„Ich habe das Gefühl, daß der Schwung weiter anhält“

Die Landesgartenschau hat der Stadt Schmalkalden zu einem ungeheuren Schub in Sachen Stadtentwicklung verholfen. Das konstatiert der Schmalkalden-Meininger Landrat Peter Heimrich (SPD). Im NTI-Interview stellt der Landrat fest, daß die Landesgartenschau eine Entwicklung hin zu mehr touristischer Zusammenarbeit in der Region in Gang gesetzt habe: „Das Ereignis verdeutlicht vielen Akteuren, daß man sich im Tourismus nicht als Stadt oder Gemeinde, sondern als Region begreifen muß.“

NTI: Herr Landrat, vom 25. April bis 4. Oktober ist Schmalkalden Gastgeberin der 3. Thüringer Landesgartenschau. Ist die Region für das Ereignis gerüstet?

HEIMRICH: Ja, absolut. Die Stadt Schmalkalden und die Landesgartenschau GmbH haben zusammen mit weiteren Partnern wie dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen ihre Hausaufgaben gemacht. Das umfangreiche Investitionsprogramm mit einem Gesamtumfang von rund 30 Millionen Euro konnte zur Freude aller Beteiligten im finanziellen und zeitlichen Rahmen planmäßig umgesetzt werden. Im vergangenen Herbst wurden dann auch Tausende Blumenzwiebeln gesetzt, die sich ab dem Frühjahr zu einem prächtigen Farbenmeer entwickeln werden. Zudem wird die Landesgartenschau ein Veranstaltungsprogramm bieten, das es in sich hat.

NTI: Wie hat die Vorbereitung auf die Landesgartenschau die Stadt und die Region verändert und geprägt? Und welche Erwartungen verbinden sich für Sie mit dem Ereignis?

HEIMRICH: Die Landesgartenschau hat der Stadt Schmalkalden zu einem ungeheuren Schub in Sachen Stadtentwicklung verholfen. Der Stadtboden wurde weiter saniert, drei Industriebrachen konnten zu herrlichen Parks entwickelt werden. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde in einem neuen ÖPNV-Knoten gebündelt. Diese und weitere Projekte haben natürlich auch private Investitonen stimuliert. Und ich habe das Gefühl, daß dieser Schwung weiter anhält. Die Laga hat auch eine Entwicklung hin zu mehr touristischer Zusammenarbeit in unserer Region in Gang gesetzt. Das Ereignis verdeutlicht vielen Akteuren, daß man sich im Tourismus nicht als Stadt oder Gemeinde, sondern als Region begreifen muß. Wir hoffen natürlich, daß viele der 350.000 Besucher, die erwartet werden, weitere Abstecher Richtung Rhön oder Rennsteig unternehmen werden.

NTI: Wieviel Mut gehört überhaupt dazu, ein solches Vorhaben in Angriff zunehmen?

HEIMRICH: Eine Entscheidung zu einem solchen Großereignis hat in meinen Augen wenig mit Mut zu tun, sondern eher mit Vernunft und natürlich auch mit einem gewissen Ehrgeiz. Es geht hier ja nicht nur darum, ein paar Blumen zu pflanzen. Ziel ist es vielmehr, mit einer einmaligen Förderkulisse eine nachhaltige Stadtentwicklung zu betreiben. Dazu braucht man ein gutes Konzept und das hat Schmalkalden gehabt. Ich kann dem Bürgermeister und dem Stadtrat zu diesem Engagement nur beglückwünschen.

NTI: Ihr Amtsvorgänger Ralf Luther war ein Verfechter eines aus den Städten Suhl, Zella-Mehlis, Oberhof, Schmalkalden, Meiningen und Hildburghausen bestehenden gemeinsamen Oberzentrums Südthüringen. Aus dem Vorhaben ist leider nichts geworden. Wie arbeiten die Städte in der Region heute und künftig zusammen?

HEIMRICH: Es gibt in Südthüringen vielfältige Berührungspunkte der interkommunalen Zusammenarbeit. Zuletzt beispielsweise beim ÖPNV in Verbindung mit dem Rennsteigshuttle. Aber natürlich gibt es überall auch Verbesserungspotential.

