Highlights 1997

NTI-Titel 6 1997
NTI 6/97: Sinn und Richtung
Der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer (SPD), eine der herausragenden Persönlichkeiten der politischen Wende in Ostdeutschland, verteidigte Sinn und Richtung der sogenannten "Erfurter Erklärung". Ein halbes Jahr nach ihrer Veröffentlichung registrierte er in einem ausführlichen NTI-Exklusiv-Interview, das in Heft 6/97 sowie 7/97 abgedruckt wurde, daß man dem Machtwechsel der CDU-FDP-Regierung unter Helmut Kohl in Bonn nähergekommen sei. Der Bürgerrechtler räumte zugleich aber auch Schwächen ein: "Die Achtung vor dem Freund, vor uns selbst und allen, an die wir uns wenden, schließt ein, daß wir uns selbstkritisch prüfen. Denn manche Frage an unsere Erfurter Erklärung ist richtig."

 

NTI-Titel 7 1997
NTI 7/97: Zuviel berechnet

Der Jenaer Sparkassenskandal aus dem Jahre 1994 war noch nicht ganz vergessen, da geriet das Geldinstitut erneut in die Negativschlagzeilen: Ein NTI-Beitrag informierte darüber, wie die Sparkasse Jena mit überhöhten Zinsberechnungen auf Kredite jahrelang bei Unternehmern der Saalestadt kräftig und ungeniert abkassiert hatte: "Die Sparkasse mußte mittlerweile im Rahmen eines rechtskräftigen einstweiligen Verfügungsverfahrens, also erstmals vor Gericht, einräumen, daß bereits seit 1994 ,buchungstechnische Fehler' bei der Zinsberechnung, insbesondere bei sogenannten Kompensations-Sparkassenvereinbarungen, zu ,Fehlbelastungen' von Kreditnehmern geführt hätten. Bislang kann, laut Informationen von Betroffenen, von mindestens fünf Fällen ausgegangen werden. ,Wucher und Betrug', sagen die betroffenen Unternehmer, die sich benachteiligt und in ihrer Existenz bedroht sehen und sich deshalb in einem Interessen-Sparkassenverein zusammengeschlossen haben. Es wurden, so die Kritik des Vereins, zwar in Einzelfällen zuviel berechnete Zinsen von der Sparkasse zurückgeführt, das aber nur nach teilweise heftigen Auseinandersetzungen und möglicherweise nicht in voller Höhe. Jedenfalls schätzen das Kunden ein. Mittlerweile müssen sich bereits die Zivilgerichte mit diesen Problemen beschäftigen. Inzwischen hat der Verein Strafanzeige gestellt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Mühlhausen."
Im 97er Sommerloch schlugen die im NTI-Beitrag gescholtenen Jenaer Sparkassenoberen zurück und erhielten in den Lokalmedien der Saalestadt ausreichend Platz, um Dampf abzulassen. Als Reaktion auf die geballte Kritik von Sparkassenkunden wurde den Lesern diverser Jenaer Lokalblätter die Botschaft der Unschuldslämmer verkündet: Die Vorwürfe seien, so rechtfertigte sich Martin Fischer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, "schlichtweg erlogen". Und natürlich: Eine Thüringer Illustrierte, gemeint war die NTI, hätte sehr einseitig über Anschuldigungen gegen die Sparkasse berichtet. Es gebe einen Systemfehler in der EDV, der die Sparkassenkunden mit überhöhten Kreditzinsen belastet habe. Fischer betonte, daß die dargestellten Ansprüche eines Klageführenden aus der Zeit vor 1994 herrühren und die Zusagen von Mitarbeitern gegeben worden wären, von denen man sich 1994 getrennt habe. Für Jürgen Mascher (CDU), den Landrat des Saale-Holzland-Kreises, gab es, als eines der beiden Verwaltungsratsmitglieder, denen von der NTI Untätigkeit in der Sache vorgeworfen worden war, eine ganz einfache Wahrheit: "Es geht hier nur darum, Zwiespalt zu säen zwischen dem Verwaltungsrat und dem Vorstand." Schließlich kam der Hüter der Sparkassengerechtigkeit zu dem Schluß: "Wir können keine Fehler bei der Sparkasse sehen."
Werner Treue, Vorsitzender des Vereins zur Förderung wirtschaftlicher Interessen der Kunden der Sparkasse Jena und Weimar, konfrontierte in einem NTI-Interview in Ausgabe 9/97 die diversen Unschuldsbeteuerungen mit Tatsachen, die bisherige NTI-Recherchen bestätigten. Der Verein, der gegen das Geldinstitut Strafanzeige wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen gestellt hatte, und die Interessen von mittlerweile 40 mittelständischen Unternehmen der Region vertrat, wurde von Sparkassenchef Fischer mit der Regelmäßigkeit einer immer wieder aufgelegten gleichen Schallplatte als eine "Negativ-Auslese" von Kunden abqualifiziert. "Es stellt sich die Frage: Gibt es wirklich so viele Bösewichte unter den Kunden eines einzigen Geldinstituts?", kommentierte die NTI. Sparkassenkritiker Treue war angetreten zu beweisen, daß die Probleme, die sich jetzt nachträglich aus der Vergabe von Krediten ergeben hatten, eben nicht, wie von Herrn Fischer behauptet, aus der Tätigkeit des früheren Sparkassenvorstandes resultierten: "So mußte zum Beispiel die Sparkasse in Person ihres Vorstandsvorsitzenden Fischer eine Zinsrückerstattung in Höhe von knapp 400.000 DM, die sich aus der Falschberechnung von Zinsen durch die Sparkasse für die Jahre 1994 bis 1996 zugunsten der Lindenpark KG ergab, anordnen. Diese Falschberechnung begründete sich aus der Nichteinhaltung der Kompensationsvereinbarung und erfolgte in den Jahren, in denen der neue Vorstand unter Fischer die Verantwortung für die Geschäftspolitik der Sparkasse trug", stellte der Vereinsvorsitzende gegenüber der Neuen Thüringer Illustrierten klar und räumte so mit dem Argument auf, an allem jetzt aufgekommenem Frust sei, wenn überhaupt, der alte Sparkassenvorstand schuld.

