Highlights 1992

NTI-Titel 1 1992
NTI 1/92: "Pfiffige Ossi-Werbung"

Ganz gezielt erschien die 92er Januarausgabe der NTI mit dem Titel "Kost the Ost". Das sollte die Offensive Thüringer Unternehmen, wieder verstärkt einheimische Produkte bekannt zu machen, unterstützen.
Die eigentliche Geburtsstunde von "Kost the Ost" schlug bereits im August 1991. Ursprüngliche Überlegung war, endlich auch ostdeutsche Werbekunden zwischen Halberstadt und Jena für Stadtmagazinwerbung im Chemnitzer "Kreutzer" zu gewinnen und gleichermaßen besagten Unternehmen die Scheu zu nehmen, für ihre Produkte und Leistungen zu werben. "Die Schwierigkeiten der Firmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind vergleichbar. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse, zögerliche Treuhandentscheidungen, wenig Geld für Investoren, kaum Geld für Werbung auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Notwendigkeit, kräftig zu investieren und zu werben", begründete die NTI ihren Einstieg bei "Kost the Ost".
"Kost the Ost" warb mit schrillen Anzeigenmotiven (Untersatz: "Der Bundeswirtschaftsminister: Durch den Kauf einheimischer Produkte sichern Sie Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern!"), auf denen sich gleich mehrere Ostfirmen mit ihren Logos präsentieren und in die Kosten hineinteilen konnten. Die Vorteile lagen damals auf der Hand: Kostengünstig und massenwirksam. Die Werbebotschaft erreichte durch den Verbund von zwei Stadtillustrierten mit der NTI in Dresden, Chemnitz und Thüringen ungefähr 300.000 potentielle Kunden für Waren und Leistungen aus Ostdeutschland. Die Resonanz seitens der Medien war groß. "Der Spiegel" kommentierte: "Pfiffige Ossi-Werbung".


NTI-Titel 2 1992
NTI 2/92: Nicht nachtragend

Wofür erhielt Herr Böck 20.000 DM in bar?" fragte die NTI und veröffentlichte eine bis dahin unbekannte Quittung über den Erhalt von 20.000 D-Mark in bar durch den Thüringer Innenminister Willibald Böck (CDU). "Böcks Unterschrift ... halte ich aus graphologischer Sicht für zweifelsfrei echt, allerdings verwundert mich die äußere Form, d. h. Quittungen auf Schmierzetteln sind immer verdächtig", urteilte der Bürgerrechtler und Mitglied des Thüringer Landtages, Matthias Büchner, gegenüber NTI.
Böck ging auf eine folgende Anfrage der "Thüringer Allgemeinen" zunächst auf Dummenfang: Mit diesem Dokument in der NTI wisse er nichts anzufangen.
Ein Thüringer Innenministeriumssprecher formulierte später sogar den Vorwurf: "Allem Anschein nach ist sich die Neue Thüringer Illustrierte nicht zu schade, an einem Minister-Image die Demontage zu proben."
Erst nachdem "Der Spiegel", Wochen nach der NTI-Veröffentlichung, zum großen Schlag in der Raststätten-Affäre ausholte, gestand Böck: ",Spender', erklärte er, ‚... sei die hessische Unternehmensgruppe Sebastian Stutz aus Alsfeld gewesen.'"
Beinahe ein Jahrzehnt sollte es dauern, bis der Eichsfelder, der seinerzeit als Innenminister zurücktrat, mit der NTI seinen Frieden schloß. Erstmals seit der Affäre stand er in Ausgabe 5/2001 wieder Rede und Antwort: "Damals ist viel Unfug über mich gesagt und gedruckt worden. Aber ich bin nicht nachtragend. Das bringt nichts und ist für die Zukunft nur schädlich", sagte er gegenüber NTI-Redakteur Klaus Ranglack gelassen. "Die Partei befand sich damals im Umbruch. Wir konnten das Geld gut gebrauchen", kann der quirlige Christdemokrat bis heute nichts Unrechtes darin sehen.
"Die 20.000 Mark kamen am nächsten Tag in den Panzerschrank des Landesverbandes. Wir haben damit vor allem Parteiveranstaltungen bestritten. Der Rest wurde später auf ein Konto eingezahlt, das wir extra für diesen Zweck einrichteten. Das ist nachweisbar."


