Highlights 2000

NTI-Titel 1 2000
NTI 1/2000: Macht der Thüringer Marken
"Born Senf ist im Freistaat Thüringen das mit Abstand bekannteste Thüringer Markenprodukt." Das war das Ergebnis einer in vielerlei Hinsicht überraschenden und bemerkenswerten repräsentativen Meinungsumfrage des Weimarer Unternehmens apropro! Analyse Prognose Projektmanagement unter 500 Thüringer Bürgern im Auftrag der Neuen Thüringer Illustrierten. "Auf die Frage, welche Thüringer Markenprodukte, die bereits vor 1989 hergestellt worden sind und die Wende bis heute überlebt haben, bekannt sind, schneiden Born Senf mit 10,8 Prozent und Thüringer Rostbratwurst mit 7,6 Prozent mit deutlichem Abstand am besten ab", berichtete die NTI weiter. Immerhin noch 3,6 Prozent der Thüringer wußten laut Umfrage als Thüringer Marke den Aromatique aus Neudietendorf zu benennen. Es folgen die Greußener Salami mit 3,4 Prozent auf Platz 4, Born Ketchup mit 2,2 Prozent auf Platz 5, Nordhäuser Doppelkorn mit zwei Prozent auf Platz 6 sowie Vita-Cola mit 1,8 Prozent auf Platz 7 vor dem Mühlhäuser Pflaumenmus und dem Altenburger Senf mit jeweils 1,6 Prozent.
Von dem Ergebnis zeigte sich vor allem Frank Siegmund, Hauptgeschäftsführer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei, gegenüber dem NTI-Autor überrascht. Immerhin hatte doch gerade Köstritzer - mit Bitburger Millionen gepusht - den gesamtdeutschen Schwarzbiermarkt aufgerollt. Und nach einer Analyse der Nürnberger Marktforscher der GfK aus dem Jahre 1998 kenne jeder zweite Bundesbürger die Marke "Köstritzer Schwarzbier". In den neuen Bundesländern wußten laut diesen Ermittlungen fünf von sechs Ostdeutschen mit dem "Schwarzen mit der blonden Seele" etwas anzufangen.
"Dagegen spielt das Köstritzer Schwarze in der Marken-Umfrage des Unternehmens apropro! für die NTI eine wesentlich unbedeutendere Rolle. Lediglich 0,2 Prozent der Befragten geben explizit das Original aus Köstritz spontan als Thüringer Markenprodukt an. Gilt also die Marke im eigenen Bundesland wenig?" argumentierte die NTI. Der eigentliche Reiz der NTI-Umfrage jedenfalls bestand vor allem darin, daß bei der Befragung nicht etwa bestimmte Produkte vorgegeben wurden. Sondern: "Die Nennung blieb den Befragten somit frei überlassen. Gewertet wurden nur die ersten Nennungen", stellte der Autor in der Auswertung ausdrücklich fest.
Schwarzbierbrauereichef Siegmund trug es jedenfalls mit Fassung: Gerade die Tatsache, als vermeintlicher Anwärter auf einen vorderen Markenplatz im hinteren Bereich zu landen, bringe reichlich Gesprächsstoff. Und der könne durchaus zu einer weiteren Steigerung im Bekanntheitsgrad bzw. zu einem verbesserten Markenbewußtsein des Produktes bei den Thüringern beitragen.
Immerhin benannten die in die Umfrage einbezogenen Thüringer 142 vermeintliche Thüringer Marken. Mit Spee (1,8 Prozent), Fit (1,6) und dem Kaffee Mona (0,8), um nur die bedeutendsten Fehl-Beispiele zu nennen, wurden dabei auch klassische Ostmarkenprodukte angegeben, die nun mal keine Thüringer Erzeugnisse sind. Nach gründlicher Analyse blieben unter dem Strich 56 tatsächliche Thüringer Produkte, die der Freistaatler als Marke angab.

