thüringen und darüber hinaus werben möchten. Dafür bedarf es aber attraktiver Angebote für die Zeit außerhalb der Sommermonate und der Ferien", gab Jürgen Raabe, NTI-Geschäftsführer und erklärter Ostseefan, für das Ostsee-Heft 2006, die Devise aus.
In ebendieser Ausgabe spielten dann makabere Ereignisse auf Rügen und an der Ostseeküste eine wesentliche Rolle in der NTI-Berichterstattung. "Das Schweigen der Schwäne oder der ganz normale Wahnsinn, der zwangsläufig ausbricht, wenn hierzulande kein einziger Mensch an Vogelgrippe erkrankt." In der "Fischhalle am Hafen" von Stralsund erfuhr der Redakteur aus Weimar von Inhaberin Daniela Zucker, daß die Vogelgrippe unter den Einheimischen einen Namen habe: Backhaus. Der sei Minister im fernen Schwerin und habe von den Konsequenzen ausbleibender Touristen keine Ahnung.
"Zwar hat das Vogelgrippe-Gespenst an der Ostsee und anderswo längst seinen Schrecken verloren und kaum ein Gast wird sich ernsthaft vor der Gefahr einer solchen Tierseuche fürchten, aber die Auswirkungen werden wohl doch länger zu spüren sein.
Die Panikmache um die toten Vögel könnte seinerzeit nämlich so manchen potentiellen Ostsee-Urlauber von vornherein davon abgehalten haben, in Mecklenburg-Vorpommern seine Ferien einzuplanen und statt dessen gleich anderweitig zu buchen. Außerdem hat der lange Winter die Gastronomie gebeutelt. Der verhaltene Start in die Saison und damit ausgeblieben Umsätze werden für die Wirte übers Jahr nur mühsam aufzuholen sein", stellte die NTI fest.
In diesen schwierigen Zeiten komme es für die Fremdenverkehrsakteure von der Ostsee mehr denn je darauf an, schlummernde Potentiale zu wecken und für sich zu erschließen. Zunehmend würden dabei auch die Thüringer als Zielgruppe entdeckt. Mit dem Slogan "Thüringen liegt in Mecklenburg" werbe beispielsweise die Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH speziell im Freistaat für die "hügelige Umgebung des Ostseebades", das an die Landschaft Thüringens erinnere.
Auch das Ostseebad Rerik mache im Thüringer Wald mit seinem "Eric aus Rerik" auf sich aufmerksam. Das schlage sich nicht nur im Buchungsverhalten nieder, sondern trage inzwischen sogar zur kulturellen Bereicherung für die Küstenregion bei: Anfang September 2006 würden zum Reriker Lichterfest erstmals die mit einer Vielzahl von nationalen wie internationalen Preisen ausgezeichneten Tänzerinnen und Tänzer des Thüringer Folkloretanzensembles aus Rudolstadt an der Ostseeküste erwartet werden.
"Sollten sich die Thüringer also doch ganz langsam auf die Ostsee zurückbesinnen?" fragte die NTI im Geleitwort zur Sonderausgabe 2006. "Und wenn wir nicht nur als gerngesehene Feriengäste, sondern auf vielfältige Weise, bei Kultur, Sport und Wirtschaft, in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein präsenter werden, kann das für unser Bundesland nur von Vorteil sein, weil wir somit nämlich für unser Thüringen als grünes Herz, Denkfabrik, Bratwurstreich und Wintersportnation werben. Schließlich stellt sich doch die Frage, warum eigentlich so wenig Gäste von der Ostsee ihren Urlaub in Deutschlands Mitte verbringen?"

NTI-Titel 7 2004
NTI 7/2004: Herausragendes Kulturgut

Färben mit Pflanzenfarben ist für Prof. Dr. Harald Kunze eine kulturhistorische Tradition ersten Ranges. Der Inhaber eines Weimarer Beratungs- und Forschungsunternehmens plädierte im NTI-Interview für eine "sinnvolle Wiederbelebung der Thüringer Färbertradition". Unter Kunzes Leitung fand in den 90er Jahren dazu ein Forschungsprojekt statt. Sein Unternehmen führt eine Datenbank aller Pflanzenfärber im deutschsprachigen Raum und unterhält vielfältige internationale Kontakte.
Der NTI-Interviewpartner forderte für sein Vorhaben breite Unterstützung ein: "Wenn eine Tradition so lange brachlag, werden die Kräfte einzelner nicht ausreichen, sie auf breiter Front erfolgreich wiederzubeleben, geschweige denn, zu einem Wirtschaftsfaktor werden zu lassen. Man bedenke, was sich in den letzten hundert Jahren alles verändert hat. Meines Erachtens muß die Wiederbelebung dieser einzigartigen Tradition zu einem Anliegen des gesamten Freistaates werden. Trotz verschiedener Vorstöße ist es noch nicht gelungen, der Landesregierung den kulturhistorischen Wert der Färberei nahezubringen. Bisher wird dort primär der landwirtschaftliche Aspekt gesehen und die Frage nach der Anbaufläche von Färberpflanzen gestellt. Diese Frage ist mit Blick auf die Zukunft nicht unwichtig, geht aber heute am Kern der Sache vorbei. Die Färbertradition ist in erster Linie ein herausragendes Kulturgut für unser Land. Deshalb schlage ich vor, im Jahre 2010 eine Landesausstellung zur Thüringer Färber- und Textilgeschichte durchzuführen."

