Highlights 1998

NTI-Titel 4 1998
NTI 4/98: Demokratische Pädagogik
Nach über dreieinhalbjähriger CDU-SPD-Regierung in Thüringen erwies sich die Große Koalition immer mehr als eine Ehe, in der es nicht mehr viele Gemeinsamkeiten gab. "Die Sozialdemokraten im Freistaat wollen Neuwahlen", berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in Ausgabe 17/1998. Ein Landesparteitag solle das Ausstiegsszenario aus der Großen Koalition absegnen. Der "Spiegel"-Bericht berief sich auch auf ein NTI-Interview mit Richard Dewes, dem SPD-Landesvorsitzenden und Innenminister des Freistaates: "Der Westdeutsche Dewes spielt gern den Zuchtmeister: ,Gerade in den neuen Bundesländern ist es für die demokratische Pädagogik wichtig, daß Große Koalitionen nicht zu lange amtieren', dozierte er in der jüngsten Ausgabe der ,Neuen Thüringer Illustrierten'."
Auch in einem weiteren NTI-Interview in Ausgabe 10/98 gab sich SPD-Chef Dewes im Hinblick auf den Immernoch-Koalitionspartner streitbar und entfachte im Vorfeld des anstehenden Landtagswahlkampfs die Diskussion um einen möglichen künftigen Regierungspartner PDS. Dewes' Äußerungen sorgten beispielsweise im "Freien Wort" für Schlagzeilen: "In einem Interview für die Oktoberausgabe der Neuen Thüringer Illustrierten erklärte er erneut, nach der Landtagswahl seien alle Optionen offen. Gespräche mit der PDS über die im Lande anstehenden Sachprobleme seien für die SPD keine anderen Gespräche als mit der CDU, sagte Dewes. Er warf Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) vor, eine Zusammenarbeit der SPD mit der PDS ,von der Tolerierung bis zur Koalition' zu erzwingen, weil der CDU-Landeschef erklärt habe, daß die Union in die Opposition geht, wenn sie nicht stärkste Partei im Lande wird. Dewes wörtlich: ,Ich weiß nicht, ob die CDU es hinreichend bedacht hat, daß sie sich damit aus der Verantwortung zurückzieht.'"
Tatsächlich sollte der Thüringer SPD-Frontmann dann bei der Landtagswahl 1999 aber ganz tief fallen. "Die Vision von einem, der einst aus dem Saarland auszog, um in Thüringen die große Karriere zu landen, geriet zum Alptraum", kommentierte die NTI in Ausgabe 9/99 das Wahldebakel von 18,5 Prozent der Wählerstimmen. "Regelrechte Anti-Dewes-Stimmung erlebte am Wahlabend im Thüringer SPD-Festzelt in der Landeshauptstadt auch der NTI-Reporter Jens Voigt: ‚Sie sind schuld mit Ihrer PDS-Kungelei, Herr Dewes. Gehen Sie doch zurück ins Saarland!' Und: ‚Du hast doch Deine Rückfahrkarte schon in der Tasche!' machten enttäuschte Genossen ihrem Unmut Luft." Dazu merkte die NTI treffend an: "So einfach aber ist es mit der Entsorgung des Wahlverlierers nicht. Einen Richard Dewes will inzwischen wirklich keiner mehr auch nur geschenkt haben." Die kritische Auseinandersetzung mit Richard Dewes blieb für die NTI nicht ohne Folgen. Sie kostete tatsächlich SPD-orientierte Anzeigenkunden. Ein verärgerter Ortsvorsitzender der Partei stornierte kraft seiner Macht als Geschäftsführer eines kommunalen Omnibusbetriebes eine Anzeige. Die von der Redaktion vorgeschlagene Möglichkeit, in einem Autorenbeitrag gegen die Polemik gegen Dewes zu polemisieren, schlug er beleidigt aus.

