„Völlig steinfrei“

Graal-Müritzer Tourismuschef Dr. Bernd Kuntze, Zahl der Touristen hat sich fast verdoppelt (FOTO  TKG-GM-Archiv).

Dr. Bernd Kuntze, Geschäftsführer der Tourismus und Kur GmbH Graal-Müritz, schwärmt von den schönsten Stränden an der Ostsee überhaupt. Die Thüringer schneiden im Besucherranking seiner Region mit Platz sechs ab, berichtet der Kurchef, selbst ein gebürtiger Ostthüringer, im NTI-Interview und bekennt, was er an den Mecklenburgern liebt: „Sie sind rauh, aber herzlich“.
NTI: Die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern ist über 400 Kilometer lang. Jedes der 26 Seebäder wirbt mit einem eigenen Stil um die Gunst der Gäste. Was macht das Ostseebad Graal-Müritz unverwechselbar?
KUNTZE: Was uns auszeichnet, ist die gesunde Natur mit der Rostocker Heide, die uns wie ein grüner Gürtel umgibt. Das hat für uns eine besondere Bedeutung, weil durch die Vermischung von Waldluft und Meeresluft eine besondere Luftqualität entsteht, die einzigartig ist.
NTI: Läßt sich die Beliebtheit Ihres Ostseebades in Besucher- und Übernachtungszahlen messen?
KUNTZE: Wir beherbergen zirka 100.000 Gäste im Jahr und realisieren rund eine Million Übernachtungen. Damit liegen wir unter den Top-Ten in MV. Was die Auslastung der Kapazitäten betrifft, sind wir der Maßstab in MV, weil wir seit Jahren über die höchste Auslastung der gewerblichen Vermieter verfügen.