NTI-Titel 9 2004
NTI 9/2004: Wunderbar erregt

Zwischen Jammertal und Erfolgsstory Ost - Die NTI widmete dem Ereignis "Deutschland und Europa feiern in Erfurt 15 Jahre Frieden und Freiheit" im September 2004 eine komplette Ausgabe. Zu den prominenten und hochrangigen Autoren und Interviewpartnern gehörte Steffen Reiche (SPD). In Auszügen berichtete der Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg exklusiv für die Neue Thüringer Illustrierte aus seinen niedergeschriebenen Erinnerungen an die Gründung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR im Herbst 1989: "An vielen Orten würde es an diesem Tag Proteste geben. Ich hatte Lust, dabeizusein und war doch froh, daß wir etwas machten, was nicht so laut, nicht so offensiv war, aber im Grunde die stärkste Attacke gegen den Staat an diesem Tage darstellte", resümierte das SDP-Gründungsmitglied den 7. Oktober 1989 aus seiner Sicht. Reiche schilderte diesen für ihn und die ostdeutsche, ja gesamtdeutsche Sozialdemokratie so wichtigen Tag in der NTI so: "Wir alle waren wunderbar erregt, weil wir wußten, daß es etwas Einmaliges war, was wir jetzt machten - eine Partei gründen. Und nicht irgendeine, sondern die älteste deutsche Partei, die hier im Osten verboten war. Wer auch immer wann nach uns kam, er würde sich zu unserer Gründung verhalten müssen. Es war wunderbar, einfach das Recht, diese Partei zu gründen, in Anspruch zu nehmen und damit Geschichte zu schreiben. Denn wie absurd und abwegig es vielleicht auch von außen schien: Wir wollten die Sozialdemokratie im Osten wiederbegründen."

NTI-Titel 10 2004
NTI 10/2004: Schlicht verwechselt

Thüringens Energieversorger liefen gegen eine NTI-Veröffentlichung zu neuen Stromangeboten und Strompreisvergleichen Sturm. In einer Arbeitsberatung von Vertretern Thüringer Stadtwerke wurde sogar erwogen, eine künftige Zusammenarbeit mit der Neuen Thüringer Illustrierten zu boykottieren. "Ihr Preisvergleich soll sich offensichtlich auf die Thüringer Region beziehen. Der örtliche Versorger für Weimar/Thüringen ist die Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH. Die von Ihnen unter Weimar als örtlicher Versorger aufgeführte EAM ist in Thüringen nicht vertreten. Die dargestellten Preise des Versorgers EAM sind nicht die der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH.
Mit unserem System WeimarStrom und WeimarGas bieten wir unseren Kunden maßgeschneiderte Preise an", teilte Frank Scherschmidt, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Weimar GmbH, zum umstrittenen Beitrag "Maßgeschneiderte Angebote" in Heft 10/2004 mit.
Die NTI-Darstellung bezog sich, wie die Redaktion ihre Leserschaft daraufhin in der nächsten Ausgabe aufklärte, auf eine veröffentlichte Strompreisvergleichstabelle der Heidelberger Verivox GmbH, einem renommierten Strompreisvergleichs-Unternehmen: "Dem Unternehmen ist bei der für einen Abdruck in der NTI exklusiv erstellten Tabelle ein Fehler unterlaufen, weil Verivox- Chefredakteur und Webmaster' Thomas Stollberger schlicht Weimar in Thüringen mit Weimar an der Lahn verwechselte." In einer von der NTI-Redaktion geforderten Stellungnahme teilte Stollberger dazu lapidar mit: "Hiermit möchte ich mich nochmals für den Patzer beim Stromvergleich entschuldigen. Wir lernen nicht nur daraus, daß es zwei Weimars in Deutschland gibt, sondern auch, daß wir künftig nur noch direkt mit Postleitzahlen arbeiten und nicht mit Ortsnamen und diese auch den Printpartnern liefern. Ihnen wäre sicher aufgefallen, daß 35096 Weimar nicht stimmig sein kann. Mir hätte es auch auffallen müssen, denn ich war schon mehrfach in Ihrer Stadt zu Gast."
In Ausgabe 11/2004 informierte die Redaktion die Leserschrift über die damit verbundene Entscheidung: "Die NTI vertritt die Auffassung, daß man sich gerade bei einem solch sensiblen Thema wie Stromvergleichen auf die Vergleichsquelle verlassen können muß. Die offensichtlich oberflächliche Arbeitsweise des Heidelberger Service-Unternehmens kann nicht ohne Konsequenz bleiben: Die NTI wird die Verivox GmbH nicht weiterempfehlen und schon gar nicht in Zukunft auf deren Informationen zurückgreifen."

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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