Highlights 1993

NTi-Titel 1 1993
NTI 1/93: Geheimwaffe Viola
Für die Generation der damals 30- bis 45jährigen Thüringer war er ein Mythos - der "Deutsche Soldatensender 935". Der NTI gelang es, erstmals Zeitzeugen zu befragen: "Helga Jacoby wird per Parteiauftrag dem Stab des ,Soldatensenders' in Berlin-Grünau zugeteilt. Den Decknamen, mit dem sie auftreten soll, wählt sich die energische Genossin, die monatlich 1500 Mark erhält, selbst aus: ,Ich wollte Viola heißen. Und ich wurde Viola - die Geheimwaffe Pankows.' Damit aus dem SED-Mitglied Jacoby die ,Sex-Nachrichten-Sprecherin' Viola werden konnte, stellte das Politbüro alle Weichen." In einer Beschluß-Vorlage, die der NTI im vollem Umfang vorlag, wird die Einrichtung eines Geheimsenders mit der Notwendigkeit "einer stärkeren Einflußnahme auf die Angehörigen der Bonner Bundeswehr" begründet. Der "Soldatensender" gaukelte seinen Hörern vor, er stünde auf West-Territorium und könne nur unter provisorischen Bedingungen auf Sendung gehen. "Eine glatte Lüge: In Wahrheit sitzt die Redaktion in der Ost-Berliner Regattastraße. Und in einem Waldstück bei Reesen, 60 Kilometer von Magdeburg entfernt, steht heute noch die Sendeanlage. Der Agitationsauftrag erweist sich als Bumerang", faßte die NTI zusammen. "Zwar wird der ,Soldatensender' auf die Verbotsliste der NVA gesetzt, doch ohne Erfolg: Helga Jackobys Hitparade bleibt bis zum Ende des Senders der absoulute Geheimtip."

NTI 2 1993
NTI 2/93 Zweifelhafte Rentenansprüche

Bei einem Besuch in der NTI-Redaktion führte Karen von Berg vom Film- und Fernsehproduktionsunternehmen Media Berlin ihren neuesten Film vor, der sich mit der Geschichte zwischen Deutschland und dem ehemaligen Vielvölkerstaat Sowjetunion befaßte. Das Werk mit Arbeitstitel "Lettland den Letten", das erst nach der "Premiere" in der NTI dem Mitteldeutschen Rundfunk vorgestellt wurde, schilderte den bevorstehenden Abzug der einstigen Roten Armee aus Lettland und zeichnete den freiwilligen Weg Zehntausender junger Letten zu deutschen Einheiten ab 1941 nach. Vorrangig sollen laut Filmdokumenten die Aizargi, lettische Freiwillige, bei der Judenverfolgung eingesetzt worden sein. Teile dieser Einheiten hätten in Lettland 185.000 Juden systematisch ermordet, so die erschütternden Ergebnisse dieser Recherchen. In der 93er Februarausgabe brachte die NTI dann auf Basis dieses Films eine Tatsache an die Öffentlichkeit, die hierzulande nicht bekannt gewesen war und Niedrigrentenempfängern einen Schlag ins Gesicht verpaßte: "Die lettischen Veteranen sollen bald mit Renten aus Deutschland ihren Lebensabend finanzieren können!" Die NTI zitierte: "Lettland hat seine Freiheit wiedererlangt, und somit haben wir das Recht, uns an die deutsche Regierung zu wenden, um, nachdem wir zusammen an der Front gegen den Bolschewismus gekämpft haben, eine Rente, eine Kompensation dafür zu bekommen." Diese Forderungen des Vorsitzenden des Verbandes der nationalen Soldaten Lettlands machten, hieß es in einem NTI-Kommentar, "Ansprüche letztlich auch für Kriegsverbrecher" geltend.

NTI-Titel 3 1993
NTI 3/93: Eigentlich nicht wählbar

Wieder einmal Vorwürfe gegen fragwürdige Entscheidungen im Thüringer Wissenschaftsministerium. Nach der Wahl des neuen Rektors der Hochschule für Architektur und Bauwesen, Dr. Zimmermann, sei beinahe auszuschließen, daß man im Ministerium den Inhalt des Landeshochschulgesetzes kenne, schlußfolgerte die NTI. "Denn nach Paragraph 74 Absatz 6 und den Überleitungsbestimmungen des LHG war Dr. Zimmermann zum Zeitpunkt seiner Wahl zum Rektor nicht wählbar, da seine Ernennung zum Professor erst nach seiner Wahl erfolgte." Es könne, kommentierte die NTI als erstes Medium überhaupt diesen Fall, eben auf den Wegen zu Ruhm und Ehren nie von Nachteil sein, wenn man Gönner habe!

