Highlights 1991


NTI 1/91: Willkommener Aufhänger

"Zuviel gebrüllt Löwe?" Das Titelbild der Maiausgabe 1991, der allerersten NTI-Ausgabe überhaupt, hatte es einer niedersächsischen Zeitung angetan und diente für ein "Thüringen-Special" als willkommener Aufhänger: "Mit einem am Tropf hängenden Löwen auf dem Titelbild präsentierte sich im Mai die Neue Thüringer Illustrierte. Und weiß Gott bei dem Erbe, das die CDU/FDP-Regierung nach den ersten freien Wahlen nach über 40 Jahren übernommen hat, steht es um Thüringen mit dem Löwen als Wappentier wahrlich nicht zum besten", berichtete das Blatt im Oktober des gleichen Jahres und nahm auch gleich auf weitere Details des vom Jenaer Zeichner Dietmar Grocholl erstellten Titelbilds Bezug: "Das bevorstehende Aus solcher riesiger Betriebe wie Soemtron in Sömmerda, dem einstigen Vorzeige-Büromaschinengiganten, oder die Stilllegung von Kalibergbauunternehmen, die erschreckende Umweltlasten auf Jahrzehnte hinterlassen werden, bringt ganze Regionen aus dem Gleichgewicht."
Doch erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung Thüringens seien nicht zu übersehen, verbreiteten die Journalistenkollegen aus dem Nachbarbundesland gegenüber ihrer Leserschaft Optimismus. Schließlich hatte ja der damalige Einheitskanzler Helmut Kohl (CDU) für das Neubundesgebiet die Vision von den "blühenden Landschaften" verkündet.

NTI 1/91: Schnelle Bearbeitung

"Jetzt ist Schluß Treuhand", kündigten die Besitzer der ersten Hundeschule Thüringens in Weimar-Schöndorf in einer Reportage an. Die aus ihrer Sicht behäbige und überhebliche Arbeitsweise der Thüringer Treuhandniederlassung Erfurt hätte sämtliche Träume der Inhaberfamilie Kümmel zerstört, auf einem Stück Brachland ein bis dato für Ostdeutschland einmaliges Hundezentrum zu schaffen. Dabei hatte vom Rechtsnachfolger des Grundstücks eine Verzichtserklärung vorgelegen. "Wir werden mit unseren Hunden die Treuhand räumen, damit diese Bürohocker dort mal in Trab kommen", drohte Hundeschulenbesitzer Kümmel der Erfurter Treuhand in der Startausgabe der Neuen Thüringer Illustrierten.
Diese Veröffentlichung war für den neuen regionalen Treuhandchef Großmann Anlaß, eigens eilig dafür einen Termin in der Hundeschule anzuberaumen und für eine schnelle Bearbeitung des Kümmelschen Antrags zu sorgen. Auch zur späteren Grundsteinlegung des neuen Hundeschulenzentrums auf dem strittigen Gelände erschien der Erfurter Treuhandchef, selbsternannter Hundefan, höchstpersönlich.


NTI 2/91: Großartige Leistung
Erstmals hatte es ein ostdeutscher Fahrer geschafft, am Deutschen Tourenwagen-Cup teilzunehmen. Ab dieser Ausgabe erhielt die Neue Thüringer Illustrierte von der FNL-Equipe (Fünf Neue Länder-Mannschaft) Citroen das Exklusivrecht, das Gaberndorfer Autorennfahrertalent Kai Kögler über die gesamte Saison hinweg zu begleiten. Das "Renntagebuch" las sich zum Beispiel so: Sonntag, 11.8.91, DTC-Wertungslauf im niederländischen Zandvoort. "...5. in diesem Klassefeld - eine großartige Leistung ... Wir laufen vor, zur Siegerehrung, und dann passiert etwas, was sich Kai nie erträumt hätte: Nicht der Sieger - nein - Kai Kögler, der ,Ossi' mit der besten Plazierung im deutschen Rennsport seit der Wende überhaupt, wird als erster interviewt, muß hier ... Antwort stehen den anwesenden Journalisten." Bis zum Saisonfinale gelang es Kai Kögler, einen beachtlichen 4. Platz in der Talentförderung für Fahrer unter 25 Jahren zu erreichen und in der NTI noch für manche Schlagzeile zu sorgen.


NTI 7/91: Vorm Kadi
Wegen des Beitrages "Hurra, Dr. Büttner! Oder wie ein Stadtoberhaupt der Presse Maulkörbe verpaßt" zu dubiosen Auftragsvergaben zur Vermarktung der Klassikerstadt an westliche Werbeagenturen sah sich der damalige Oberbürgermeister von Weimar, Klaus Büttner (CDU), ein Westimport aus Fulda, genötigt, die Redaktion der NTI vor den Kadi zu bringen. Jedoch ohne Folgen für den Verlag. Vom Gericht bekam das Stadtoberhaupt allerdings ins Stammbuch geschrieben, daß es die selbstverhängte Presse- und Informationssperre gegen den Verlag sofort aufzuheben habe.
Allerdings strafte Büttner die in Weimar herausgegebene NTI daraufhin mit Verachtung: "Seit einem halben Jahr ersucht die Neue Thüringer Illustrierte vergeblich um eine Audienz bei Weimars mächtigstem Mann. Der neue Pressesprecher des Magistrats, Jochen Vogel, hatte bei seinen Versuchen, die NTI dabei zu unterstützen, bislang ebensowenig Erfolg: Der Oberbürgermeister sei schlicht und einfach sauer auf die in der NTI über ihn veröffentlichten Beiträge. Ein Interview lehne er derzeit strikt ab!", kommentierte die Weimarer Zeitschrift. Erst nach über einem Jahr Funkstille gelang es den hartnäckigen NTI-Redakteuren, den resoluten Dr. Büttner für ein Interview zu erweichen. Auf vier Zeitschriftenseiten äußerte sich der Oberbürgermeister in der Ausgabe 11/1992 ausführlich zu den Perspektiven einer europäischen Kulturstadt und sparte dabei keinesfalls mit Kritik an der Gemengelage in der Klassikerstadt: „Weimar ist keine Museumsstadt, sondern die Stadt Weimar ist eine sich vorwärts entwickelnde Stadt, wo sich kritischer Geist trifft. Es muß möglich sein, daß Weimar wieder neue Bedeutung erlangt. Es müssen sich neue Meinungen manifestieren und es muß sich damit auseinandergesetzt werden, was hier in Weimar an falschem Verständnis für Klassik vorhanden ist. Zum einen eine sehr gute Pflege der Klassik. Andererseits gibt es eine Pflege der Klassik, die sich ausdrückt in rückwärts gerichteter Goethetümelei.“
Viele Weimarer hatten für den Führungsstil des stets umstrittenen Oberbürgermeisters offensichtlich wenig Verständnis. Bei der Wahl des Stadtoberhaupts im Jahr 1994 unterlag Büttner dem unter anderem wegen seiner früheren Mitgliedschaft in der SED eigentlich als Außenseiter eingestuften Dr. Volkhardt Germer in der Stichwahl und mußte sich von seinem absoluten Traum, das Weimarer Kulturstadtjahr als Oberbürgermeister zu bejubeln, verabschieden.

Ausgewählt und aufgeschrieben von JÖRG SCHUSTER

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