NTI: Ist dabei für Sie das Ende der Fahnenstange erreicht?
KUNTZE: Bei der Frage nach Erweiterung der Kapazitäten muß man klar zwischen Hotel/Pensionsbetten und privaten Ferienwohnungen unterscheiden. Bei den Kleinvermietern denke ich, sind wir an der Spitze der Fahnenstange angekommen. Bei den Hotelkapazitäten noch nicht. Da wünschte ich mir durchaus noch ein bis zwei Hotels im oberen Segment, die für eine Qualitätssteigerung sorgen.
NTI: Statistiken besagen, daß die Thüringer die Ostsee inzwischen als Urlaubsziel wiederentdeckt haben. Das war vor allem unmittelbar nach der Wende ganz anders. Da gehörte Thüringen zu den Schlußlichtern in den Besucherverzeichnissen von Meck-Pom. Wie schneiden die Freistaatler aus dem grünen Herz Deutschlands in Ihren Besucherrankings ab?
KUNTZE: Nach wie vor kommen zirka 70 Prozent aller Gäste aus den neuen Bundesländern. Wir konnten zu keinem Zeitpunkt einen erwähnenswerten Rückgang aus diesen Quellgebieten verzeichnen. Ganz im Gegenteil, so nach und nach wird Graal-Müritz auch in den alten Bundesländern bekannt und die Zahl der Besucher aus diesen Gebieten steigt. In einem Ranking belegen die Thüringer gegenwärtig Platz sechs, deutlich hinter Sachsen, Sachsen-Anhalt und NRW.
NTI: Warum sollte für Thüringer gerade Graal-Müritz eine Reise wert sein?
KUNTZE: Wir haben mit die schönsten Strände an der ganzen Ostsee überhaupt, völlig steinfrei, flach abfallend und unser Ostseewasser ist nachweislich mit das reinste überhaupt. Im Frühling blüht der Rhododendronpark in allen Farben und im Herbst lädt die Rostocker Heide zum Wandern oder Radeln ein. Aber auch kulturell wird viel geboten, von den sehr beliebten Festen – Rhododendron-, Seebrücken- oder Moorfest –, über Wanderungen, Lesungen bis hin zu Konzerten und Kabarettveranstaltungen namhafter Künstler.
NTI: Welche Höhepunkte haben Sie in diesem Jahr zu bieten?
KUNTZE: Am 30. März steigt das Große Osterfeuer an der Seebrücke, vom 24. bis 26. Mai findet das 30. Rhododendronparkfest im Park statt, am 22. Juni ist Mittsommernachtsfest auf dem Seebrückenvorplatz und vom 12. bis 14. Juli wird das Seebrückenfest in der Straße zur Seebrücke und Seebrückenvorplatz gefeiert. Weitere Höhepunkte sind vom 23. bis 25. August das Sommerfest auf dem Waldparkplatz, am 13. und 14. September das „Fest der Moorgeister“ in der Strandstraße Müritz-Ost, am 19. Oktober die 3. Walking-Nacht am Aquadrom und am 23. November der Kunsthandwerkermarkt zur Vorweihnachtszeit im Haus des Gastes.
NTI: Graal-Müritz wirbt damit, zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert zu sein. Mal ganz ehrlich, ist das Ostseebad außerhalb der Saison nicht nur halb so attraktiv?
KUNTZE: Natürlich besuchen uns im Sommer die meisten Gäste. Aber auch in der Vor- und Nachsaison entdecken immer mehr Besucher die Ostseeregion und stellen fest, daß ein Ostseeurlaub dann besonders erholsam ist. Natürlich ist es dann mit dem Sonnenbad am Strand eher nicht so, aber auf Schwimmen im Ostseewasser muß man bei uns nicht verzichten, denn in unserem Aquadrom findet man es und dann noch erwärmt.
NTI: Wann ist für Sie persönlich Graal-Müritz am schönsten?
KUNTZE: Ich finde, Graal-Müritz ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich im September kommen, wenn die großen Touristenströme abebben, so langsam etwas mehr Ruhe herrscht und die Natur besonders schön ist. Ich bin kein Mensch, der nur am Strand liegen mag. Ich muß Land und Leute erkunden können und das kann ich gerade in dieser Zeit mit dem Rad oder auch zu Fuß.
NTI: Wie hat sich die Tourismus und Kur GmbH in den letzten 20 Jahren entwickelt und was sind künftige Vorhaben und Visionen?
KUNTZE: Seit der Wende hat sich die Zahl der Touristen fast verdoppelt. Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr um Masse, sondern um Qualität gehen muß. Außerdem müssen wir daran arbeiten, auch wieder jüngere Menschen für unseren Ort zu begeistern. Gegenwärtig beherrschen die reiferen Besucher Graal- Müritz. Wir wollen mit neuen Angeboten für eine spezielle Zielgruppe – Großeltern mit Enkelkindern – dem begegnen. Dieser Zielgruppe hat sich bisher kaum jemand gewidmet, obwohl die Zahl derer, die mit ihren Enkeln Urlaub machen, steigt.
NTI: Herr Kuntze, was hat Sie als gebürtigen Thüringer eigentlich an die Ostsee verschlagen? Wie kommen Sie mit der Mentalität der Mecklenburg-Vorpommerner zurecht?
KUNTZE: Ich lebe nun schon seit meinem 18. Lebensjahr an der Küste. Zunächst habe ich in Rostock studiert und hier meine Frau kennengelernt. Dann hatte ich die Möglichkeit, an der Uni in Rostock arbeiten zu können, so daß Berufliches und Privates bestens zusammenpaßte. Mit den Mecklenburgern komme ich bestens zurecht. Sie sind rauh, aber herzlich und das liebe ich.
NTI: Keine Sehnsucht nach den Jenaer Kernbergen?
KUNTZE: Jena war nie so echt meine Heimat. Ich komme ja aus Gera und die haben es eigentlich nie so mit den Jenaern. Aber ich bin schon nach wie vor gern in Thüringen, mache auch hier gelegentlich Urlaub. Habe immer noch Freunde in Gera, mit denen ich mich auch regelmäßig treffe.
Das Interview führte JÖRG SCHUSTER.
NTI-Ostsee-Sonderausgabe 2013

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