 

NTI-Titel 6 1993
NTI 6/93: Unzufriedenheits-Dilemma

Der Westen werde zunehmend als eine Alternative zu Thüringen erkannt, machte eine Exklusiv-Meinungsumfrage des Büros für Sozialforschung Erfurt im Autrag der NTI deutlich. "Gerade solche Gemeinden, die sich in der Nähe des Freistaates Bayern befinden, haben einen beträchtlichen Bevölkerunsschwund. In einigen Dörfern reduzierte sich die Einwohnerzahl innerhalb der letzten zwei Jahre um ca. zehn Prozent." Doch damit nicht genug: "Der Anteil hochqualifizierter Fachkräfte wächst, der bei weiter anhaltender Perspektivlosigkeit gerade in intellektuellen Ballungszentren ... bereit ist, das Land gänzlich zu verlassen", so die Prognose der repräsentativen Befragung.

NTI 6/93: Absolut sicher
Kroatien, immer noch im Krieg stehend, könne die Sicherheit von Touristen garantieren, versicherte vollmundig Nikita Valentic, Premierminister der Republik Kroatien, im NTI-Exklusivinterview. "Wir haben keine Angst, daß Touristen etwa beunruhigt wären über Flüchtlinge. Ich glaube aber, daß es für beide psychologisch nicht gut ist, täglich miteinander konfrontiert zu sein", begründet der Premier eine von der internationalen Öffentlichkeit kritisierte Räumungsaktion von Flüchtlingen in Hotels in Istrien.

NTI-Titel 7 1993
NTI 7/93: Wander-Rekord

Was passiert in einem Körper, dem nach ganztägiger Knochenarbeit keine Nachtruhe gegönnt wird? Am 12. und 13. Juni 1993 erlief Hans-Joachim Stoyan aus Pößneck, mit der Rückenstärkung des Hauptsponsors NTI, die Antwort: Mit 28 Stunden und 18 Minuten reiner Marschzeit für den 168,3 Kilometer langen Rennsteig zwischen Blankenstein und Hörschel unterbot er Max Raebels historischen Rekord um ganze vier Stunden und 27 Minuten. "Aber eigentlich", berichtete die NTI in der Juliausgabe, "kommt es darauf nicht an. Am Ende, als die Reporter gegangen und die Kameras verschwunden sind, da sitzt ein stiller Mann am Werraufer. Vor ihm ragt die Autobahnbrücke in den Himmel, dröhnend zieht der Verkehr darüber. 168 Kilometer, die schafft ein Auto auf staufreier Strecke in gut zwei Stunden."

 

NTI-Titel 9 1993
NTI 9/93: Echte Safaris

",Auf Hemingways Spuren'" titelte das deutsche "Reisebüro Bulletin" über eine mehrteilige Reisereportage in der NTI, die in Ausgabe 9/93 ihren Abschluß fand. ",Unsere Safaris fanden im Buch statt', erinnerte sich Jörg Schuster, Chefredakteur der Neuen Thüringer Illustrierten. Mit der ersten ostdeutschen Journalistengruppe in Kenia wandelte er auf Hemingways Spuren durch Busch und Savanne", berichtete das Bulletin. "Weil zu viel Negatives über das lange Jahre beliebteste Fernreiseziel der Westdeutschen geschrieben wird, in den neuen Bundesländern aber die Lust auf Ausgefallenes wächst", war weiter zu lesen, "luden der Frankfurter Ostafrika-Veranstalter Safari Aktuell und kenianische Leistungsträger zu, wie ein Teilnehmer schrieb, ‚Wildnisromantik und Küstenzauber' ein". Die vom Jenaer Reisebüro Jenatours zusammengestellte Gruppe flog mit Kenya Airways nach Ostafrika, lernte mit Kenias größter Incoming-Agentur Pollmann's Tours & Safaris die wichtigsten Parks kennen und erlebte Badeferien in der Severin Sea Lodge am Indischen Ozean.
"Nach über achtstündigem Rückflug können wir uns in Frankfurt am Main auf der Gangway noch so sehr in unsere aus den Koffern hervorgezogenen Jacken hüllen, die mittlerweile ungewohnte deutsche Kälte verursacht Gänsehaut", berichtete der NTI-Chefredakteur über die Ankunft aus Kenia. "Am Ende der Treppe bauen sich zwei semmelblonde Grenzschutzbeamte auf. Sie ignorieren die Pässe aller deutschen Fluggäste. Sie werfen vielmehr ein scharfes Auge auf alle kenianischen und anderen offensichtlich nichteuropäischen Fluggäste. Sicherheitshalber kontrollieren sie jeden, der schwarz ist."