NTI: Die neue Thüringer Landesregierung wird früher oder später eine bislang sehr umstrittene Kreisreform auf den Weg bringen. Was bedeutet das für Ihren Landkreis?

HEIMRICH: Das kann man erst sagen, wenn es hierzu konkrete Entwürfe gibt. Grundsätzlich sind natürlich verschiedene Varianten auch für Südthüringen denkbar. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß Thüringen eine Kreisgebietsreform braucht. Es wird uns im Zuge des demographischen Wandels nichts bringen, die Kleingliedrigkeit als Heiligtum zu beschwören. Vielmehr sollte man den Bürgerinnen und Bürgern Ängste nehmen. Auch vor dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen macht der Bevölkerungsrückgang keinen Halt, auch wenn wir momentan zu den größten und leistungsstärksten Landkreisen in Thüringen gehören. Eins sage ich aber deutlich: Einer Teilung oder Zerschlagung des Landkreises werde ich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentreten.

NTI: Zum wiederholten Male blieb in diesem und im vorigen Jahr der Winter nahezu aus. Wie stellen sich der Sportbetrieb und das Fremdenverkehrswesen in den traditionellen Wintersportregionen Ihres Kreises auf den Klimawandel ein?

HEIMRICH: Die Zeiten großer Schneesicherheit sind sicherlich vorbei. Deswegen werden schwerpunktmäßig auch nur noch Projekte mit einer Ganzjahresperspektive gefördert. Wir müssen in Zukunft noch stärker auf wetterunabhängige Angebote setzen. Gleichzeitig müssen wir noch flexibler werden, um dann bei einer Kälteperiode Kurzentschlossenen perfekte Bedingungen zu bieten. Der Dienstleistungsgedanke muß sich noch mehr verankern.

NTI: Herr Heimrich, Sie sind seit 1. Juli 2012 im Amt. Was hat Sie als Landrat bisher bewegt und was sind künftige Schwerpunkte in Ihrer aktuellen Amtszeit?

HEIMRICH: Bewegt hat mich beispielsweise der erste Bürgerentscheid bei uns im Landkreis. Im vergangenen Jahr stimmten die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich gegen den Bau eines Besucher- und Erlebniszentrums in der touristisch unterentwickelten Thüringer Rhön. Für dieses zentrale Infozentrum in der Thüringer Rhön waren ein um 23,5 Grad geneigter Aussichtsturm mit Café, eine Riesenrutsche, eine begehbare Umlaufbahn und eine multimediale Ausstellung zu verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen vorgesehen. Die Bürger der Anliegergemeinden stimmten mit großer Mehrheit zu. Die meisten anderen Kommunen erteilten dem Projekt eine Absage. Das rührte vor allem daher, weil die Gegner aus den Reihen des politischen Wettbewerbs Ängste schürten und damit Neiddebatten und Verteilungskämpfe befeuerten. Das Ergebnis: Auf der Hohen Geba, wo diese Sehenswürdigkeit entstehen sollte, gibt es bis heute keinerlei Anzeichen für einen Aufwärtstrend. Im Gegenteil: im letzten Jahr hat die Thüringer Rhön erneut sechs Prozent an Übernachtungen eingebüßt. In den nächsten Monaten werde ich mich weiterhin für die touristische Entwicklung unserer Region einsetzen, Fördermittel akquirieren und Kooperationen anregen. Zudem hat sich der Kreistag mehrheitlich dazu bekannt, weiter in unsere Schulen zu investieren. Auch dieses Jahr stehen Mittel in Höhe von zehn Millionen Euro für unseren Bildungsstandort zur Verfügung. Bis 2020 haben wir noch einen Investitionsstau von mehr als 30 Millionen Euro abzuarbeiten.

Interview: JÖRG SCHUSTER

Schmalkalden-Meininger Landrat Peter Heimrich (SPD): „Es geht hier nicht nur darum, ein paar Blumen zu pflanzen.“

Foto: LRASM-ARCHIV

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