„Eine Ahnung vom Paradies“

Kühlungsborner Bürgermeister Rainer Karl, Seebad im Charme der Jahrhundertwende bieten (FOTO  OBK­Archiv).Kühlungsborns Bürgermeister Rainer Karl erinnert sich im NTI-Interview an einen relativ regen Austausch mit Thüringer Akteuren aus Politik und Fremdenverkehrswesen vor nunmehr fast zehn Jahren. Der Kommunalpolitiker berichtet, welche Spuren der 104. Deutsche Wandertag in seiner Region hinterlassen hat.
NTI: Im Jahr 2004 richtete Kühlungsborn den 104. Deutschen Wandertag aus. Weil ein Jahr später die 105. Auflage dieses Ereignisses im thüringischen Städtedreieck Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg  stattfand, kamen sich beide Regionen näher. Wie hat sich seitdem die Zusammenarbeit zwischen Kühlungsborn und dem Städtedreieck am Saalebogen entwickelt?
KARL: Vor und während des 104. Deutschen Wandertages gab es tatsächlich einen relativ regen, kollegialen Austausch zwischen unseren touristischen Destinationen. Bürgermeister und Tourismusverantwortliche besuchten sich gegenseitig und trafen sich bei den verschiedensten Veranstaltungen rund um den Wandertag. Es gab Überlegungen, wie und auf welchen Gebieten man zusammenarbeiten könnte. Wie es im Leben dann aber oft so ist, verliert man sich schnell aus den Augen, wenn die Feierlichkeiten vorüber sind und jeder seinen alltäglichen Angelegenheiten nachzugehen hat. Nein, eine Zusammenarbeit gibt es zwischen unseren Regionen leider nicht.
NTI: Das Ostseebad Kühlungsborn war zu DDR­Zeiten gerade für Urlauber aus Thüringen ein Renner. Wie hat sich Kühlungsborn seitdem verändert?
Kühlungsborner Strand, Liebe zum Detail (FOTO TSK-Archiv).KARL: Es stimmt, das Ostseebad Kühlungsborn war in der DDR ein begehrter und angesehener Urlaubsort, auch bei den Thüringern. Natürlich war aber auch hier, wie im Sozialismus üblich, alles abgewirtschaftet und baulich verkommen. Zu unserem heutigen Glück, war man aber damals nicht mal in der Lage, die Ruinen abzureißen. So konnten wir nach der Wende die Substanz aus den Gründerjahren für den Wiederaufbau nutzen und dürfen unseren Gästen heute ein Seebad im Charme der Jahrhundertwende bieten. Das ist es, was sich verändert hat. Kühlungsborn ist heute das größte und wie ich glaube, das schönste deutsche Ostseebad.
NTI: Und wo rangieren die Thüringer heute in der Kühlungsborner Urlauberstatistik?
KARL: Im Jahr 2012 konnten wir zirka 412.000 Gäste begrüßen, die hier etwa 2,5 Millionen mal übernachtet haben. Davon waren zirka sieben Prozent Gäste aus Thüringen. Damit liegen die Thüringer auf Platz acht in unserer Statistik. Es ist uns sehr daran gelegen, noch viele Menschen aus Ihrem Bundesland davon zu überzeugen, daß Urlaub im altbekannten Seebad Kühlungsborn sich immer noch lohnt.
NTI: Was hat der Ort zu bieten, wenn mal kein Postkartenwetter ist?
KARL: Das norddeutsche Wetter ist Gott sei Dank nicht immer nur Sonnenschein pur. Es gibt nämlich sehr viele Möglichkeiten, sich auch außerhalb des wunderschönen Sandstrandes zu erholen. Es sind sportliche Aktivitäten aller Art, Kunstausstellungen, Kino und Kabarett, Musik und Tanz und vieles mehr, was man sich an Freizeitaktivitäten vorstellen kann, die hier ganzjährig angeboten werden. Außerdem versteht sich Kühlungsborn auch immer als Region, in der man Urlaub macht. Herrlichste Wanderungen in unserer mittelgebirgsähnlichen Kühlung, oder Besuche der See­ und Hafenstädte Rostock, Wismar, Lübeck und Hamburg sind in Tagesausflügen leicht möglich. Selbst Abstecher nach Kopenhagen werden direkt von hier aus angeboten.
NTI: Also ist Kühlungsborn auch außerhalb der eigentlichen Saison eine Reise wert?
KARL: Ja, natürlich, gerade in den Zeiten außerhalb des turbulenten Sommers hat es besondere Reize, sich hier zu erholen. Strandspaziergänge an der brodelnden See, danach schick essen in allen Preiskategorien und vor allem sich in allen nur denkbaren Wellnesseinrichtungen verwöhnen lassen, das ist doch Erholung pur.
NTI-Titel zu den Deutschen Wander- tagen im Ostseebad Kühlungsborn und dem thüringischen Städtedreieck am  Saalebogen, Ausgabe 6/2004 - Kollegialer Austausch.NTI: Wo ist es für Sie persönlich in Kühlungsborn am schönsten?
KARL: Da ich hier geboren bin und seit 60 Jahren hier lebe, kann man vermuten, daß es für mich zu Hause am schönsten ist. Mein Lieblingsplatz ist aber der Strand am frühen Morgen. Wenn die Sonne über der Ostsee im wahrsten Sinne des Wortes erscheint, es langsam immer wärmer wird und man fast allein die Kraft der Natur und des beginnenden Tages erspürt, dann hat man eine Ahnung vom Paradies.
NTI: Hat der Deutsche Wandertag vor bald zehn Jahren in Kühlungsborn Spuren hinterlassen? Sind die Wanderer als Zielgruppe für Ihre Region nach wie vor zu begeistern?
KARL: Wahrscheinlich Ja. Es gibt einen Wanderführer, der Wanderlustige in Gruppen oder auch einzeln durch unsere wunderbare Landschaft begleitet. Von ihm wissen wir, daß viele Gäste sich auf den Wandertag berufen und seither ihre Liebe zur Mecklenburgischen Landschaft entdeckt haben.
Das Interview führte JÖRG SCHUSTER
NTI-Ostsee-Ausgabe 2013

Thüringen aktuell

Wohin in Thüringen?

Meine NTI Online
Aktueller Titel

Benutzeranmeldung
In der nächsten NTI

Sonneberger Potentiale

Die Ausgabe 4/2017 berichtet über das geplante bayerisch-thüringische Oberzentrum.

Werbung