NTI-Titel 2 2000
NTI 2/2000: Lärm um nichts
Öffentliche Polemik ist im politischen Selbstdarstellerzirkus allemal wichtiger als sachliche Diskussion. Statt eines Anrufs bei der Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH zettelte deren Aufsichtsratsvorsitzender und Landtagsabgeordnete Wetzel gegen Bärbel Grönegres einen ITB-Vorfeld-Streit über eine sogenannte "Kahlschlagsvision" im Thüringer Tourismuswesen an. Anlaß war, wie die Ostthüringer Zeitung (OTZ) am 8. März 2000 berichtete, die Grönegressche Vorhersage, daß in den Orten, wo man auf touristischem Gebiet nicht ausschläft, über kurz oder lang die Lichter ausgehen werden.
Bei dieser Aussage handelte es sich um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat eines Interviews mit Thüringens Tourismuschefin Grönegres aus der Ausgabe 2/2000 der Neuen Thüringer Illustrierten. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Abgeordnete Wetzel vor der öffentlichen Schelte zunächst den kompletten Wortlaut des NTI-Interviews gelesen hätte. Darin hatte die Interviewte keineswegs die Tourismusregionen verdammt und diesen ihre Unterstützung gar verweigert, sondern lediglich, mit Verweis auf die Grundpfeiler der kommunalen Selbstverwaltung, klargestellt, daß Impulse durchaus von der Basis erwartet werden: "Die Arbeit für die Schaffung vermarktungsfähiger Tourismusangebote muß vor Ort geleistet werden und das bedeutet auch, die entsprechenden Voraussetzungen dafür vor Ort zu planen und zu organisieren ..." Es ist leider nicht bekannt, ob der "Streit" zwischen Aufsichtsratschef und Geschäftsführerin der Tourismus GmbH wenigstens auch zu einer produktiven hausinternen Diskussion darüber geführt hat, wie die Zusammenarbeit zwischen Fremdenverkehrsbasis und Tourismusobrigkeit hierzulande konstruktiver gestaltet werden könne. "So blieb auch diese Auseinandersetzung wie leider allzuoft im Thüringer Tourismuswesen lediglich viel Lärm um nichts", kommentierte die NTI in Ausgabe 3/2000.

NTI-Titel 4 2000
NTI 4/2000: Ernüchternde Bilanz

Daß die Thüringer Weltweiten Expo-Projekte in Thüringen selbst kaum konkret bekannt waren, machte eine im Auftrag der NTI durchgeführte repräsentative Meinungsumfrage unter der Thüringer Bevölkerung erschreckend deutlich. Zwar hatten 57 Prozent der Befragten zumindest von diesen 17 Projekten gehört oder gelesen. Aber: Nur sieben Prozent der Thüringer konnten Thüringer Expo-Projekte sicher benennen. "Von allen Befragten, die zumindest angaben, von Thüringer Expo-Projekten gehört oder gelesen zu haben, konnten jedoch 88 Prozent keine bzw. keine richtigen Angaben über konkrete Projekte machen", zogen die Meinungsforscher in der NTI eine ernüchternde Bilanz.
Die vorangegangene angeblich kritische Berichterstattung der Neuen Thüringer Illustrierten über die Thüringer Weltweiten Expo-Projekte hatte sich bis zu Jürgen Gnauck (CDU), den für die freistaatlichen Expo-Vorbereitungen zuständigen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, höchstselbst herumgesprochen und war auch Monate nach der Veröffentlichung längst noch nicht vergessen worden. Das ließ der Politiker beim Vorgespräch eines Interviews für diese Ausgabe gegenüber dem NTI-Autor zumindest nicht unerwähnt.
Lange zuvor waren von kommunalen Politikergrößen ganz andere Geschütze aufgefahren worden: Als gar "imageschädigend für alle weltweiten Projekte" hatte Peter Hengstermann (CDU), der Landrat des Kyffhäuserkreises und Vorsitzende des Vereins zur Förderung des weltweiten Projektes "Salz der Expo" e. V., am 8. November 1999 in einem Brief an den NTI-Chefredakteur Passagen des Beitrages "Radikaler Wandel" in NTI 10/99 gegeißelt und um eine Stellungnahme zur Entstehung des Artikels gebeten.
Dabei war die NTI wirklich nicht die richtige Adresse für ein solches aufklärendes Ansinnen, denn der eigentliche Urheber stammte aus den eigenen Reihen: Uwe Dönhoff, der Amtsleiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung Sondershausen und Insider des dortigen Expo-Projektes, nämlich war im vom Landrat beanstandeten NTI-Beitrag mit seiner Ansicht vom Vorbereitungsstand der hiesigen Expo-Aktivitäten genannt worden: "Auch ihm war es schleierhaft, warum sich der Freistaat und die Expo-GmbH in Sachen Großflächenwerbung für die dezentralen Projekte so bedeckt halten."
Wenn schon dieser Satz für Zündstoff hinter den Kulissen sorgte, was für ein Gewitter hätte sich erst entladen, wenn Dönhoffs Kritik im Originalton bekannt gewesen wäre? Im Mitschnitt des der Redaktion selbstverständlich vorliegenden Tonbandprotokolls, für das auch das Einverständnis von Uwe Dönhoff bestand und aus dem bereits andere Passagen in einer Ausgabe zuvor ausführlich abgedruckt worden waren, hörte sich die Kritik in Richtung Landesregierung nämlich so an: "Wir bräuchten Marketingunterstützung … Aber, daß eben auf dieser Marketingstrecke sie uns habe hängenlassen, das nehme ich ihnen (gemeint ist die Thüringer Landesregierung, Anmerk. der Red.) echt übel." Und an anderer Stelle formulierte Dönhoff live: "Es soll ja eigentlich irgendwo mal so ein Expo-Schild geben. Das haben wir dann vielleicht nach der Expo."
Obwohl die NTI die Aussage des Expo-Projekt-Experten mehr als sachlich zu Papier gebracht hatte, zeigten sich die zuständigen Herren in der Landesregierung schon ob dieser sachten Kritik an der angeblich mangelnden Unterstützung und Bewerbung für die Expo-Projekte gegenüber den Sondershäuser Expo-Aktivisten seinerzeit äußerst verärgert. Es wurden Wellen geschlagen, worauf Kritikus Dönhoff erst einmal in Deckung ging und von kritischen Tönen plötzlich nichts mehr wissen wollte und der Landrat höchstpersönlich in seinem Brief an die NTI die Meinung von Herrn Dönhoff verbesserte. So geriet die Dönhoffsche Kritik nach der Interpretation des Landrates zur Lobpreisung in Reinkultur auf die Verdienste der freistaatlichen Oberen. Dem damaligen NTI-Autor sei demnach von Herrn Dönhoff "sinngemäß" gesagt worden, "daß Großwerbung sicherlich ein Marketinginstrumen ist, was aber zur Zeit aus Geldknappheit nicht bewerkstelligt werden kann. Eine Zuweisung der Aufgaben an den Freistaat oder die Expo-GmbH ist schon deshalb wenig sinnvoll, da effiziente Werbearbeit nur von den Machern der Projekte gewährleistet werden kann." Amen.