NTI 9/93: Kalte Atmosphäre
Als Fußballknüller erwies sich die Neuauflage des legendären 74er WM-Spiels DDR-BRD. Mehr als 15.000 Freunde des runden Leders erlebten am 22. Juli in Steinach ein aktionsreiches Spiel der Oldies um Jürgen Croy, Lothar Kurbjuweit, Harald Irmscher und Co. im Team Ost und der Beckenbauer, Breitner, Overath und Co. im Team West.
Doch der NTI-Redakteur erlebte hinter den Kulissen, daß der deutsch-deutschen Fußball-Gala das Happyend fehlte, sich die einstigen Gegner nichts zu sagen hatten: "Während Beckenbauer einen freundlichen Eindruck hinterließ, als die Autogrammjäger auf ihn einstürmten, hatte Bild-Kolumnist Breitner mit organisatorischen Unbilden zu kämpfen. ‚Wo ist meine Sporttasche', rief der grantige Paul genervt, ‚ich hab keine Lust, lange hier rumzustehen'." Und weiter: "Bei der großen Pressekonferenz unter Steinacher Himmel auf dem Spielfeld hatte der frühere Mittelfeldstratege dann auch so seine Schwierigkeiten, wach zu bleiben. Als ihm ein Fan eine Bayernfahne auf den Tisch legte, mit der Bitte um ein Signum, platzte Breitner der Kragen. ‚I mog jetzt net unterschreibn' beschied er dem Anhänger bärbeißig und riß dabei das Souvenirstück vom Tisch. Selbst Sepp Maier, bekannt als der größte Spaßvogel der Weltmeisterelf, hatte dieses Mal kleine Schwierigkeiten mit den Fans. Zum Warmspielen brachte der Sepp sechs Fußbälle mit auf das Feld, von denen aber ein Exemplar einem Souvenirjäger in die Hände fiel. ‚Du bist wohl verrückt geworden', brüllte da der lustige Sepp über den Platz, ‚geb sofort den Ball zurück'."
Ein abschließendes Festbankett im Stadiongebäude sollte dann zum Abschluß des Tages bei Thüringer Wurst und Bier wenigstens für ein gemütliches Beisammensein der beiden deutschen Mannschaften sorgen. "Gelangweilt saß jede Mannschaft für sich an den langen Tischen. Außer Anstandsbekundungen hatte man sich nicht viel zu sagen. Eberhard Vogel, einst Oststürmer und heutiger Westtrainer, meinte ganz enttäuscht: ‚Ich dachte, wir feiern heute Abend alle zusammen, doch das Weltmeisterteam hat scheinbar leider keine Zeit für sowas'. Um 23 Uhr war von der Beckenbauer-Elf bereits keiner mehr im Saal. Die westdeutschen Ex-Profis hatten die Heimreise angetreten. Wenigstens der ‚Kaiser' hatte sich noch ordentlich von seinen ehemaligen Kontrahenten verabschiedet."

NTI-Titel 10 1993
NTI 10/93: Rechtlicher Druck

In dem für eine Buchveröffentlichung vorliegenden Manuskript "Unter Stasi-Verdacht im Thüringer Landtag" des ehemaligen Landtagsabgeordneten mit CDU-Mandat, Manfred Spieß, aus dem NTI ab Ausgabe 10/93 exklusiv vorabdruckte, erhob der Autor gegen die Thüringer CDU-Spitze den Vorwurf, ihn bewußt kaltgestellt zu haben, um den genehmeren Mitgliedern der Landesliste ein Mandat zu übereignen. Spieß bezeichnete es schlicht und einfach als "Seilschaft", wenn kein ehemaliger DDR-Volkskammerabgeordneter ohne zusätzlich vergüteten Posten geblieben war. Das aus Tagebuchnotizen zwischen Oktober 1990 bis Februar 1992 bestehende Zeitdokument sorgte für politischen Zündstoff: Auf die Veröffentlichung hin versuchten einzelne CDU-Politiker rechtlichen Druck auf den Verlag der NTI auszuüben und unter Drohungen von Strafanzeigen und Zivilprozessen den weiteren Abdruck des Buches zu unterbinden.
Der Vorgang wiederholte sich, nachdem ein weiterer Teil von "Unter Stasiverdacht im Thüringer Landtag" (NTI 11/93) erschienen war. Weitere Behauptungen von Spieß zu "Mandate-Mauscheleien" in der CDU und dem Nichtberücksichtigen von potentiellen Nachrückerkandidaten auf der Landesliste wurden vom Autor übrigens nach massivem Druck von Rechtsanwälten seiner ehemaligen Parteikollegen im April des Folgejahres widerrufen.

NTI-Titel 12 1993
NTI 12/93: Westliche Sicht des Abenteuers

Wenige Wochen vor dem Start der ersten Vortragstournee von Reinhold Messner in Ostdeutschland sprach die Neue Thüringer Illustrierte ausführlich mit dem Grenzgänger und Extremsportler: "MESSNER: Ich freue mich besonders darauf, weil ich weiß, daß die ostdeutschen Grenzgänger, Bergsteiger, Abenteurer ja 40 Jahre lang auf ähnliche Auseinandersetzungen verzichten mußten. NTI: Aber Expeditionen in den Kaukasus und den Pamir waren schon möglich. MESSNER: Das ist mir bekannt, aber ich meine die Auseinandersetzung auch mit einer westlichen Sicht des Abenteuers."

 

 

 

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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