NTI-Titel 5 1998
NTI 5/98: Wenig Sicherheit
Lediglich 55 Prozent der Beschäftigten in Thüringen halten ihren Arbeitsplatz für sicher, das war das Ergebnis einer exklusiv für die Neue Thüringer Illustrierte durchgeführten repräsentativen Umfrage des Weimarer Instituts apropro! in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Meinungsforschungsinstitut GFM-Getas/WBA. Ihre Arbeit gefährdet sahen demnach 34 Prozent der Thüringer Beschäftigten, elf Prozent der 2100 Befragten machten keine Angabe oder hatten zum Zeitpunkt der Umfrage lediglich befristete Arbeitsverträge. Die Meinungsforscher kamen in der NTI zu dem Schluß, daß die tatsächliche Arbeitsmarktentwicklung und die persönliche Beurteilung der Arbeitsmarktlage durch die Bevölkerung das politische Klima im Wahljahr 1998 nachhaltig beeinflussen dürften.
 

NTI-Titel 6 1998
NTI 6/98: Fragliche Legislatur-Bilanz
Unter dem Motto "Was bewegen Thüringens Bundestagsabgeordnete?" befragte die NTI sämtliche Bundestagsabgeordnete aus dem Freistaat nach ihrer Bilanz in der zu Ende gehenden Legislaturperiode. Insgesamt 24 Bundestagsabgeordnete aus Thüringen wurden um Beantwortung diverser gleichlautender Fragen gebeten. Immerhin 13 ParlamentarierInnen von Dr. Ludwig Elm (PDS) über Hans-Ulrich Köhler (CDU) bis zu Wieland Sorge (SPD) zeigten sich spontan auskunftswillig. Über die Hälfte der Befragten blieb die gewünschten Antworten allerdings schuldig. Entweder a) hielt sie es nicht für nötig zu antworten, oder b) hatte sie keine Zeit zum Antworten, oder c) hatte sie keine Erfolge zu vermelden?


NTI-Titel 9 1998
NTI 9/98: Beachtliche Bekanntheit
Seit dem ersten Thüringentag 1996 in Altenburg wird diese in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesregierung und den verschiedenen Landkreisen ins Leben gerufene Veranstaltung, die jährlich eine Region im Freistaat besonders in den Blickpunkt rücken soll, durch die NTI jeweils konsequent thematisiert. Eine von der NTI exklusiv veröffentlichte Meinungsumfrage bescheinigte dem Thüringentag bis Mitte 1998 einen beachtlichen Bekanntheitsgrad. So erreichte der Thüringentag Platz fünf in der Rangfolge des Bekanntheitsgrades von insgesamt 25 untersuchten Kultur- und Freizeitveranstaltungen des Freistaates. Immerhin 64 Prozent der 500 repräsentativ Befragten in Thüringen kannten den Thüringentag. Nachdenklich resümierte die NTI in Ausgabe 9/98: "Das Ost-West-Gefälle und die nicht zufriedenstellende Resonanz bei den westlichen Nachbarn sollte den Veranstaltern zu denken geben." Eine im Auftrag der Neuen Thüringer Illustrierten exklusiv erstellte Analyse ergab: "In Bayern und Hessen erreichte der Thüringentag nur einen Bekanntheitsgrad von 11 Prozent. Die Resonanz in Sachsen-Anhalt und Sachsen ist mit 16 bzw. 23 Prozent etwas größer. Aber in den angrenzenden östlichen Bundesländern sieht es derzeit trotzdem nicht viel besser aus. Obwohl fast jeder vierte Bürger in Sachsen schon einmal vom Thüringentag gehört oder gelesen hat, ist die geographische Nähe und die politisch-kulturelle Tradition, die die Region um Altenburg mit Sachsen verbindet, die wahrscheinliche Ursache für diese hohe Aufmerksamkeit. Der Anteil von Besuchern liegt, wie in den anderen Nachbarländern, auch in Sachsen unter der Einprozentmarke."
Positiv blieb trotz allem festzustellen: "In Thüringen mobilisierte der Thüringentag mehr als jeden Achten zu einem Besuch der Veranstaltungen. Männer, Erwerbstätige und Arbeitslose fühlten sich bisher am häufigsten davon angesprochen. Ein Hinweis vielleicht darauf, daß die Menschen den Thüringentag auch als Chance für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in den Regionen wahrnehmen."

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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