NTI-Titel 6 1992
NTI 6/92: Überzeugende Entlastung

Der bekannteste Thüringer Bürgerrechtler und Stasiaufklärungsaktivist Matthias Büchner (Neues Forum) stand plötzlich selbst unter Stasiverdacht. Die Neue Thüringer Illustrierte erhielt als einzige Redaktion die Möglichkeit, diesen Verdacht im Beisein von Büchners Rechtsanwalt Jörg Tischendorf durch Einsicht in die vorliegenden mehrere Meter langen Stasi-Akten zur publizistischen Auswertung zu prüfen. Im Juni konnte der Landtagsabgeordnete dann durch einen in der NTI erfolgten Abdruck eines Stasi-Beschlusses, den Versuch der Anwerbung Büchners zum IM zu beenden, aus den über ihn geführten Akten von jeglichem Verdacht überzeugend entlastet werden. Darüber hinaus bestätigte Joachim Schlaack, IMB der Stasi und "Nachbar" des Bürgerrechtlers, im NTI-Interview, daß der "Paradiesvogel" kein Stasi-Mitarbeiter war: "Herr Büchner unterlag der Überwachung. Und ist sauber. Ich hätte es gewußt. Das erkläre ich an Eides Statt."


NTI-Titel 7 1992
NTI 7/92: Verrückt nach Maffay

Rockstar Peter Maffay sorgte mit seinem Open-air-Konzert am 20. Mai in Jena für das Thüringer Musikereignis des Jahres 1992. NTI gelang es, acht Stunden vor Spektakelbeginn mit dem ersten Fan auf der Rasenmühleninsel ins Gespräch zu kommen: Stefan Steiner ("Was ein richtiger Fan ist.") aus Saalfeld hatte zehn Jahre zuvor seinen Einstieg in die Maffay-Szene und erinnerte sich an das Konzert in der Ostberliner Seelenbinderhalle 1987: "Kannst Du Dir das vorstellen? 1000 Mark hab ich für die Karte geboten und trotzdem keine bekommen. Ich hab gesehen, wie andere ihr Motorrad für 'ne Karte hingestellt haben."
Der Punkt ist erreicht, wo sich der NTI-Reporter nicht länger beherrschen kann: "Du bist verrückt", entfährt es ihm. "Ja, sicher."

 


NTi-Titel 8 1992
NTI 8/92: Pro für Direktwahl

Bei einer NTI-Exklusiv-Meinungsumfrage unter Thüringer Bürgermeistern sprachen sich gegenüber der seinerzeitigen Verfahrensweise 79 Prozent aller Befragten für die Direktwahl durch die Bürger aus. "Hieraus ist der Schluß zulässig, daß der Anteil der Bürgermeister des Landes Thüringen, der eine Veränderung der Kommunalverfassung hinsichtlich der Wahl der Bürgermeister befürwortet, höher ist als der, der die bisherige Verfahrensweise bevorzugt", erklärte die Neue Thüringer Illustrierte und kam zu dem Schluß, "daß die Mehrheit der befragten Bürgermeister den Bürgerinnen und Bürgern mehr demokratisches Mitwirken durch die direkte Wahl des Bürgermeisters einräumen möchte, was allerdings auf der anderen Seite eine Schwächung der Befugnisse des Gemeinderates bedeuten würde."
Mit den Kommunalwahlen 1994 wurde in Thüringen dann erstmals die Bürgermeisterdirektwahl praktiziert und damit den Bürgern in der Tat mehr demokratisches Mitwirken ermöglicht.


NTI 8/92: Moralische Pflicht

In einem Exklusiv-Interview für die NTI schilderte der gebürtige Greizer Astronaut Ulf Merboldt "wie dünn diese irdische Atmosphäre ist." Der in Thüringen geborene Weltraum-Bummler berichtete gegenüber NTI, wie ihn seine Arbeit als Astronaut beeinflußt und verändert hat: "Um so tiefgreifender hat sich auch mein Denken geändert. Seit ich im Weltraum war, bin ich ganz sicher, daß es für uns eine moralische Pflicht gibt, mehr zu tun als bisher, diesen Planeten Erde denjenigen, die nach uns kommen, in einem guten Zustand zu hinterlassen."


NTI-Titel 10 1992
NTI 10/92: Doppelter Verdienst

"Wenn's um Geld geht, sind einige Thüringer Politiker nicht zurückhaltend", kündigte die NTI einen Beitrag über den damaligen Landtagsabgeordneten und FDP-Fraktionsvorsitzenden Andreas Kniepert an. Nach den der NTI vorgelegenen Exklusiv-Informationen hatte Kniepert sowohl in seinen politischen Funktionen erhebliche finanzielle Einkünfte bezogen als auch gleichzeitig ein volles Gehalt an der Weimarer Hochschule für Architektur und Bauwesen beansprucht. "Dies", so die Veröffentlichung, "geschah durchaus im Wissen darüber, daß das Thüringer Abgeordnetengesetz - seit 1. Februar 1991 gültig - Doppelbezüge aus dem öffentlichen Dienst ausschloß". Der damalige NTI-Kommentar: "Im Jahr zwei nach der Währungsunion ist bei manchen Thüringern die harte Mark bereits beträchtlich gerollt. In die eigenen Taschen."