NTI-Titel 11 1997
NTI 11/97: Bewegtes Vorleben

NTI berichtete über einen angehenden Wettbewerber: das Jenaer "Businessmagazin". Interessant las sich die Geschichte seines selbsternannten Verlegers Xaver Stimpfle: "Seine erste Konkurseröffnung, das geht aus den der NTI vorliegenden offiziellen Auskünften hervor, erlebte er am 1.4.1992. Am 29.7.1994 erfolgte gegen Xaver Stimpfle Haftanordnung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung. Eine eidesstattliche Versicherung legte er am 3.4. 1995 ab. Noch unmittelbar vor dem Start seiner Verlegerkarriere in diesem Jahr bescheinigten Inkassounternehmen Xaver Stimpfle, daß er sich ,in schlechten Vermögensverhältnissen' befinde. Und es wird Gläubigern, die nach wie vor auf die Begleichung von Rechnungen aus vertraglich erbrachten Leistungen warten, wenig Hoffnung gemacht: ,Eine weitere außergerichtliche Bearbeitung wird deshalb voraussichtlich keinen Erfolg haben.'" Und weiter berichtete die NTI aus einem bewegten Verlegervorleben: "Nicht erst seit heute setzt sich der aus dem Schwabenland kommende Wahljenenser für ein gutes Miteinander der hiesigen Menschen ein. Bevor er zum Zeitschriftenmacher aufstieg, verdiente Stimpfle mit ,Life & Fun Thüringen' sein Einkommen. Unter dem Motto ,Menschen für Menschen' organisierte er einen ,Club für Menschen, die ihren Freundeskreis erweitern wollen'. Jedoch nicht alle mit dieser Geschäftstätigkeit im Zusammenhang stehenden Forderungen, das kann der NTI-Verlag beweisen, hat der Menschenfreund beglichen." Darüber hinaus wußte die NTI darüber Bescheid, daß die Aktivitäten eines F. Xaver Stimpfle über den bloßen Informationsjournalismus weit hinausreichten: Der derzeit außerdem als "Unternehmensberatung" firmierende F.X.S. sei an Vielseitigkeit kaum zu übertreffen und gebe in seinem Business-Blatt zahlreiche "Gründe zur Investition in der Dominikanischen Republik" zum besten.
Das anfangs reichlich durch Anzeigen von hiesigen Immobilien- und Bauunternehmen illustrierte Magazin "für Gewerbetreibende und Freiberufler in Jena" erschien, vielleicht auch dank der raschen Aufklärung durch die NTI, insgesamt nur viermal und Verleger Stimpfle verlegte seine Geschäftstätigkeit alsbald ausschließlich in die Karibik.

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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