NTI-Titel 10 2000
NTI 10/2000: Geteilte Meinung

Der typische internetbegeisterte Thüringer ist unter 30 Jahre, besitzt eine hohe Schulbildung und wohnt in einem Haushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen über 4000 bzw. über 6000 D-Mark. Das ergab eine im Auftrag der Neuen Thüringer Illustrierten für Heft 10/2000 durchgeführte repräsentative Meinungsumfrage.
Über die Bedeutung des Internets für sich persönlich waren die Freistaatler geteilter Meinung. "Mehr als jeder Zweite in Thüringen (53 Prozent) sieht die Nutzung des Internets als sehr wichtig oder eher wichtig an. Jedoch können 45 Prozent der Befragten dem Internet generell keine sonderliche Bedeutung für ihr persönliches Leben beimessen."

 

NTI-Titel
NTI 11/2000: Forderung nach Oberzentrum

Die Neue Thüringer Illustrierte wird vor allem in Südthüringen als sinnvoller Werbeträger für wirtschaftspolitische Anliegen akzeptiert. "Südthüringen braucht ein Oberzentrum" forderte in der Novemberausgabe eine ganzseitige Gemeinschaftsanzeige des Landratsamtes Schmalkalden-Meiningen und des Vereins Pro Südthüringen. Mehr als 50 Unternehmen, die Industrie- und Handelskammer Südthüringen, Handwerkskammer, Mittelstandsvereinigung sowie alle sechs für ein mögliches gemeinsames Oberzentrum Südthüringen in Betracht kommenden Städte beteiligten sich an dieser Anzeigenaktion, die auch auf der Jahresmitgliederversammlung des Vereins Pro Südthüringen Ende März 2001 eine ausdrückliche Würdigung erfuhr.
Nachdem die NTI den Südthüringer Oberzentrumsbestrebungen den Titel 11/2000 gewidmet hatte, sollten vier Jahre vergehen, bis das Thema in Heft 11/2004 erneut auf der ersten Seite, allerdings mit für die Region enttäuschendem Ausgang, dargestellt wurde: "Aus der Traum? Das Ende für die Südthüringer Oberzentrum-Vision."

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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