NTI 10/92: Bislang unveröffentlicht

Bis dahin unveröffentlichte historische Fotos aus dem Besitz der Kali Werra AG von Kunstschätzen im Bergwerk Merkers veröffentlichte die Neue Thüringer Illustrierte in der Oktoberausgabe. Auf einem Foto war der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte und spätere US-Präsident Eisenhower abgebildet, der, wie das Bild belegte, am 12. April 1945 die eingelagerten Gold- und Kunstschätze im Bergwerk Merkers höchstpersönlich inspizierte. "Vom 12. bis 17. April wurden die Reichsbankbestände und das weitere faschistische Beutegut durch die US-Truppen vor allem zur Hauptstelle der Reichsbank in Frankfurt/Main per Lkw abtransportiert", berichtete die NTI dazu. "Vor allem aufgrund der strengen Geheimhaltung gibt es heute nur noch authentische Niederschriften des einstigen Betriebselektrikers Hermann Fleischer über das ‚Höhlenunternehmen' der Amerikaner. Nach Auskunft des Grubendirektors Hartmut Ruck ist der Verbleib der Goldreserven und Kunstgegenstände bis heute nicht völlig aufgeklärt. Sicher sei jedoch, daß ein Großteil des Goldes an die einstigen Eigentümer, die Staatsbanken der Tschechoslowakei und Belgiens, zurückgegeben wurde." Neben zahlreichen Printmedien zeigte sich auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) an einer Zweitverwertung der Bilder interessiert.


NTI-Titel 11 1992
NTI 11/92: "Wir gehen weg"

Am 21. November 1992 wurden von Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel (CDU) die Soldaten der 8. Gardearmee in Nohra verabschiedet, die letzten der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte, die Thüringen verlassen sollten. Damit werde unser Bundesland das erste, das von der einstigen Roten Armee geräumt wird. "Wir gehen weg, aber wir kommen als Freunde wieder", meinte Generalmajor Sosedow, Befehlshaber der 8. Gardearmee, unmittelbar vor dem Abzug im NTI-Gespräch. "Die Amerikaner werden Deutschland bis zum Jahre 2000 ebenfalls verlassen. Der deutsche Staat wird dann ohne ausländische Truppen und militärische Missionen leben - können. Gott ist weit, die Politiker sind nah. Die Frage nach dem Frieden ist an die Politiker zu stellen."


NTI-Titel 12 1992
NTI 12/92: Halbe Million verbraucht
Ohne ihren Präsidenten Bernhard Schaub aus der Schweiz, der erst durch eine Veröffentlichung in der NTI in die negativen Schlagzeilen geraten war, fand in Suhl eine außerordentliche Vollversammlung für die Mitglieder des Verbandes zur Förderung Thüringer Produkte e. V. statt. Durch die Berichterstattung in der Neuen Thüringer Illustrierten wurden die ahnungslosen Mitglieder über das tatsächliche Ausmaß der Tätigkeiten ihres Präsidenten informiert: Von der Geschäftsführung der Gesellschaft zur Förderung Thüringer Produkte wurden 500.000 D-Mark verbraucht, währenddessen Thüringer Unternehmen noch immer auf die versprochenen Aktivitäten und ihr Geld warteten. Das Veröffentlichen von GFT-internen Papieren in der NTI, das Schaub-Anwälte mit Unterlassungserklärungen und beträchtlichen Schadensersatzforderungsansprüchen gegen die Illustrierte zu verhindern versuchten, war schließlich Anlaß für die Entmachtung der Verbandsspitze mit dem Präsidenten voran. Als die NTI in der Ausgabe 2/1993 nachlegte und im Beitrag „Der große Bluff“ darüber berichtete, wie der Schweizer Unternehmer mit betrügerisch erworbenen Lizenzen Thüringer Unternehmer an den Rand des Ruins gebracht hatte, hetzte Iris Schaub der Illustrierten ihre Anwälte auf den Hals. Die Kanzlei Schüßler und Partner aus Würzburg versuchte, den Verlag, den Autor Paul Kaiser und den Chefredakteur Jörg Schuster mit Aufforderungen zum Abdruck einer Gegendarstellung, Unterlassungserklärungen und Androhungen von maßlos übertriebenen Schadensersatzforderungen einzuschüchtern.

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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